Quickborn : Säbelrasseln und Flickschusterei

Schlagabtausch vor der Heidkamp-Sporthalle: Die Journalisten René Erdbrügger (links) und Peter Jäger diskutieren über die wichtigsten Ereignisse 2014.
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Schlagabtausch vor der Heidkamp-Sporthalle: Die Journalisten René Erdbrügger (links) und Peter Jäger diskutieren über die wichtigsten Ereignisse 2014.

Ein Streitgespräch in der Redaktion des Quickborner Tageblatts: Redakteur René Erdbrügger und Journalist Peter Jäger lassen 2014 Revue passieren.

shz.de von
02. Januar 2015, 10:00 Uhr

Redakteur René Erdbrügger: Das neue Jahr ist noch jung. Woran denken Sie gern zurück?
Journalist Peter Jäger: An unseren Bürgermeister. Thomas Köppl regiert seit zehn Jahren im Rathaus. Und ich meine, dass er viel bewegt hat.
Erdbrügger: Haben Sie ihn deshalb nach der Hans-Scheibner-Veranstaltung umarmt? Ihre Sympathiebekundung hat auf jeden Fall die Aufmerksamkeit der Zuschauer erregt.
Jäger: Er hat sich gefreut, dass wenigstens ein Reporter vor Ort war. Immerhin hat die VHS-Veranstaltung über 300 Besucher mobilisiert, und dieser Trend ist doch erfreulich für Quickborn. Seit uns der schöne Artur-Grenz-Saal zur Verfügung steht, nimmt das Kulturangebot mächtig Fahrt auf.
Erdbrügger: Auf das Konzert anlässlich der 40-jährigen Städtepartnerschaft mit Boxholm trifft das aber nicht so ganz zu. Und die Freunde der Kammermusik würden sich auch über mehr Publikum freuen, vor allem fehlen jüngere Besucher.
Jäger: An dem Wochenende fanden drei Super-Konzerte statt: Ein bestens besuchtes Adventskonzert der Musikschule, die von Ihnen genannte Jubiläums-Veranstaltung mit dem Boxholmer Jugendorchester und die Lucia-Feier im Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium. Das war vielleicht zu viel des Guten.
Erdbrügger: Schon möglich. Aber Sie mogeln sich um die Nachwuchs-Problematik herum. Fast alle Vereine leiden darunter.
Jäger: Das fragen Sie ausgerechnet einen Oldie, dessen Enkel schon eigene Wege gehen. Aber ich will nicht kneifen. Der Auftritt von zwei Rock-Bands beim Weihnachtsmarkt war ein Versuch und hat zusätzlich junges Publikum angelockt. Vielleicht lässt sich künftig die erfolgreiche Arbeit unserer Musikschule mit den Veranstaltungen der Freunde der Kammermusik verknüpfen: Im Vorprogramm könnte dann das Violin-Ensemble der Musikschule eine beschwingte Sonate spielen.
Erdbrügger: Das ist ein Anfang. Wir haben aber das Jubiläum des Jahres 2014 noch gar nicht erwähnt. Ein besonders großes Ereignis war der 100. Geburtstag des TuS Holstein.
Jäger: Ach ja, der Empfang dazu war im März, ich erinnere mich schwach.
Erdbrügger: Das ist jetzt aber unfair. Das Jubiläum wurde das ganze Jahr über mit Veranstaltungen gewürdigt. Das nenne ich Engagement. Für mich war das Fußball-Spiel des TuS Holstein gegen den FC St. Pauli ein Knaller. 2300 Zuschauer hatten ihren Spaß. Mehr geht nun wirklich nicht. Der Verein bietet übrigens auch Kurse für Senioren an...
Jäger: Ich bevorzuge das Fahrrad, falls Sie auf meine Kondition anspielen wollen. Aber nun zur Politik: Wie ist es denn mit der Kondition unserer Parteien in der Ratsversammlung bestellt?
Erdbrügger: Sie sollten regelmäßig unser Tageblatt lesen. Wir sind immer mit dabei, wenn wichtige Entscheidungen für Quickborn in den Ausschüssen und in der Ratsversammlung getroffen werden. Spannend war der Kampf gegen die Hochspannungsmasten. Zuletzt ging es darum, eine Verschwenkung der Leitung am Elsensee-Gymnasium und am Peperkamp durchzusetzen. Die Proteste vor Ort und die Entschlossenheit zur Klage haben letztendlich zu einer außergerichtlichen Einigung mit dem Netzbetreiber Tennet geführt. Da haben alle an einem Strang gezogen: Bürgermeister, Fraktionen und Bürger. Geht doch.
Jäger: Wenn wir schon beim Schulzentrum-Süd sind – über die Kosten und den Umfang der Sanierungsmaßnahmen ist in den letzten Monaten eine heftige Diskussion entbrannt.
