Quickborn : Rentner radelt in die Ukraine

Da ist das Ziel: Mit dem Finger tippt Margwald Pohl, dessen Trainingsstrecke durch Quickborn führt, auf die Karte der Ukraine.
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Da ist das Ziel: Mit dem Finger tippt Margwald Pohl, dessen Trainingsstrecke durch Quickborn führt, auf die Karte der Ukraine.

Margwald Pohl rechnet mit 2000 Kilometern im Sattel.

shz.de von
27. Mai 2015, 16:00 Uhr

Quickborn | Es mag Norwegen gewesen sein. Oder das nördliche Finnland. Exakt entsinnt sich Margwald Pohl nicht mehr, in welchem Land der Zeitpunkt kam, an dem er seine Fahrradtour wegen aufkommender Schmerzen am liebsten angebrochen hätte. Er erinnert sich nur noch daran, dass er allein in der skandinavischen Einöde stand, nur er, sein Gepäck und sein Fahrrad. Also sattelte er wieder auf und trat in die Pedale. „Alles ging weg beim Fahren“, berichtet Pohl. Kaum verwunderlich, dass der 83-jährige Niendorfer keinerlei Bedenken hat, am Sonnabend, 6. Juni, erneut auf große Radtour zu gehen. Das Fernziel lautet diesmal: Ukraine.

Pohl ist Radfahrer aus Leidenschaft, gestählt durch Jahrzehnte voller Fahrten. Schon im Berufsleben, zunächst als Bäckergeselle, radelte der gebürtige Dresdner viel. Aus der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik sei er im Jahr 1952 „abgehauen“, erzählt Pohl. Über die Zwischenstation Zweibrücken im Saarland führte ihn der Weg nach Hamburg, wo er zunächst als Bäcker und später am Hafen arbeitete.

Im Alter von 34 Jahren habe er sich als Glas- und Gebäudereiniger selbständig gemacht, berichtet Pohl. Dieser Tätigkeit ging er nach, bis der Ruhestand kam. „Ich war 65 und habe meine Lebensgefährtin gefragt: Was machen wir jetzt?“, erinnert sich Pohl knapp 20 Jahre zurück. Die einvernehmliche Entscheidung fiel schnell: Radfahren und Tanzen. Nach einem Sturz wollte seine Lebensgefährtin nicht wieder aufs Rad steigen. Es blieb das Tanzen. Doch eine Operation am Rücken beendete auch diese gemeinsame Tätigkeit. Pohl indes blieb dem Hobby treu.

Während einer seiner Trainingsfahrten auf seiner Hausstrecke, die den Niendorfer seit vielen Jahren etwa zwei- bis dreimal wöchentlich durch Bönningstedt, Hasloh und Quickborn führt, begegnete Pohl jemandem, der vom Nordkap kam. Früher sei er schon einmal mit der Fähre dort gewesen, berichtet Pohl. Warum also nicht per Rad, dachte er sich, der damals 77-Jährige. Letztlich flog er nach Norwegen und fuhr „nur“ zurück. „Zirka 2800 Kilometer in 26 Tagen“, berichtet Pohl aus dem Jahr 2009. Es war so etwas wie seine Reifeprüfung auf dem Rad.

Und der Auftakt für weitere Abenteuer. Das Jahr 2011 stand für Pohl unter dem Motto „Rund um die Ostsee“. Von Deutschland aus durchquerte er Polen und das Baltikum, fuhr über St. Petersburg in Russland und erreichte schließlich das finnische Helsinki. Vier Jahre später steht nun die nächste Tour an. Die Elbe entlang will Pohl dabei Dresden, Görlitz, Lodz und Lublin passieren und bis in die Ukraine radeln. Wenn es die Visa-Bestimmungen zulassen, soll auch eine Stippvisite in Weißrussland erfolgen.

Inklusive Rückkehr rechnet Pohl mit etwa 2000 Kilometern im Sattel, davon will er täglich an die 100 Kilometer zurücklegen. „Nach 90, 95 Kilometern fange ich dann immer an, nach einer Unterkunft zu suchen. Gibt es keine, schlafe ich im Zelt“, erklärt der Rentner. Das bereitet ihm genauso wenig Sorgen wie die Belastbarkeit seines Körpers. Schließlich trainiert er seit Anfang April für diese Herausforderung, und die Ärzte haben ihm allesamt ihr Okay gegeben. „Kardiologe, Hausarzt, Orthopäde – von allen habe ich grünes Licht“, erzählt der rüstige Radler stolz.

Ende Juni will Pohl wieder zurück in Niendorf sein. Die Zeit drängt zwar nicht, aber selbstredend hat der 83-Jährige auch Termine. Zum Beispiel Training auf seiner Hausstrecke. Immerhin wollen Ende August die Hamburger Cyclassics auch von Margwald Pohl bestritten werden.

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