Quickborn : Riesenmasten: Baubeginn im Herbst

Sie gaben weitere Details bekannt: Stadtrat Klaus Hensel (CDU, von links), der Landtagsabgeordnete Peter Lehnert (CDU), Jens Siegmann (Projektleiter Tennet) und Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl (CDU).
Sie gaben weitere Details bekannt: Stadtrat Klaus Hensel (CDU, von links), der Landtagsabgeordnete Peter Lehnert (CDU), Jens Siegmann (Projektleiter Tennet) und Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl (CDU).

Tennet hat angekündigt, im Herbst mit dem Ausbau der Stromtrasse in Quickborn zu beginnen. Der Netzbetreiber hatte zunächst mit der Aufrüstung auf eine leistungsstärkere 380-Kilovolt-Leitung gewartet, um einen Kompromiss mit der Stadt und den Grundstückseigentümern herbeizuführen. Wie berichtet, gibt es seit voriger Woche eine Einigung: Diese sieht eine kleinräumige Verschwenkung der Riesenmasten im Bereich der Wohnbebauung und des Schulzentrums Süd vor.

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20. März 2014, 12:30 Uhr

Quickborn | Dienstagabend, 19.10 Uhr: Vor dem Sitzungstrakt des Quickborner Rathauses wartet ein Fernsehteam auf Bürgermeister Thomas Köppl (CDU). Der Verwaltungschef gehörte zu den Teilnehmern des Runden Tisches, der sich um alternative Lösungen zur geplanten 380 kV-Stromtrasse bemüht hat. Seit 2011 hat es etwa 15 dieser Treffen gegeben. Am Dienstag war es die letzte Zusammenkunft, denn es gibt einen Kompromiss.

Wie diese Zeitung vorige Woche berichtete, soll eine Teilstrecke der 380 kV-Freileitung von der Ortslage Quickborns nach Süden verschwenkt werden. Die Planung sah bislang vor, den Trassenverlauf der 220 kV-Leitung am Ortsrand beizubehalten und diese aufzurüsten.

„Es ist keine goldene Lösung, aber eine 1-B-Lösung. Eine 1-A-Lösung wäre eine Erdverkabelung gewesen. Mit dem kleinräumigen Teilverschwenk im Bereich der Ortslage können wir aber das Schulzentrum Süd sowie weite Teile der Ortslage spürbar entlasten. Darauf sind wir stolz“, sagte Köppl.

Das ist der Kompromiss: Vom Schulgrundstück des Elsensee-Gymnasiums wird die Trasse um über 20 Meter von ursprünglich 119 Meter auf 140,5 Meter verschwenkt. Außerdem wird der Schulsportplatz nicht mehr überspannt, weil dort ein Mast 20 Meter weiter südöstlich aufgestellt wird. Der Abstand zwischen Boden und Leiterseilen wird bis zu zehn Meter höher sein als bei der alten Planung. Der Mast hat eine Höhe von 62 Metern.

„Der entscheidende Faktor ist, dass die magnetische Belastung signifikant auf 0,35 Mikro-Tesla gedrückt worden ist. Sie liegt unter dem holländischen Grenzwert von 0,4 Mikro-Tesla“, erläuterte Köppl.

Ein etwa zwei Kilometer langes Teilstück der Trasse wird im Bereich der Häuser am Peperkamp verschwenkt, der Abstand zur Stromleitung beträgt dann 144,6 Meter. Die Trasse verläuft westlich der Ulzburger Landstraße bis westlich der Kieler Straße. Von fünf Masten wächst die Zahl auf sechs.

Die Stadt hatte gegen den Planfeststellungsbeschluss im Zuge der Trassenaufrüstung gemeinsam mit betroffenen Eigentümern Klage beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Der Prozess in Leipzig hätte gestern beginnen sollen, die Klage wurde aber zurückgenommen. Für das Rechtsverfahren hat die Stadt 50 000 Euro ausgegeben. „Gut angelegtes Geld“, so Köppl.

Der Verwaltungschef wies darauf hin, dass die Stadt und der Netzbetreiber Tennet unterdessen weiter intensive Verhandlungen mit den betroffenen Grundeigentümern im Verschwenkbereich führten. Diese mussten nach der derzeitigen Rechtslage zustimmen, wenn ihre Grundstücke erstmalig überspannt werden. „Die Klage war notwendig, sonst hätten sich Tennet und die Grundstückseigentümer nicht bewegt“, betonte Köppl.

Tatsächlich habe der letzte von 16 neu betroffenen Eigentümer erst am Freitag den Vertrag unterschrieben. „Pro Mast auf dem Grundstück gibt es 5000 Euro. Das Grundstück darf der Eigentümer behalten“, erläuterte Tennet-Projektleiter Jens Siegmann. Auch bei einer Überspannung eines Grundstücks gibt es Geld.

„Es war gar nicht so einfach, die Zustimmung von allen Beteiligten zu bekommen“, erinnerte sich Stadtrat Klaus Hensel (CDU). Er war bei den Verhandlungen federführend und hat viele Beratungen mit den Eigentümern geführt. „Es waren schwierige Gespräche mit dabei. Aber der Runde Tisch stellt einen breiten politischen Konsens dar“, kommentierte der Landtagsabgeordnete und Gesprächsrundenteilnehmer Peter Lehnert (CDU) das Ergebnis.

Köppl warnte jedoch: „Mit dem Rückzug der Klage ist das Projekt nicht mehr beklagbar. Wer jetzt noch klagt, hat einen Schaden und riskiert den Verschwenk.“

Wie bewertet die Bürgerinitiative „Quickborn unter Höchstspannung“ das Ergebnis? „Als wir uns vor sechs Jahren um alternative Lösungen zur jetzigen Trasse bemühten, bemühten wir uns um partielle Verwendung von Erdkabeln oder eine weite Umgehung von Wohngebieten – sechs Jahre erfolglos. Die jetzige Lösung ist ein Kompromiss im Rahmen der verbliebenen Möglichkeiten; sie ist kein Grund zum Jubeln, sie ist aber immer noch entscheidend besser als die Trasse ohne Verschiebung“, sagte der Physiker Werner Schneider von der Bürgerinitiative „Quickborn unter Höchstspannung“.

Tennet hat den Antrag auf Planänderung beim Ministerium in Kiel eingereicht. Siegmann geht davon aus, dass im Frühherbst mit der Aufrüstung begonnen wird. Die Kosten betragen 35 Millionen Euro.

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