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Konfliktlotsen : Sie sind da, um Streit zu schlichten

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

13 Drittklässler der Ellerauer Grundschule übernehmen Aufgabe als Mediatoren.

Ellerau | Kleinere Raufereien auf dem Pausenhof, Beschimpfungen oder andere Streitigkeiten – die frisch ausgebildeten Konfliktlotsen (Kofis) wissen genau, was dann zu tun ist. 13 Drittklässler der Grundschule Ellerau wurden von der Schulsozialarbeiterin Christin Witt und den Lehrerinnen Dörte Jährig und Claudia Köhler-Prüß zu Streitschlichtern ausgebildet. „Das Ganze gehört zu einem ganzheitlichen und klaren Konzept, wie die Kinder am besten mit Konflikten umgehen“, erklärte Witt im Gespräch mit unserer Zeitung.

Dabei verfolgen die Schüler die sogenannten 1-2-3-Regeln. „Sie müssen die Handlung benennen, ihre Gefühle ausdrücken und einen Wunsch für die Zukunft äußern“, so Witt. Wichtig sei es dabei, beide Seiten der Parteien unvoreingenommen anzuhören. „Außerdem ist das Gespräch vollkommen vertraulich“, sagte die Schulsozialarbeiterin weiter. Die Kofis sollen auf die Gefühle beider Seiten eingehen und mit ihnen erarbeiten, was sie beim nächsten Mal anders machen können. „Es ist so zauberhaft zu sehen, mit wie viel Ernsthaftigkeit sie an die Sache gehen und wie aufmerksam sie sich die Probleme ihrer Mitschüler anhören.“ In einem Protokoll wird alles genau festgehalten. Dabei treffen alle eine Vereinbarung, die sowohl von den zwei Kofis als auch von den beiden Streitparteien unterschrieben werden müssen. Falls notwendig, wird direkt ein Folgetermin vereinbart. „Das kommt auf die Streitenden an, ob sie noch einmal darüber sprechen möchten“, so Witt. Seit dem vergangenen Herbst wurden die 13 Schüler für diese Aufgabe ausgebildet. Seit ein paar Wochen sind sie erst im Einsatz. Noch bekommen sie während der Gespräche Unterstützung von der Schulsozialarbeiterin oder den Lehrerinnen. „Doch sie nehmen ihre Aufgabe sehr ernst und machen das wirklich toll", betonte Witt.

Die 13 Mädchen und Jungen wurden von Witt und den beiden Lehrerinnen ausgesucht. „Dabei haben wir darauf geachtet, dass die Kinder eine gewisse Reife haben, vernünftig sind und frei sprechen wollen und können“, erklärte Witt. Auch ein gewisses Durchsetzungsvermögen sei eine Voraussetzung für die Aufgabe eines Streitschlichters.

Täglich werden Gespräche angeboten

Die Kofis bieten in einer Pause pro Tag Gespräche an. Von den Schülern werde das Angebot sehr gut angenommen. „Der Terminkalender ist bereits bis zu den Sommerferien gefüllt“, sagte Witt. Auch das Kollegium sei eine große Unterstützung. „Es ist toll, dass wir eine einheitliche Bahn fahren. Bisher klappt alles toll“, sagte sie weiter. Die Eltern der Schüler seien erst etwas skeptisch gewesen, „doch wir konnten auch sie schnell überzeugen, dass die Arbeit wirklich gut funktionieren wird".

Die neunjährige Marta geht in ihrer Rolle als Konfliktlotsin vollkommen auf. „Ich finde die Aufgabe sehr cool. Auch wenn manche bei den Gesprächen lachen, bleibe ich ernst “, erklärte die Schülerin. Drei Fälle habe sie bereits bearbeitet. Als große Unterstützung dient ihr ihre Freundin Christin (9), ebenfalls Kofi. „Es ist wichtig, dass sich die Schüler nicht peinlich fühlen, weil sie vor Klassenkameraden das Problem besprechen“, betonte Christin. Außerdem seien die wöchentlichen Treffen sehr wichtig für die beiden. „Da können wir alles noch einmal besprechen und durchgehen.“

Der Erfolg des Projekts bestärkt die Schulsozialarbeiterin darin, auch im nächsten Jahr neue Konfliktlotsen auszubilden. „Dabei kriege ich dann bestimmt Hilfe von unseren jetzigen Kofis. Sie können die Neuen dann einarbeiten“, kündigte sie an.

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