Störungen in der Natur : Sorge um Rehkitze: Appell von Jägern aus Quickborn

Trügerische Sicherheit: Rehe nutzen das hohe Gras als Deckung für ihren Nachwuchs.
Trügerische Sicherheit: Rehe nutzen das hohe Gras als Deckung für ihren Nachwuchs.

Unangeleinte Hunde, Landwirtschaft und viele Menschen, die sich draußen aufhalten: Das sei ein Problem für viele Jungtiere.

shz.de von
25. Mai 2018, 12:00 Uhr

Quickborn | Die Quickborner Jäger Wolfgang Plötz und Klaus Kachelmann haben an die Bürger in der Eulenstadt appelliert, gerade in dieser Zeit beim Spaziergang durch die Natur, beim Mountainbiken oder Joggen durch die Wälder besonders rücksichtsvoll zu sein. Hintergrund: Wegen des anhaltend schönen Wetters ist der Freizeitdruck auf die Wiesen und Waldgebiete in Quickborn enorm hoch, massive Störungen der Tiere sind an der Tagesordnung. Insbesondere für die gerade geborenen Rehkitze sind die Folgen unter Umständen dramatisch. 

„Das macht kein Jäger gern“

Das Bild war nicht schön und schnürt Plötz immer noch die Kehle zu, wenn er daran denkt: Vor einigen Tagen entdeckte er neben der Feldbehnstraße eine tote Rehkuh, grausam verendet, nachdem sie sich beim Sprung über einen Zaun mit dem Hinterlauf in den Maschen verfangen hatte. Kopfüber hing sie da – ein schrecklicher Tod. „Das ist typisch für ein Reh, das von Hunden gehetzt wurde. Es hat die Flucht angetreten und wollte in seiner Panik über den Zaun“, sagt er. Die Ricke ist nur eine von inzwischen mehreren, die in Quickborn in den vergangenen Wochen unter anderem von einem Auto angefahren wurden und durch einen Gnadenschuss erlöst werden mussten, wenn sie nicht schon tot waren. „Das macht kein Jäger gern“, so Plötz, für den sich jedes mal zwangsläufig die Frage nach dem Rehkitz stellt.

Jäger Wolfgang Plötz tut jedes Tier, dass er mit einem Gnadenschuss erlösen muss, weh: „Das ist grausam, glauben Sie es mir.“
Claudia Ellersiek

Jäger Wolfgang Plötz tut jedes Tier, dass er mit einem Gnadenschuss erlösen muss, weh: „Das ist grausam, glauben Sie es mir.“

 

„Wir fangen nach dem Tod einer Ricke immer sofort mit der Suche an, und das ist unheimlich aufwändig.“ Wenn Plötz Glück hat und das Tier kennt – ein Teil seines 300 Hektar großen Jagdreviers grenzt an die Ellerauer und Feldbehnstraße – hat er vielleicht eine Chance. Schließlich bleiben die Muttertiere immer in der Nähe des Nachwuchses. „Wenn wir das Kitz nicht finden, verhungert es elendig, und das ist ganz schrecklich“, sagt Plötz, der Mitglied im für die Eulenstadt zuständigen Hegering VII ist.

Jäger Klaus Kachelmann appelliert an alle Hundebesitzer, ihre Tier nicht unangeleint durch Wälder und Wiesen zu führen.
Claudia Ellersiek

Jäger Klaus Kachelmann appelliert an alle Hundebesitzer, ihre Tier nicht unangeleint durch Wälder und Wiesen zu führen.

 

Hunde müssen angeleint werden

„Die Störungen, die der Mensch in die Natur bringt, sind in der Setz- und Brutzeit besonders gravierend. Deshalb müssen Hunde unbedingt angeleint werden und auch bleiben, wenn sie im Wald oder in der Nähe von Wiesen unterwegs sind“, mahnt auch Kachelmann. Mountainbiker sollten ebenso wie Spaziergänger auf den Wegen bleiben, wer in der Natur grillen wolle, solle unbedingt auf die dafür vorgesehenen Plätze ausweichen. „Wir sprechen immer wieder Hundebesitzer an und erkläre ihnen, um was es uns geht“, so Kachelmann. Mal stoßen sie auf Verständnis, mal werden sie bepöbelt – die Bandbreite der Reaktionen auf ihr Anliegen ist groß.

In Quickborn gibt es rund 1600 Hektar Wald, eine Kulturlandschaft, die bewirtschaftet wird. Die Flächen gelten als Niederwildrevier, werden also in der Hauptsache von Rehwild genutzt. Nach offiziellen Angaben stehen sieben Tiere auf einem Hektar Land. Jäger Wolfgang Plötz sieht vor allem bei der Fuchspopulation keinen Anlass zur Sorge. Sie ist groß. Verschwunden sind dagegen inzwischen die Rebhühner. Der Bestand der Fasane ist klein, ebenso der der Hasen. Dazu gibt es eine kleine Dachspopulation und einige Marderhunde.

Aber er und Plötz tun noch mehr, um die Tiere von den Menschen fernzuhalten. „Eine große Gefahr für Rehkitze geht von der Landwirtschaft aus“, so Plötz. Damit Bambi nicht den Mähtod erleidet, arbeitet der Jagdpächter eng mit den hiesigen Bauern zusammen. Rund zwölf Stunden, bevor sie eine Wiese abmähen, rufen sie ihn an und geben den Termin durch. Plötz macht sich dann auf den Weg und bestückt die Fläche mit einfachen, aber effektiven Wildscheuchen. „Wir verhindern damit, dass Kitze auf der Wiese abgesetzt werden. Wenn dort schon eins im hohen Gras liegt, führt die Ricke es zu einem anderen Platz.“

Menschenhaar als Abschreckung

Plötz bestückt auch Dosen mit menschlichen Haaren, die er von Friseuren bekommt, und stellt sie dort auf, wo er die Rehe auf gar keinen Fall haben möchte – an Straße etwa oder in der Nähe von Gärten, deren Besitzer empfindlich auf den Besuch eines Rehs reagieren. Er bringt blaue Reflektoren an den Begrenzungspfählen der Straßen an. Das Licht scheuen die Tiere. Erklärtes Ziel von Plötz ist es, möglichst niemals in einer Saison den Gnadenschuss setzen oder gar ein unter einem Auto liegendes Tier mit einem Messer erlösen zu müssen. „Das ist grausam, glauben Sie es mir“, so Plötz. Immerhin kann er vermelden, dass sich seine Bemühungen um das Niederwild inzwischen ausgezahlt haben. „In meinem Revier gab es in einem Jahr am Anfang bis zu 15 Wildunfälle. Jetzt habe ich die Zahl runter auf fünf.“

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