Schüler sollen wie die Alten schnacken

Hella Neddermeyer (85) liebt die plattdeutsche Sprache. erd
Hella Neddermeyer (85) liebt die plattdeutsche Sprache. erd

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05. Februar 2013, 04:39 Uhr

Quickborn | "Manchmal schnacken in Quickborn noch ein paar Alte zusammen. Dann hör ich aus einiger Entfernung zu. Ich will nicht verstehen, will nicht neeschierig sein, will mich nur an dem gemütvollen Klang dieser Sprache erfreuen", sagt Hella Neddermeyer. Seit Jahren setzt sich die rührige Quickbornerin für den Erhalt des Niederdeutschen ein. Nun wünscht sie sich von Herzen, dass auch die Schüler bald wieder wie die Alten schnacken. An einigen Grundschulen und Kitas in Hamburg und Schleswig-Holstein gebe es bereits ein Comeback des Plattdeutschen.

Dass diese schöne Sprache nun gefördert werden soll, erfreut die Volksschullehrerin und Sonderschulpädagogin im Ruhestand. Nach EU-Recht gilt Plattdeutsch nämlich nicht als Dialekt, sondern als eine Regionalsprache. Und die fällt unter die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. "Das bedeutet, dass Deutschland nach EU-Recht verpflichtet ist, das Plattdeutsche neben anderen Regionalsprachen wie das Friesische zu fördern und in den Schulen zu unterrichten", betont sie. "Unser Gehirn ist in der Lage, etliche Sprachen zu erlernen. Nicht nur Deutsch und Englisch", sagt sie. Es lerne sich schnell und mit viel Vergnügen, auf Platt kleine Grobheiten wie "Swien", "Peerd" und "Ko" zu sagen, ohne zu beleidigen. Das weiß sie aus Erfahrung, hat sie doch aus Deutschstunden fröhliche Plattdeutschstunden gemacht. "Man darf nicht pauken, es muss Spaß machen", sagt sie.

Neddermeyer geht selbst mit gutem Beispiel voran: Sie engagiert sich in der Geschichtswerkstatt, auf dem Eulenfest liest sie mit Pit Dwinger plattdeutsche Geschichten vor und die Grimmschen Märchen hat sie im Herbst vergangenen Jahres einem Publikum op Platt erzählt - einfach mal so aus dem Gedächtnis. "Es ist wunderschön, auf Platt Märchen zu erzählen, zu singen und Texte von Klaus Groth und Fritz Reuter vorzulesen", sagt sie. Bis dahin führe ein langer Weg. "Mit den ersten Schritten geht es los."

Aber was, wenn die Lehrer und Erzieher kein Plattdeutsch können? "In Hamburg sprechen noch etwa zehn Prozent der Bürger, in Schleswig-Holstein weit mehr - meist ältere Menschen - Plattdeutsch", so Neddermeyer. Sie sei sich sicher, dass sich ältere Bürger finden, die zusammen mit Klassenlehrern und Erziehern fröhliche Platt-Sprech-Stunden gestalten. "Ich erwarte aber nicht, dass ganz Norddeutschland anfängt, Plattdeutsch zu sprechen. Ich will den Wert des Kulturgutes betonen", sagt sie. Es werden ja auch baufällige Kirchen vor dem Verfall gerettet.

Neddermeyers Liebe zum Plattdeutschen beginnt mit einem Kindheitserlebnis: Sie wuchs in Volksdorf auf. Damals gab es dort einen Milchmann, der mit einem Pferd unterwegs war. "Darf ich auch mal reiten ", habe Neddermeyer gefragt. Der Milchmann habe erwidert: "Ja, aber nur, wenn du es auf Platt sagen kannst." Das konnte sie schon: "Dörf ik mal rieden?" Sie durfte.

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