Selbst ein Teil des Kunstwerks sein

Connor Kappei   hat sich mit der Extremisierung der Konsumgesellschaft beschäftigt. Typveränderung: Die Gymnasiastin Jana Neumann  wollte einmal wie  Marilyn Monroe aussehen.Was hat sie wohl getan?   Julia   Schumacher  in einer Verbrecherfotoserie nach amerikanischem Muster.
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Connor Kappei hat sich mit der Extremisierung der Konsumgesellschaft beschäftigt.
Typveränderung: Die Gymnasiastin Jana Neumann wollte einmal wie Marilyn Monroe aussehen.
Was hat sie wohl getan? Julia Schumacher in einer Verbrecherfotoserie nach amerikanischem Muster.

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02. Februar 2013, 01:14 Uhr

Quickborn | Jana Neumann, Schülerin des Quickborner Elsensee-Gymnasiums, wollte einmal aussehen wie Marilyn Monroe, die Schülerin Nathalie Blaszynska wurde zur Mona Lisa, und der Gymnasiast Nicolas Schwager ließ sich für eine Fotoserie von Krimis inspirieren. Auch er ist, wie seine beiden Mitschülerinnen, ein Teil des Kunstwerks geworden. Und Connor Kappei hat sich mit der Extremisierung und Schnelllebigkeit der Konsumgesellschaft beschäftigt.

Diese außergewöhnlichen Arbeiten fallen unter die Rubrik "Appropriation Art". Übersetzt heißt das "Die Kunst der Aneignung". Es ist eine Ausdrucksform des zeitgenössischen künstlerischen Schaffens. Genau das war die Aufgabe, die die Kunstlehrerin des Ästhetischen Profils, Laila Unger, ihren Schülern des 12. Jahrgangs gestellt hat: Mit strategischer Überlegung die Werke anderer Künstler kopieren. Dabei ist der Akt des Kopierens und das Resultat selbst Kunst. Aber auch Werbung und Kino dienen als Quelle der Inspiration, wie die Fotos der Schüler belegen.

Am Donnerstag, 7. Februar, sind die Arbeiten der Gymnasiasten zwischen 18 und 20 Uhr im Neubau der Realschule zu sehen. Der Eintritt ist frei.

"Sämtliche Arbeiten kreisen um die Aneignung von Bildstereotypen", erläutert Unger. Statt Stift, Schere und Speckstein, wie man es aus dem Kunstunterricht von anno dazumal kennt, griffen die Gymnasiasten zur Digitalkamera und zum Computer. Trotz aller Technik: In jedem der Werke ist die Intention und Individualität zu sehen.

Jana Neumann, eigentlich brünett, erklärt zu ihrem Selbstporträt: "Ich wollte mal ein anderer Typ sein." Für ihre Arbeit hat sie die Marilyn-Monroe-Gesichter von Andy Warhol studiert. "Es ist ein Meisterwerk der Maskenbildnerei geworden", lobt Laila Unger die Arbeit, die Jana Neumann jetzt mit hellen Haaren zeigt.

Maskenbildnerei kommt auch bei Nathalie Blaszynska zum Einsatz: Die Schülerin hat sich als geheimnisvolle Mona Lisa abbilden lassen. Dabei wurde kaum mit Photoshop gearbeitet. Mehrere Schichten Acrylfarbe hat sie auf ihr Gesicht aufgetragen, so dass ein rissiger Ölfarbeneffekt entsteht.

Schockierend sind die Fotos von Sophie Vetter. Die Darstellung einer Magersüchtigen geht unter die Haut. "Mich hat das Thema interessiert, obwohl ich selbst nicht magersüchtig bin." "Auch hier wurde sehr stark mit Licht und Schatten der Maskenbildnerei gearbeitet", erläutert die Kunstlehrerin, die 2012 mit Gymnasiasten die Ausstellung "Parallelwelten" präsentierte. "Es ist mir wichtig, dass die Schüler später ihre Arbeiten ausstellen und auch stolz darauf sind", sagte Laila Unger. Die Arbeiten folgender Schülerinnen sind in der Ausstellung zu sehen: Sarah Biesenbach, Nathalie Blaszynska, Jana Fesl, Connor Kappei, Jana Neumann, Josephine Rehders, Florian Schacht, Luisa- Marie Schneider, Julia Schumacher, Nicolas Schwager, Mira Tehrani, Sophie Vetter, Lisa Wichmann und Joshua Wilhelm.

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