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Quickborner Tageblatt

12. Dezember 2017 | 05:41 Uhr

Tiefgefroren ganz ohne Strom

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Serie Teil 1Im Ellerauer Heimatmuseum steht ein Schrank aus dem Jahr 1910, in dem Lebensmittel mit Elsensee-Eis konserviert wurden

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2017 | 16:38 Uhr

Von seinem einstigen Glanz ist nicht mehr viel übrig, die Patina der Geschichte hat ihm seine Leuchtkraft genommen. Dennoch war der Eisschrank, der zur Sammlung des Ellerauer Museumsvereins gehört, wohl noch bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts im Einsatz und sorgte dafür, dass in Schlachtereien und Haushalten zumindest kurzzeitig frisches Fleisch gelagert werden und in Brauereien der empfindliche Gärungsprozess wenigstens einigermaßen gelingen konnte. Das für heutige Verhältnisse unscheinbare Möbel ist einen genaueren Blick wert.

1876 erfand Carl von Linde den ersten Kühlschrank. Die Kompressions-Kältemaschine war unerschwinglich und deshalb nur etwas für die Superreichen, außerdem noch unhandlich, laut und wegen des verwendeten Kühlmittels giftig. Der Siegeszug blieb der Erfindung deshalb zunächst versagt und die Vormachtstellung des traditionellen Eisschranks unangetastet. Das schlichte Holzmöbel bestand im wesentlichen aus zwei Fächern: einem kleineren mit Auffangschale für das Eis und das Tauwasser sowie einem größeren für die Lebensmittel. „Das Eis wurde im Winter geerntet und im Eiskeller gelagert. Wenn es wieder wärmer wurde, bestellte man es sich ins Haus, wenn man es sich leisten konnte“, sagte Lilli Heuer vom Team des Heimatmuseums.

Und vorausgesetzt, es gab in der Nähe einen Eiskeller, denn über diesen ganz besonderen Raum verfügten bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts die wohlhabenden Teile der Bevölkerung, weshalb sie bis heute vor allem in der Nähe von Gutshöfen und Schlössern zu finden sind. Für sie war der Handel mit dem gefrorenen Wasser eine willkommene Nebeneinnahme.

„Die Arbeiter gingen mit der Stichsäge auf den zugefrorenen Elsensee und schnitten die Eisblöcke heraus“, so Heuer. Dann wurde die kostbare Fracht auf mit Pferdewagen verladen und in den Eiskeller transportiert, der im Fall von Ellerau auf dem Gelände von Gut Kaden stand. Sobald es wärmer wurde, gingen die Bestellungen ein und die Arbeit der Eisträger begann erneut. Das Anliefern sei ein Knochenjob gewesen, so Heuer. Und dann mussten die mit Handschuhen und Lederschürze angetanen Arbeiter die Blöcke vor Ort auch noch in die Fächer einpassen. „Das war ein Risenfortschritt, vor allem, wenn man Fleisch lagern musste.“ Einen entscheidenden Nachteil hatte der Eisschrank allerdings: Das Kühlmittel verwandelte sich schnell in Wasser und wurde ständig nachgeliefert.

Wo der Kühlschrank einst stand, den Besucher heute in der Ellerauer Ausstellung bewundern können, ist nicht klar. Fest steht aber, dass er aus dem Jahr 1910 stammt. Damit dürfte er auch noch in Benutzung gewesen sein, als Kühlschrankerfinder Carl von Linde 1934 starb. So verpasste von Linde knapp den Siegeszug des Geräts, denn bereits 1950 verfügte nahezu jeder deutsche Haushalt über einen seiner Kühlschränke. Das Heimatmuseum im Ellerauer Bürgerhaus, Højerweg 2, ist jeden ersten und dritten Sonnabend geöffnet– im Oktober noch jeweils von 15 bis 17 Uhr und ab November von 14.30 bis 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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