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Frauen in der Politik : SPD fordert mehr weibliches Engagement

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Sozialdemokratinnen diskutierten im Bürgerhaus Ellerau über aktuelle Probleme und mögliche Lösungen.

Ellerau | „Warum gibt es eine so geringe Beteiligung an Frauen?“ Mit dieser Frage eröffnete Claudia Hansen, Fraktionsvorsitzende des SPD Ortsvereins in Ellerau die Diskussionsrunde. Sie hatte zu dem Thema „Politik von – für – mit Frauen“ ins Bürgerhaus eingeladen und dazu vier erfolgreiche Politikerinnen (alle SPD) eingeladen. Britta Ernst, Ministerin für Schule und politische Bildung in Schleswig-Holstein, Christiane Küchenhof, Bürgermeisterin von Schenefeld, Katrin Fedrowitz, Mitglied des Landtags sowie Frauke Martin, ehemalige Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete.

Aus der geplanten Podiumsdiskussion wurde kurzerhand ein runder Tisch, da vermutlich wegen der Kälte der Kreis der Besucher mit 20 überschaubar blieb. „Nehmen wir es mit Humor“, sagte Hansen und fragte weiter, ob Frauen vielleicht gar nicht in die Politik wollten. Als Diskussionsgrundlage gab sie einige Zahlen in die Runde: Der Anteil, der in Deutschland lebenden Frauen liege bei 51 Prozent, im Bundestag vertreten seien 36    Prozent. Diese Zahl gehe in den Gemeinden bis auf durchschnittliche 26 Prozent zurück. Im Gemeinderat Ellerau gibt es aktuell 24 Sitze, von denen lediglich fünf weiblich besetzt sind, was nur 21 Prozent entspricht. „Das ist der Grund, warum ich hierher eingeladen habe. Ich möchte nicht mehr länger alleine sein“, erklärte Hansen.

Arbeiten nur mit Erlaubnis der Männer

Dann bat sie ihre Gäste, über deren Motivation, Politik zu machen, zu erzählen. Küchenhof sagte: „Ich möchte was mit bewegen, möchte die Stadt auch mitplanen und gestalten.“ Ihrer Meinung nach sei es sehr wichtig, insbesondere die Kommunalpolitik den jungen Menschen näher zu bringen, denn „sie wissen gar nicht, was sie alles machen können und bewirken dürfen“. Ernst berichtete von dem großen Erfolg eines Mentoring Programms in Altona, in dem Frauen drei Wochen lang zunächst einen Politiker begleiten konnten. Alle hätten nach dieser Zeit „jegliche Hemmungen verloren, über Politik zu reden“.

Die Ministerin zeigte sich aber auch sehr verständnisvoll für die Zurückhaltung vieler Frauen wegen ihrer ohnehin vielen Verpflichtungen, beispielweise in den Elternvertretungen der Schulen und Kindertagesstätten. Martin erzählte begeistert, wie 750 Schüler während einer Lesung der Hamburgischen Bürgerschaft zum Thema Zyklon B „wirklich mal über Politik diskutiert haben“. Nach ihrer Meinung müsse es mehr solcher Veranstaltungen geben.

Die ehemalige Bürgerschaftsabgeordnete selbst hatte noch ganz andere Zeiten kennengelernt, als sie in den Siebziger Jahren in die Politik einstieg. „Bis 1977 durften Männer noch entscheiden, ob ihre Frauen überhaupt arbeiten durften“, erläuterte sie. „Wir sollten mehr auf die anderen zugehen und ihnen sagen: ‚Ich trau‘ dir das zu’“, meinte Fedrowitz. Und junge Leute bekäme man nur, wenn es auch Spaß mache. Beiträge aus dem Publikum bestätigten die Meinungen der Politikerinnen. Eine Frau betonte den Strukturwandel in der Gesellschaft mit Berufstätigkeit beider Elternteile. Es fehle damit die Zeit, politisch aktiv zu werden. Zusammenfassend resümierte Hansen, dass es keine Generallösung gäbe, jedoch geeignete Ansatzpunkte wie Spaß, Ermutigung, projektbezogene Aufgabenstellungen sowie Informationen durch Diskussionsrunden.
 

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