380-Kilovolt-Leitung durch Quickborn : Tennet lässt die Gründung rammen

Der Polier Rolf Sandstede (l.) und Tennet-Sprecher John Karl Herrmann stehen am Maststandort 176 vor einer Ramme.
Der Polier Rolf Sandstede (l.) und Tennet-Sprecher John Karl Herrmann stehen am Maststandort 176 vor einer Ramme.

Bauprojekt: Die Arbeiten für neue 380-Kilovolt-Leitung durch Quickborn laufen.

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14. Januar 2017, 15:00 Uhr

Quickborn | Zu sehen ist noch nicht viel, manches ist aber zu hören: Der Netzbetreiber Tennet baut in Quickborn-Heide fünf Strommasten für eine neue 380-Kilovolt-Leitung zwischen Dänemark und Niedersachsen. Sie soll den Strom aus den Windparks an Nord- und Ostsee nach Süddeutschland leiten.

Die etwa 140 Kilometer lange Trasse verläuft von dem dänischen Ort Kässo über Flensburg und Audorf bei Rendsburg nach Süden. Ab Lentföhrden folgt sie der Autobahn 7, bis sie an der Ortsgrenze von Ellerau Richtung Henstedt-Ulzburg schwenkt und dann entlang der AKN-Linie 2 durch den Staatsforst Rantzau bis zum Umspannwerk „Hamburg-Nord 50 Hertz“ in Norderstedt gegenüber eines Autoteilehändlers führt. Von dort soll der Strom über Hetlingen und die Elbe nach Dollern in Niedersachsen fließen.

Die neue Leitung läuft bis Hasenmoor (Kreis Segeberg) auf der Trasse der alten 220-Kilovolt-Leitung. Südlich davon wurde sie zugunsten der dicht besiedelten Gebiete zwischen Hasenmoor und Hamburg an die A7 und von dort aus durch den Staatsforst Rantzau verschwenkt.

Ende Dezember begannen die Arbeiten in Quickborn auf einem Feld im Dreieck der Bahnstraße und der AKN-Linie2. Während der vergangenen Woche legten Arbeiter der Firma Spitzke-Schomburg-Spezialtiefbau aus Leer dort die Gründung des Mastes Nummer 176. An den vier Ecken des etwa zehn mal zehn Meter großen Standfeldes rammten sie einen Meter dicke Pfähle in das Erdreich, auf denen die Masten später stehen sollen.

„Das ist jetzt die lauteste Bauphase“, sagte John Karl Herrmann, Tennet-Referent für Bürgerbeteiligung, bei einem Ortstermin. Er bat die Anwohner um Verständnis für den Lärm. Die Ramm-Arbeiten sollen je nach Witterung Ende Februar abgeschlossen werden. Herrmann versicherte, dass die Vorschriften und Grenzwerte für Baustellenlärm eingehalten werden.

Ein 6,5 Tonnen schwerer Hammer kommt zum Einsatz

Die Gründung reicht etwa 25 Meter in die Tiefe. Der Polier Rolf Sandstede erläuterte, dass die Ramme das Gewicht eines so langen Rohres aber nicht halten könnte. Allein der Hammer wiegt etwa 6,5 Tonnen, eine Rammhaube, die die Rohre vor Beschädigungen schützen soll, fünf Tonnen. Daher lassen die Arbeiter an jeder Ecke nacheinander drei jeweils vier Tonnen schwere Rohre in das Erdreich ein, die miteinander verschweißt werden. Darin werden Eckstiele einbetoniert.m Die Gründung des Mastes 175 liegt bereits. Die Teile für die Masten 175 und 176 sollen in der nächsten Woche angeliefert werden. Sie werden auf dem Boden zu größeren Teilen montiert, die mit einem Kran aufeinander gesetzt werden. Um keine Schneisen durch den Wald ziehen zu müssen, sollen dann per Hubschrauber acht Nylonvorseile eingezogen werden, mit Hilfe derer die Strom- und Blitzschutzseile eingespannt werden.

Aus Rücksicht auf die Bäume sind die Masten in Quickborn etwa 70 Meter hoch und damit fünf Meter höher als an anderen Standorten. „Unter den Leitungsseilen kann der Wald weiter wachsen“, sagte Herrmann. Rolf Herling von der Firma LTB-Leitungsbau aus Radebeul (Sachsen) erläuterte, dass die Seile an der tiefsten Stelle in einer Höhe von 56 Metern hängen.

Seit März 2015 baut der Netzbetreiber die etwa 70 Kilometer lange Strecke zwischen Norderstedt und Audorf aus. 183 Masten sind für den Abschnitt geplant, 150 stehen bereits, weitere 63 sind beseilt. Tennet lässt die Stahlgerüste aber nicht der Reihe nach aufrichten. „Wir bauen nicht linear, sondern springen und arbeiten dort, wo Flächen frei sind“, erläuterte Herrmann. Tennet will die Leitung zwischen Audorf und Hamburg Ende 2017 in Betrieb nehmen. Sie kann siebenmal mehr Strom als die alte 220-Kilovolt-Leitung übertragen, die dann abgebaut werden soll.

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