„Safer Sexting gibt es nicht“

Für den Wendepunkt führte Sozialarbeiter Hendrix Bölle erstmals ein Schulprojekt unter anderem zu Cybergrooming durch

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20. November 2018, 16:00 Uhr

Fachleute der Beratungsstelle Wendepunkt haben eine positive Bilanz der ersten schulischen Präventionsmaßnahme zu den Themen Sexting und Cybergrooming gezogen. Für das Pilotprojekt hatten sie sich die Quickborner Comenius-Schule (CSQ) ausgesucht. „Wir haben Denkprozesse angestoßen und ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass immer ein Restrisiko bleibt, wenn jemand erotische Bilder von sich macht und zum Beispiel dem Freund schickt“, sagte Sozialarbeiter Hendrix Bölle.

Unter Sexting verstehen die Fachleute das Verbreiten von erotische Bildern unter Jugendlichen. „Wenn beide Personen damit einverstanden sind, die Bilder anschließend mit anderen zu teilen, besteht kein Handlungsbedarf“, so Bölle. Problematisch werde es immer dann, wenn einer von beiden die Bilder nutze, um den anderen bloßzustellen oder sich zu rächen.

„Wir haben den Jugendlichen klargemacht, dass es Safer Sexting nicht gibt, denn das Internet vergisst nie“, so Bölle. Sie appellierten während des Projektes nach eigenen Angaben an die Jugendlichen, rund 100 Schüler der achten Klassen an der CSQ, die Fotos zu anonymisieren, kein Gesicht zu zeigen und hervorstechende Körpermerkmale wie ein Tattoo oder einen Leberfleck zu überdecken. „Das Thema ist im Grundsatz nicht neu. Früher waren es die Fotos in den Spinden“, sagte Wendepunkt-Hospitantin Sophia Vogt. Aktuell ist außerdem das Cyber-Grooming, also die gezielte Anbahnung sexuell motivierter Kontakte im Internet von Erwachsenen zu Minderjährigen. „Im Trend liegen im Augenblick Anbahnungsversuche auf Spieleplattformen wie Fortnite“, sagte Bölle. Seit 2004 ist Cybergrooming verboten, kann mit Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren bestraft werden. „Dieses Thema ist mehr noch als das Sexting auch in den achten Klassen angekommen“, sagte Wendepunkt-Sprecherin Michaela Berbner. Auch bei diesem Thema sei es darum gegangen, den Jugendlichen Instrumente zum Selbstschutz an die Hand zu geben. Fünf Tage lang waren die Fachleute in der Comenius-Schule und arbeiteten jeden Tag mit einer anderen Klasse. Vorab waren die Eltern über das Projekt informiert worden. „Dabei haben wir festgestellt, dass sie viele Ängste und Sorgen haben, wenn sie wissen, dass ihre Kinder regelmäßig Bilder verschicken oder in Chatrooms aktiv sind“, sagte Bölle. Quickborn wurde für das Pilotprojekt ausgewählt, „weil es hier vor Ort eine Beratungsstelle des Wendepunkts und ein Unterstützerbündnis mit der Stadtjugendpflege und dem Kinderhilfswerk gibt“.

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