Reimer Lange wird 80

Reimer Lange wird heute 80 Jahre alt.
Reimer Lange wird heute 80 Jahre alt.

Christdemokrat hat lange Politik gemacht und sitzt seit 40 Jahren in der Fluglärmschutz-Kommission

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17. August 2018, 16:24 Uhr

Er ist niemand, der sich verbiegen lässt: Reimer Lange eckt lieber an, als seine Überzeugungen zu verkaufen. Das hat ihm viele Freunde eingebracht, aber auch Kritiker. Heute wird der Christdemokrat, der lange die Politik im Kreis Pinneberg und in Quickborn geprägt, der sich für die Wirtschaft, den beruflichen Nachwuchs und die Kirche engagiert hat, 80 Jahre alt. Jetzt zog er zufrieden Bilanz.

„Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, ich würde mit Ausnahme von Nuancen alles genauso machen.“ Für ihn, so Lange, seien immer vor allem zwei Dinge wichtig gewesen – Familie und Freunde. Das Wissen, geschätzte Menschen um sich zu haben, sei für ihn ein Glücksgefühl. Zusammen mit seiner Frau Ellen Lange-Gawron, hat er zwei Töchter und einen Sohn und ist überaus stolzer Opa von zehn Enkelkindern. Ihnen versucht er vor allem eins mit auf den Weg zu geben: Was immer du tust, tue es gern und mit Leidenschaft. So in etwa könnte man auch sein Lebensmotto zusammenfassen.

Lange ist eines von drei Kindern und in Hamburg geboren. Im Krieg kam er mit seinen Geschwistern und der Mutter nach Schleswig-Holstein. Es sollte seine neue Heimat werden. Während seiner Lehre bei der Allianz lernte er seine spätere Frau kennen. Beide heirateten kurz nachdem er sein Examen als Diplom-Kaufmann in der Tasche hatte - das ist inzwischen 54 Jahre her. Liebevollen Eltern und ausgezeichneten Lehrern, so sagt er rückblickend, verdanke er viel. „Ich bin immer unabhängig geblieben, versuche bis heute, klare Entscheidungen zu treffen, und folge meinem Gewissen“, sagt er.

Seine Eltern sorgten auch für den inneren Kompass, der ihn leitet, legten in ihrem Sohn die Ehrenhaftigkeit an, die bis heute an ihm schätzt, wer mit ihm zu tun hat. Feste Werte haben ihm immer geholfen, schwierige Situationen in Ruhe zu meistern, und Probleme, auch die anderer Menschen, unkompliziert zu lösen. Er redet gern Klartext, beschönigt nichts, „aber ich möchte, dass das, was ich sage, auch hilfreich ist“.


Familienunternehmen mit Augenmaß geführt

Diese Eigenschaften haben ihn zu einem erfolgreichen Unternehmer gemacht, der kurz vor dem Ausscheiden seines Schwiegervaters aus dem Familienunternehmen an dessen Spitze rückte und den Betrieb für Zaunbau, Stahlbau und Schlosserei mit Sitz in Rellingen, mit sicherem Gespür entwickelte. Heute ist Gawron fast schon eine Marke. Seit 1969 wohnt er in Quickborn, trat 1971 in die CDU ein und war lange Mitglied im Kirchenvorstand. 1974 wurde er in die Quickborner Ratsversammlung gewählt und gehörte seiner Fraktion bis 1986 an. Acht Jahre davon war er Bürgervorsteher der Stadt. Für ihn eine befriedigende Zeit, in der er das Gefühl hatte, von dem Guten, das ihm widerfahren ist, endlich etwas zurückgeben zu können.

Kreistagsmandat nach drei Jahren abgegeben

„Ehrenamtliches Engagement war für mich immer selbstverständlich und mir ein Bedürfnis“, sagt er. Dagegen hielt es ihn im Kreistag nur drei Jahre. Weil er in seiner eigenen Fraktion damals einen eklatanten Mangel an Kompetenz ausmachte, schied er 2006 aus. Seine Bilanz schmälert das nicht: Lange, nach eigenen Angaben ein absoluter Zahlenmensch, war Kreisvorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung, Sprecher des Wirtschaftsrates, saß im Vorstand des CDU-Kreisverbandes und im Beirat der Hamburger Sparkasse.

Inzwischen lässt er es deutlich ruhiger angehen, sofern man das bei zehn Enkeln und einem großen Garten sagen kann. Seine Ehrenämter hat er fast alle aufgegeben, denn inzwischen muss er auf seine Gesundheit achten. „Um die könnte es etwas besser bestellt sein“, sagt er, um gleich anzuführen, dass er aber keinen Grund habe, sich zu beschweren. Ein Ehrenamt hat er behalten, weil ihm das Thema am Herzen liegt: Lange ist seit 40 Jahren Mitglied der Fluglärmschutz-Kommission (FLSK), seine Fachkenntnisse und sein Pragmatismus werden vor allem von den Hamburgern geschätzt. Dafür musste Lange akzeptieren lernen, dass er auf diesem Gebiet keine schnellen Erfolge erwarten kann, die Arbeit in dem Gremium manchmal zäh und mühselig ist. Aber er möchte dabei sein, wenn sich denn vielleicht doch noch etwas zum Besseren verändert. Und er weiß, dass sein Wort in dem Gremium etwas gilt. Das motiviert ihn zusätzlich. „Ich habe immer versucht, durch mein Sein und Handeln zu überzeugen.“

Seine Gäste heute braucht er allerdings nicht von sich einzunehmen, sie sind es schon. Gefeiert wird mit 60 Freunden, Wegbegleitern und Angehörigen zu Hause im Garten. „Drücken Sie mir die Daumen, dass das Wetter mitspielt“, sagt er lächelnd zum Abschied. Das tun wir gern, aber bei seinem Glück ist das bestimmt gar nicht unbedingt nötig.

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