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Quickborner Tageblatt

18. November 2017 | 05:50 Uhr

Quickborn : Sparwassers süffisantes Lächeln

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

WM 1974: Spiegel TV dreht Doku rund um das Fußballspiel Bundesrepublik gegen DDR. Die ostdeutschen Kicker waren damals im Quickborner Sporthotel einquartiert

von
erstellt am 12.Apr.2014 | 16:47 Uhr

Uwe Langeloh lässt seinen Blick über das Holstenstadion schweifen. „Hier hat sich in den vergangenen 40 Jahren fast nichts verändert, sondern nur verschlechtert“, sagt der Quickborner und spielt auf den schlechten Zustand der Anlage an. Das dreiköpfige Film-Team lacht.

Donnerstag, 14.30 Uhr: Die Journalistin Annette Heinrich aus Frankfurt sowie Kameramann Martin Kaeswurm und sein Assistent Jens Hein aus Hamburg drehen im Auftrag von Spielgel TV aus Anlass des 40. Jahrestags eine Doku rund um das legendäre WM-Fußballländerspiel Bundesrepublik Deutschland gegen DDR.

Fußballexperten wissen: In der Vorrunde der WM 1974 gewann die ostdeutsche Mannschaft im Hamburger Volksparkstadion die Partie überraschend mit 1:0 durch ein Tor des später nach Westdeutschland geflüchteten Jürgen Sparwasser. Er sagte später einmal: „Wenn man auf meinen Grabstein eines Tages nur ,Hamburg 74‘ schreibt, weiß jeder, wer darunter liegt.“

Damals wurde nicht nur Fußballgeschichte geschrieben, sondern ein Stück weit war es auch ein Klassenkampf zweier Systeme auf dem Rasen. Auch in Quickborn. Denn im Sporthotel, dem heutigen Seegarten, gegenüber dem Holstenstadion war die DDR-Mannschaft einquartiert. 14 Tage lang. Langeloh, 1974 Leiter der Fußballabteilung im TuS Holstein, oblag die Betreuung der DDR-Mannschaft.Er tritt in der Doku als Zeitzeuge auf. Langeloh erinnert sich: „Hier war alles abgesperrt. Dutzende Polizeibeamte mit Maschinenpistolen sorgten für die Sicherheit. Persönlichen Kontakt zu den DDR-Spielern hatte Langeloh kaum. „Es waren immer Sportfunktionäre dabei. Die wollten das nicht. Wir haben uns viel auf dem Sportplatz aufgehalten,“ berichtet er. Langeloh erinnert sich auch daran, dass der damalige Platzwart Willy Arpet die DDR-Spieler mit Cola versorgt habe. „Das durften die Spieler offiziell gar nicht trinken.“ Ein Tag nach dem Sieg über die Bundesrepublik hätten die DDR-Spieler süffisant gelächelt und süffisante Gespräche geführt, berichtet Langeloh, der sich über die Niederlage der deutschen Nationalmannschaft sehr geärgert habe.

Ob die DDR-Spieler im Freizeitsee am Sporthotel nackt gebadet haben, wie es heißt, daran kann sich Langeloh nicht erinnern. Im Magazin „11 Freunde“ berichtete Sparwasser: „Wir wollten zu dritt auf die Reeperbahn, um den Sieg zu feiern. Unser Quartier in Quickborn wurde damals vom Bundesgrenzschutz bewacht, also haben wir einen der Beamten gefragt, ob er uns nicht nach St. Pauli fahren könne. „Klar“, habe dieser gesagt, „aber du bleibst hier. Stell dir vor, dich sieht jemand auf der Reeperbahn. Dann bin ich sofort meinen Job los.“

Heute ist das Film-Team wieder in Quickborn, um diesmal mit Karl-Heinz Ehrenstein ein Interview zu führen. Dessen Vater, Emil Ehrenstein, der mittlerweile verstorben ist, versorgte 1974 das DDR-Team und die Sportfunktionäre mit Lebensmitteln aus seinem Spar-Supermarkt. „Wir wollen mit der Doku zeigen, dass die DDR-Spieler in Quickborn eine gute Zeit hatten“, sagt Annette Heinrich


 

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