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Quickborn : Trio Adorno begeistert das Publikum

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Musik, die aus tiefster Seele kommt. Die Freunde der Kammermusik hatten mit dem Trio aus Hamburg die Elite des deutschen Musikernachwuchses eingeladen.

Quickborn | Die Freunde der Kammermusik hatten mit dem Hamburger Trio Adorno die Elite des deutschen Musikernachwuchses eingeladen. Die Hamburger Gruppe wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet – etwa beim Deutschen Musikwettbewerb sowie beim Internationalen Johannes Brahms Wettbewerb.

Das Publikum im Arthur-Grenz-Saal erwartete nicht nur eine unbefangene Frische in der Interpretation, sondern auch ein anregendes Programm, das es in sich hatte. Christoph Callies (Violine), Samuel Selle (Cello) und Lion Hinnrichs (Klavier) stellten mit Peteris Vasks‘ „Episodi e canto perpetuo“ ein Werk vor, das zu den verborgenen Schätzen der zeitgenössischen Musik gehört.

Der Lette Vasks gehört der baltischen Komponistenschule an, die Musik nicht als Darstellungsform abstrakter Mathematik begreift, sondern als unmittelbaren Ausdruck tiefster Empfindung: Schmerz, Glauben, Liebe. Sie bedient sich einer virtuosen Beziehung zwischen Tönen, Klängen und Akkorden als Sprache des Staunens vor dem Reichtum der menschlichen Seele und der Großartigkeit der Schöpfung.

Diese tiefe Spiritualität verbindet Vasks mit den französischen Komponisten des 20. Jahrhunderts und ihrem bekanntesten Vertreter Olivier Messiaen. Ihm ist Vasks‘ Trio gewidmet, und das ist der Grund, warum dieses Werk auf dem Programm stand: „Wir verehren Olivier Messiaen, aber er hat leider nichts für unsere Besetzung geschrieben“, erklärte Lion Hinnrichs.

Ausdrucksvoller Pathos, überbordende Dynamik

Die Episodi sind ein atemberaubendes Werk von ausdrucksvollem Pathos und überbordender Dynamik, zwischen weit gespannten melodischen Bögen. Eine interpretatorische Herausforderung, bei der das Trio Adorno mit seiner ungemein lebendigen Artikulation und subtil abgestimmter Phrasierung glänzen konnte.

Fast traten die beiden anderen Werke, die Vasks‘ kondensiertes Epos rahmten, vor ihm zurück. Zu Unrecht: Das Ensemble spielte mit Mozarts Trio d-Moll das einzige Stück, das Mozart in dieser Tonart komponiert hat. In der heiteren Wiener Klassik stechen diese Werke heraus wie Besinnungspausen inmitten unbekümmerter höfischer Fröhlichkeit.

Das Konzert schloss mit dem Brahms-Trio C-Dur op. 87, und es brauchte wohl etwas von diesem souveränen Meister reifer romantischer Harmonik, um das Publikum nach Vasks‘ aufwühlender Musik auf die Erde zurückzuholen. Ohne eine Zugabe ließ es das Trio Adorno allerdings nicht gehen: Es war ein freundlicher Haydn, der es zum Ausgang begleitete.

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erstellt am 21.Apr.2015 | 16:10 Uhr

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