Erdbrügger: Kritisieren Sie die Arbeit der Verwaltung? Die muss ich in Schutz nehmen. Über Jahre werden Projekte nun einmal teurer. Das ist nun mal so. Das weiß die Politik auch: Für mich war das alles ein bisschen zu viel Säbelrasseln, bei dem man die eigentliche Sache aus den Augen verloren hat.
Jäger: Also mehr Schulden machen?
Erdbrügger: So darf man das nicht sehen. Wer Schulen saniert, macht keine Schulden, sondern investiert in die Bildung und die Jugend. Im Übrigen hat die Politik ein Auge darauf, wie viel Geld in die Sanierung des Elsensee-Gymnasiums gesteckt wird.
Jäger: Bei der Verkehrsanbindung von Quickborn-Heide an die Innenstadt gibt es aber anscheinend nur ein Entweder Oder. Oder glauben Sie, dass sich CDU und SPD annähern werden?
Erdbrügger: Die Gronauquerung liegt der SPD quer im Magen. Die CDU wird sich für einen Bürgerentscheid aussprechen. Da müssen die anderen Fraktionen mitziehen. Solche Millionenprojekte können heute nicht mehr über den Kopf des Bürgers entschieden werden.
Jäger: Die Bürger werden aber nicht gefragt, ob die Steuern erhöht werden sollen.
Erdbrügger: Richtig. Sie spielen darauf an, dass die Grund- und Gewerbesteuer angehoben werden?
Jäger: Davon sind leider alle betroffen. Mein Vermieter gibt doch die Erhöhung an mich weiter... Oh je.
Erdbrügger: Eine zwiespältige Sache. Andererseits: Bis jetzt haben Vereine und Verbände immer ihre Zuschüsse von der Stadt bekommen, ohne dass es Kürzungen gab. Da hat noch niemand gesagt: Wir verzichten mal auf tausend Euro.
Jäger: Da haben Sie recht. Wenn man es so sieht. Sind unsere Stadtvertreter eigentlich in der Bevölkerung ausreichend bekannt?
Erdbrügger: Der Bürgermeister, der Bürgervorsteher und der Erste Stadtrat schon. Auch die SPD zeigte in den vergangenen Monaten Gesicht. Der SPD-Fraktionsvorsitzenden Astrid Huemke bin ich auch auf vielen Veranstaltungen begegnet. Das ist eine engagierte Frau.
Jäger: Bekommt das auch der Quickborner mit?
Erdbrügger: Der Bürger ist selbst schuld, wenn er sich nicht informiert. Er kann die öffentlichen kommunalpolitischen Gremien besuchen und dort den Politikern auf die Finger schauen.
Jäger: Nicht nur SPD-Chef Eckhard Schramm und die Fraktions-Vorsitzende Astrid Huemke sind redlich bemüht, so etwas wie „Klare Linie für Quickborn“ zu vermitteln. Haben Sie gelesen, was Ratsfrau Ingrid Cloyd-Nuckel über die Sanierung der Sporthalle am Schulzentrum- Süd geschrieben hat?
Erdbrügger: Ach, so – Sie meinen die ‚Flickschusterei bei Sporthallensanierung‘ im Informationsblatt der SPD. Sie kritisiert die in der Ratsversammlung beschlossene Sparsanierung.
Jäger: Na, hören Sie mal – ich finde, in dem Beitrag zieht sie der CDU und den anderen Parteien tüchtig was mit der Weihnachtsrute über. Die SPD verlangt eine Gegenüberstellung der Kosten eines Neubaus und einer Drei-Feld-Halle.
Erdbrügger: Bekanntlich kann der Weihnachtsmann nicht alle Wünsche erfüllen, schon gar nicht, wenn’s um zusätzliche Millionen geht.
Jäger: Im kommenden Jahr wird es viele spannende Themen und Aufgaben für unsere Politiker geben. Ich denke nicht nur an die kommunalen Aufgaben, sondern auch an die drastisch steigende Zahl von Asylbewerbern, die in unserer Stadt menschenwürdig untergebracht werden müssen.
Erdbrügger: Das werden sie auch. Auch hier ziehen alle Fraktionen und die Verwaltung an einem Strang und machen sich viele Gedanken. Flüchtlinge sind in Quickborn willkommen.
Jäger: Da kann man nur hoffen, dass die militärischen Auseinandersetzungen im kommenden Jahr nicht noch schlimmer ausufern.
Erdbrügger: Haben Sie eine Idee?
Jäger: Ja. Man müsste die Waffenhersteller an der Beseitigung der Kriegsfolgen beteiligen.
Erdbrügger: Lieber Kollege, Sie sind ein Illusionist.

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