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Thesenanschlag in Quickborn : Schüler des Elsensee-Gymnasiums übersetzen Geschichte in die heutige Zeit

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Der Vorschlag kam von der Fachschaft Religion und ihrem Leiter Martin Wilckens anlässlich des 500-jährigen Bestehens des Reformationstages.

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erstellt am 16.Okt.2017 | 13:00 Uhr

Quickborn | Wie hätte Martin Luther seine Thesen heutzutage verbreitet? Warum hatten die Menschen in der Reformationszeit Angst vorm Fegefeuer? Und ist Hate Speech nur eine Frage der heutigen Generation? Diesen und ähnlichen Fragen gingen die Schüler des Elsensee-Gymnasiums in Quickborn während ihrer Projekttage zum Thema „Reformation“ auf den Grund.

Der Vorschlag kam von der Fachschaft Religion und ihrem Leiter Martin Wilckens anlässlich des 500-jährigen Bestehens des Reformationstages. Schulleiter Michael Bülck unterstützte die Idee sofort. Normalerweise sei die Themenwahl bei Projekttagen zwar etwas freier, aber es gebe bestimmt viele Dinge, die für Jugendliche interessant seien, berichtete Bülck. „Wir sind sicher, mit den angebotenen Projekten die Reformation für unsere Schüler mit Herz und Hand greifbarer gemacht und damit auch unseren Bildungsauftrag erfüllt zu haben“, sagte der Schulleiter über die Ergebnisse.

Wilckens nahm mit Schülern der elften Jahrgangsstufe die 95 Thesen von Martin Luther genauer unter die Lupe. Was stand wirklich drin? Gibt es noch einen aktuellen Bezug? Die Jugendlichen hatten die Aufgabe, jeweils eine These zu verschriftlichen oder in Bildern darzustellen und damit aus der Schule hinauszugehen, um Menschen im Alltag anzusprechen.

„Ein Thesenanschlag wurde schon oft gemacht, allerdings konnten wir auch nicht mit Graffiti-Spraydosen durch Quickborn ziehen“, sagte Wilckens. Der Lehrer und seine Schüler verständigten sich daraufhin auf eine vorübergehende Streetart-Aktion als heutiges Ausdrucksmittel. Insgesamt zwölf Bilderrahmen wurden mit Gedanken über Buße, Reue, Angst und Nächstenliebe bestückt und an verschiedenen Verteilerkästen der Stadtwerke Quickborn festgeklebt. Vier Wochen lang können die Bürger die kleinen Kunstwerke bewundern, bevor sie von den Schülern wieder abgenommen werden.

Die Klasse 9  a mit ihrem Klassenlehrer Jakob Weber untersuchte Martin Luthers Hassschriften gegen verschiedene Menschengruppierungen und stellte fest, dass Hate Speech nicht erst ein Problem der heutigen Medien ist. In allen Klassenräumen herrschte emsiges Treiben. Reformationsgewänder wurden geschneidert, Plakate über Martin Luther erstellt, Drucktechniken ausprobiert, im Chemieraum stellten Schüler Papier aus Gras her und auf den Fluren waren Kirchengeläut sowie mittelalterliche Klänge zu hören.

Amelie, Alexandra, Karolina, Helene, Floyd und Moritz aus der 6c studierten ein Theaterstück über Luthers Schulzeit ein. Nach ihren Recherchen über das Thema waren sie mehr als zufrieden, in der heutigen Zeit zu leben. „Damals durften Mädchen gar nicht zur Schule gehen“, berichtete Amelie. Alexandra fügte hinzu: „Und Jungs auch nur, wenn die Eltern genug Geld hatten.“ „Die Kinder wurden in der Schule mit der Rute geschlagen und mussten in der Ecke stehen“, erklärte Floyd, der den strengen Lehrer spielte.

Die Klasse 9  d von Claudia Bahr besuchte die Ausstellung „Lucas Cranach der Ältere“, Maler der Reformation in der Hamburger Kunsthalle. Sozusagen als Einstimmung auf das Projekt hatte das Elsensee-Gymnasium zwei Schauspieler von der Kulturschule Leipzig engagiert. Sie führten das Theaterstück „Mensch Martin“ auf, in dem es um Luthers Leben ging. Nach den Herbstferien, am Montag, 30. Oktober, treffen sich alle Lehrer und Schüler zu einem Präsentationstag ihrer Projekte.

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