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Valerie Wilms, Dirk Salewsky und Heinrich Kut : Valerie Wilms wirft Sigmar Gabriel im Interview Retro-Politik vor

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Die Grünen-Abgeordnete fordert im Gespräch mehr Förderung von erneuerbaren Energien.

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2016 | 14:00 Uhr

Quickborn | Aus Anlass der Explosion des Atomkernkraftwerks Tschernobyl vor 30 Jahren haben der Orts- und Kreisverband der Grünen den Film „Verwundete Erde“ im Beluga-Kino gezeigt. Das Quickborner Tageblatt befragte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms (MdB), den Ortsverbands-Vorsitzenden Dirk Salewsky und den Chef der Quickborner Grünen-Fraktion Heinrich Kut zu den Folgen der Katastrophe.

Herr Salewsky, Sie haben den Mut, zur Fußball-EM einen dramatischen Film über die Tschernobyl-Katastrophe zu zeigen. Die Bürger setzen zurzeit andere Akzente. Was veranlasst sie dazu?
Salewsky: Die Einladung geht hauptsächlich von unserer Bundestagsabgeordneten Valerie Wilms und dem Kreisvorstand aus. Aktueller Anlass dafür ist die Diskussion auf europäischer Ebene, den Ausbau der Atomenergie voranzutreiben und natürlich der 30. Jahrestag der Katastrophe.

Frau Wilms, Sie saßen im Kino-Saal. Haben Sie die Darstellung der verheerenden Nuklearkatastrophe zum ersten Mal gesehen?
Wilms: Nein, und trotzdem geht mir der Film immer wieder unter die Haut. Besonders wenn der Junge in seinem Aufsatz schildert, was er erlebt hat. Es zeigt, was wir Menschen anrichten können, wenn wir etwas nicht zu Ende denken. In der Region des Reaktors haben Tausende ihre Heimat verloren oder sind an den Folgen der Strahlung gestorben.

Die Atomkraftwerke in westlichen Ländern sind sicherer als der, der in Tschernobyl explodierte. Warum setzen Sie sich trotzdem vehement für die Abschaltung der Meiler und den Energiewandel ein?
Wilms: Aber klar setze ich mich dafür ein! Der Film zeigt uns, dass die Atomkraftwerke mit ihren Risiken und der immer noch fehlenden Entsorgung gewaltige Kosten verursachen. Ohne die Förderung aus Steuergeldern in den 1960er-Jahren in Milliardenhöhe wäre es nie zu der Anzahl von Atomkraftwerken bei uns gekommen. Da bin ich gern bereit, mit meinem kleinen Obolus auf der Stromrechnung zum Ausbau erneuerbarer Energien beizutragen.

Die entscheidende Wende erfolgte nach der Fukushima-Katastrophe. Trotzdem scheint der Energiewandel mit wachsendem Abstand nicht mehr konsequent gewollt zu sein. Ist das auch Ihr Eindruck?
Wilms:
Wir haben inzwischen einen Abstand von fünf Jahren. Fukushima hat uns gezeigt, dass es Katastrophen auch in hochentwickelten Staaten geben kann. Darum bin ich erschüttert, dass unser Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel sich bis heute nicht wagt, endlich ein integriertes Energiesystem in Gang zu setzen, bei dem die erneuerbaren Energien die Führung übernehmen. Er läuft in die Falle der „Arbeitsplatzbewahrer“ im Braunkohlenbergbau, anstatt zukunftsorientierte Arbeitsplätze zu fordern. Das ist Retro-Politik!

Herr Kut, in Quickborn wurde parteiübergreifend eine fast optimale Trassenführung durchgesetzt. Denoch scheitert die Weiterführung der Windenergie nach Süden. Wie beurteilen Sie die Einwände?
Kut: Das Entscheidende ist doch, dass wir die Leitungen bekommen, und nicht eine Verhinderungstaktik gefahren wird. Die Bürger müssen bei den Entscheidungen mitwirken, so haben wir das in Quickborn praktiziert. Inzwischen läuft der Strom durch die neuen 380-Kilovolt-Leitungen.
Wilms: Wir sehen es auch bei anderen Großprojekten – es reicht nicht aus, dass die Politik irgendeine Idee hat und Geld dafür auftreibt. Dialog mit den Bürgern ist angesagt, und das nicht nur alle vier Jahre!

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