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Interview : Stadtmarketing Quickborn - die Stadt sucht nach einem Image

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Marianne Gehrke, Teilnehmerin der Arbeitsgruppe Kommunikation, spricht im Interview über ihre Erfahrungen.

shz.de von
erstellt am 20.Nov.2014 | 16:00 Uhr

Quickborn | Die Stadt Quickborn will sich künftig besser vermarkten. In drei Arbeitsgruppen, die sich Kommunikation, Leben und Wirtschaft nennen, wurden bereits Ideen für ein Stadtmarketing-Konzept entwickelt und der Politik vorgestellt. Doch derzeit ist Stillstand angesagt. Wohin geht die Reise? Teilnehmerin Marianne Gehrke spricht über ihre Erfahrungen.

Frage: Warum haben Sie mitgemacht, Frau Gehrke?
Gehrke:
Erstens, weil ich denke, dass Quickborn ein ungeschliffener Diamant ist, den man zum Strahlen bringen kann. Zweitens, weil es für den Haushalt, das Wachstum, die Pläne und Ziele Quickborns wichtig ist, die Stadt attraktiv darzustellen. Und drittens, weil Marketing meine Profession ist, die der Stadt nützlich sein kann.

Was verstehen Sie unter dem Begriff Stadtmarketing?
Marketing sucht nach Unterscheidungsmerkmalen – was unterscheidet Quickborn beispielsweise von Tornesch, Barmstedt, Schenefeld oder Wedel? Und Marketing gibt der Stadt einprägsame Attribute mit – Beispiele: Hamburg, wachsende Stadt oder New York, die Stadt, die niemals schläft.

Aber was hat Quickborn zu bieten, was nicht auch jede andere Stadt zu bieten hat?
Überdurchschnittlich intelligente Bürger. Die ideale Lage nicht nur an der A7, sondern im Zentrum der Metropolregion. Überdurchschnittliches ehrenamtliches Engagement. Schon aus diesen drei Punkten lässt sich eine Alleinstellung ableiten.

Sagen Sie mal ein Beispiel
…In die Tüte gesprochen: Quickborn – Stadt mit Köpfchen. Oder: Quickborn – Stadt der Chancen. Oder: Quickborn passt zu mir. Oder: Quickborn – Stadt mit Aussicht. Oder: Quickborn – starke Stadt mit weichem/großem Herz. Oder ganz anders...

Wer entscheidet denn über diese Positionen?
Die Stadt! Denn die Stadt muss wie ein Unternehmen agieren, das Arbeitsplätze schafft und sichert, die Potenziale der Mitarbeiter, sprich: Bürger, richtig einsetzt – und so viel Geld verdient, dass es sich soziale Institutionen wie Kinderkrippen und Kantine und vielleicht noch einen Bonus für gute Arbeit leisten kann. Wenn man weiß, dass über 40 Prozent der Schulabgänger in Quickborn die Hochschulreife haben, dann muss es hier qualifizierte Ausbildungs- und Arbeitsplätze geben, damit die Investitionen in Bildung anschließend der Stadt zugute kommen – und nicht in andere Städte wandern.
Wenn man weiß, dass über acht Prozent der Bürger einen Hoch- oder Fachhochschulabschluss haben, dann ist die Stadt hochinteressant für Ansiedlungen von Unternehmen, die Forschung und Entwicklung betreiben, weil hier qualifizierte Fachkräfte wohnen.
Wenn man weiß, dass über 90 Prozent des Wohnraums in Quickborn 1- und 2-Familienhäuser sind, dann ist damit eine Lebensqualität verbunden, die für fast alle Menschen begehrenswert ist. Und wenn man weiß, dass es in Quickborn 99 Vereine und Verbände gibt, die extrem aktiv in der Gesellschaft arbeiten und wirken, dann kann hier jeder Bürger seine Talente und Neigungen entwickeln – und niemand muss befürchten, zum Beispiel im Alter allein zu sein. Das „Unternehmen Quickborn“ hat so viele Vorzüge. Marketing kann sie sichtbar machen und damit der Stadt eine Richtung, ein Ziel, eine Vision, ein Selbst-Bild und Selbstbewusstsein, ein Dach geben, unter dem sich alle Aktivitäten zielgerichtet bündeln, strukturieren und kommunizieren lassen.

Und was soll hinten herauskommen?
Dass potenzielle Neubürger, Unternehmer, Investoren beim Wort Quickborn nicht an den Stau auf der A7 denken, sondern an Bildungs- und Lebensqualität, an Ideen und Innovationen, an Chancen und unternehmerisches Wachstum. Und dass die Bürger Quickborns bewusst und mit Überzeugung sagen können: „Es lohnt sich, hier zu leben.“

Die Bürger haben am 25. September die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen präsentiert. Wie geht es jetzt mit dem Stadtmarketing weiter?
Keine Ahnung! Die Bürger wurden mit der Ansage entlassen: „Na, dann macht mal so weiter...“ - aber in welche Richtung, mit welchen Schwerpunkten, welchen Zielen – da haben sich die Stadtvertreter bedeckt gehalten.

Also alle Arbeit umsonst?
Umsonst im Sinne, dass die Arbeit der Bürger für die Stadt kostenlos, weil ehrenamtlich, ist. Nicht umsonst im Sinne der Entwicklung von Kräften und Netzwerken unter den beteiligten Bürgern, die eigeninitiativ inzwischen eine Menge in Bewegung gesetzt haben. Die Geister, die die Stadt rief, die wird sie so schnell nicht mehr los.

Machen Sie weiter?
Was weiter? Wohin weiter? Für wen weiter? Marketing ist ein so mächtiges Führungs-Instrument – eine Königsdisziplin im Denken – dass man damit das Bewusstsein für die Qualitäten einer Stadt von Grund auf verändern kann. Darauf muss man sich einlassen, dahinter muss ein Wille stehen und jemand muss den Hut aufhaben! Ich erkenne keinen echten Willen bei der Stadt, die diesen Auftrag an die Bürger gegeben hat, dieses Instrument wirklich professionell einzusetzen und auszuspielen. Denn das erfordert auch, die eigene Stadt distanziert zu sehen und die eigene Arbeit neu zu bewerten. Wie in jedem Unternehmen, das sich im Wettbewerb ständig neu aufstellen muss, bringt das Unruhe, Frustration und stört den gewohnten Ablauf. Aber im Ergebnis bringt es Zukunft.

Die meisten kennen Marianne Gehrke von den Veranstaltungen im Offenen Atelier, wo sie – wie sie selbst sagt – dafür zuständig ist, den Kaffee zu kochen: Marianne Gehrke. Die wenigsten wissen, dass sie selbst eine anerkannte Wort-Künstlerin ist. Schon während ihres Grafik-Design-Studiums an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg hat sie für den NDR Kindergeschichten („Plumpaquatsch“, „Hase Cäsar“) geschrieben. Nach dem Studium landete sie in der Werbung: Als Konzeptions-Texterin hat sie in internationalen Agenturen für Etats von Mercedes Pkw, Philips Unterhaltungselektronik, Hannover-Messe CeBit, Gesamtverband Metallindustrie und viele mehr gearbeitet.
Mit ihrem Mann Edwin Zaft ist sie seit fast 30 Jahren selbstständig und arbeitet für Kunden wie die Körber AG, Hauni Maschinenbau AG, Sharp Electronics, den Deutschen Evangelischen Krankenhausverband etc.
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