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Quickborn : Verein setzt sich für Flüchtling ein

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Urteil des Landesverwaltungsgerichts: 17-jähriger Afghane Aliakbar B. muss zurück nach Ungarn. Unverständnis beim 1. FC Quickborn.

Quickborn | Es ist der Abend des 28. Januar. Die A-Jugendfußballer des 1. FC Quickborn trainieren gerade, als ein afghanischer Jugendlicher über einen befreundeten Dolmetscher anfragen lässt, ob er mitspielen könne. Er darf, beim nächsten Mal. Aliakbar B., 17 Jahre jung, erweist sich als großes Talent.

Mit seinen Mannschaftskollegen versteht sich Aliakbar, den Spielerpass beantragt Trainer Jan Ketelsen sofort beim Verband. Doch jetzt steht Aliakbar B. vor seiner Rückführung nach Ungarn – dem Land, wo er den ersten Asylantrag nach seiner Flucht aus der afghanischen Stadt Ghazni gestellt hatte.

„Wir hoffen inständig, dass dem Jungen nicht ein weiteres Mal der Boden unter den Füßen weggerissen wird und er bei uns in Deutschland bleiben kann“, plädiert Ketelsen an die Behörden. Nach Informationen dieser Zeitung war Aliakbar B. im Oktober 2014 ohne Begleitung und minderjährig in Pinneberg aufgetaucht und hatte bei der Diakonie um Hilfe gebeten. Über das Jugendamt des Kreises bekam der Jugendliche einen Vormund und stellte erneut einen Antrag auf Asyl, den zweiten auf europäischem Boden.

Aufgrund des Dublin-Übereinkommens muss das Asylverfahren allerdings in dem Land eröffnet werden, in dem der Flüchtling als erstes einreist. Nun habe das Landesverwaltungsgericht auf dieser Grundlage entschieden, dass Aliakbar B. nach Ungarn zurückgeführt werden müsse, sagte Vormund Thomas Krohn auf Nachfrage. „Und dieses Urteil ist unanfechtbar.“ Dennoch hat Krohn zusammen mit Fürsprechern von Aliakbar B. bereits nach Möglichkeiten gesucht, die drohende Rückführung abzuwenden. Eine Option wäre die Härtefallkommission in Kiel. „Aber leider ist Aliakbar nicht lange genug in Deutschland, um eine Ausnahme zu machen. Das ist die Auskunft, die ich bekommen habe“, erklärt Krohn. Für ihn ist es „unverständlich, dass jemand, der sich integrationswillig zeigt und sich in kurzer Zeit gut eingelebt hat, nicht hierbleiben darf“.

Zugeordnet ist Aliakbar B. der Stadt Barmstedt, allerdings in Quickborn fremduntergebracht, wie es im Amtsdeutschen heißt. Zur Schule geht er in Pinneberg. Dass sich Aliakbar B. im Kreis wohlfühlt, belegen Aussagen seiner Deutsch-Lehrerin Antje Reese von der Beruflichen Schule in Pinneberg. Er habe sich bisher „tadellos“ verhalten und hervorragend integriert. Zudem komme er täglich besser mit der deutschen Sprache klar.

In seiner neuen fußballerischen Heimat wirke er sehr glücklich und habe noch keine Trainingseinheit verpasst, berichtet Ketelsen, der Aliakbar B. als „schüchtern und sympathisch“ beschreibt. „Seine hervorragende Körperbeherrschung und das Potenzial weisen einen typischen Straßenfußballer aus“, hat der Coach beobachtet.

Für den Landesligisten könnte der Jugendliche also nicht nur menschlich, sondern auch fußballerisch viel wert sein. Vorausgesetzt, der Hamburger Fußballverband stellt ihm den Spielerpass aus und die Behörden sehen von einer Rückführung nach Ungarn ab. Dieser Wunsch verbindet alle beim 1. FC Quickborn. Ketelsen: „Das kleine Fünkchen Hoffnung jetzt wieder zu zerstören, kann man mir, unseren Spielern und erst recht Aliakbar selbst mit keinem Paragrafen erklären.“

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erstellt am 28.Feb.2015 | 10:00 Uhr

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