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Quickborner Tageblatt

22. August 2017 | 19:28 Uhr

Schönheit einer verfallenen Heimat

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Ausstellung Künstlerin Ana Isabel Hernández zeigt Motive aus Venezuela und Norddeutschland / Erstes offenes Atelier in ihrem Haus

Ana Isabel Hernández trägt Venezuela im Herzen. Die Bilder der Quickbornerin zeigen es.

Ein rot-weiß gestreifter Löwenfisch setzt sich in starkem Kontrast von tiefblauem Karibik-Wasser ab. Er scheint auf den Betrachter zuzuschwimmen. Zwischen dunkelgrünen langen Blättern recken sich zartweiße Callas-Blüten mit gelben Stempeln der Sonne entgegen. Helikonien fächern ihre ovalen, spitz zulaufenden rot-orangefarbenen Blüten auf.

„In Venezuela scheint das ganze Jahr die Sonne. Die Natur ist ganz anders als hier. Es gibt tropische Blumen und Tiere“, berichtet Hernández. Sie liebt die Farben ihrer Heimat. In ihrem Haus in Quickborn-Heide trägt sie sie in Acryl auf Leinwände auf.

„Ich bin mit der Farbe in Hand geboren“, sagt die 39-Jährige. Sie wuchs in der Hauptstadt Caracas auf. Ihre Großmutter und ihre Mutter malten. Ihr Großonkel Luis Álvarez de Lugo gilt in Venezuela als berühmter Kunstmaler und leitete ihre ersten Pinselstriche an. Am Instituto de Diseño de Caracas studierte sie Illustration, an der europäischen Kunstakademie von Trier später realistische Malerei.

Ihre Bilder zeigen etwas vom Lebensgefühl Venezuelas, das der politische Alltag vielerorts längst eingeholt hat. Hernández verließ das Land 1998, weil ihr Mann einen Job in Kanada fand. Damals wurde Hugo Chávez zum Präsidenten gewählt. „Seitdem wurde es in Venezuela schlimmer. Mein Land ist nicht mehr dasselbe. Da ist alles tot“, sagt Hernández. Arme hätten nichts zu essen. In den Krankenhäusern stürben Menschen, weil es an Material fehle. „Manchmal bin ich traurig, weil meine Familie da ist“, sagt Hernández.

1999 zogen sie und ihr Mann nach Stuttgart, 2007 nach Hasloh, fast zwei Jahre später nach Quickborn. Das Paar hat einen zehnjährigen Sohn und eine zwölf Jahre alte Tochter. „Ich bin dankbar, weil ich hier glücklich bin. Deshalb male ich ganz fröhliche Bilder“, sagt Hernández. Inzwischen finden sich auch norddeutsche Motive wie weiße Möwen vor grauem Nordsee-Himmel in ihrem Repertoire. Auch dieser Kontrast reizt sie.

Ihre Bilder erinnern nicht nur an die Schönheit ihrer verfallenen Heimat. Sie sind auch ein Aufruf: „Es ist wichtig, Freude im Leben zu haben. Das müssen die Leute wertschätzen“, betont sie.

Einen persönlichen Traum will sich die Künstlerin am Sonntag, 19. Juni, erfüllen. Erstmals wird sie ihr Haus im Behnkeweg 29 öffnen, um ihre Gemälde einem großen Publikum zu zeigen. Hernández lädt für 14 bis 18 Uhr zu einem offenen Atelier ein. „Das wird hier in netter Atmosphäre ganz persönlich. Ich möchte, dass die Leute mich kennenlernen“, sagt die Quickbornerin. Sie will Sekt, Kaffee und Kuchen servieren.

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www.anaisabelhernandez.de

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erstellt am 04.Jun.2016 | 16:00 Uhr

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