48-Jähriger setzt auf Nachhaltigkeit : Tangstedter mit Carport-Tankstelle

Unter der Hochspannungseinheit sitzt der Elektromotor des Kleinwagens, der immerhin 88 PS hat.
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Unter der Hochspannungseinheit sitzt der Elektromotor des Kleinwagens, der immerhin 88 PS hat.

Kai Fischer lädt sein Elektro-Auto mit selbst produzierter Solarenergie: „Eine ideale Lösung für alle Pendler“

shz.de von
16. November 2013, 18:30 Uhr

Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt den Tangstedter Kai Fischer schon lang. „Als vor sechs Jahren mein Sohn geboren wurde, wurde das noch intensiver“, erzählt Fischer. Die Öl-Katastrophen der Exxon Valdez, im Golf von Mexiko, in Nigeria oder auch Kriege wegen Öl – davon wollte er kein Teil mehr sein. „Jeder, der tankt, verantwortet auch das“, sagt Fischer. Beim Gedanken an den weltweit steigenden Bedarf an Erdöl bei gleichzeitig sinkenden Fördermengen und dem damit verbundenen steigenden Preis wollte er nur noch eins: vom Öl unabhängig sein.

„Ich habe mich dann gefragt, ob ich es schaffen kann innovativ zu denken, Neues auszuprobieren, andere Wege zu gehen“, beschreibt der 48-Jährige seine Gedanken. Und dann handelte er.

Zunächst mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach seines Hauses. Seit vier Jahren bestreitet er den überwiegenden Teil seines Eigenbedarfs an Strom und Wärme mit der Anlage. Der Rest der etwa 9500 Kilowattstunden, die er jährlich produziert, wird eingespeist. Der nächste Schritt war die Anschaffung eines Elektro-Autos im Juni dieses Jahres.

„Ich habe mich für einen Renault Zoe entschieden, weil es das erste bezahlbare Elektroauto ist, das vollständig als solches entwickelt wurde“, berichtet Fischer. Im Kaufpreis enthalten war die Ladestation und deren Installation. „Neu daran ist, dass es sich um einen Drehstrom-Anschluss handelt, der die Schnellladung in nur einer Stunde möglich macht“, so Fischer.

Seine Bilanz nach fünf Monaten und 5000 Kilometern: Der Umstieg hat sich gelohnt. „Das Fahren macht Spaß: kein Getriebe, keine Gangschaltung, es gibt nur vorwärts und rückwärts“, so der IT-Fachmann. Mit einer Reichweite von durchschnittlich 150 Kilometern pendelt Fischer problemlos zwischen der Arbeitsstelle in Hamburg und Tangstedt, aber auch längere Ausflüge sind dank Schnellladung möglich. „Wir waren am Timmendorfer Strand, haben vorher nachgesehen, wo eine Ladestation ist “, berichtet Fischer.

Seitdem wirbt er bei Freunden, Kollegen und Nachbarn für die Alternative zum „Sprit-Stinker“, zumindest als Zweitwagen: „Für alle Pendler im Hamburger Speckgürtel ist das eine ideale Lösung“, ist er überzeugt und fügt hinzu: „In den USA werden in zwei Wochen mehr E-Autos verkauft als in Deutschland im ganzen Jahr, das soll mal einer verstehen“, sagt er und schüttelt den Kopf. „Was machen die bloß alle, wenn die Ölvorräte aufgebraucht sind?“, fragt Fischer. Für ihn ist das Keine Frage: Er fährt zu seinem Carport und tankt dort.

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