Tangstedt : Raufzone an der Grundschule

Jugendpfleger Boris Kaufmann ist von der Maßnahme überzeugt.
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Jugendpfleger Boris Kaufmann ist von der Maßnahme überzeugt.

Seit März können Kinder der Grundschule überschüssige Energien abbauen. Angebot wird überwiegend von Jungen genutzt.

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12. Mai 2015, 12:15 Uhr

Tangstedt | Insgesamt 120  Schüler besuchen zurzeit die Grundschule Tangstedt. Da ist es keine Seltenheit, dass Jungs oder Mädchen auch zwischendurch Raufen. „Die Kinder haben durch den Unterricht ein Bewegungsdefizit und das kompensieren sie häufig damit, dass sie mit anderen rangeln“, erklärt Jugendpfleger Boris Kaufmann. Um dies nicht auf dem Schulhof geschehen zu lassen und um andere Mitschüler zu schützen, wurde bereits im März diesen Jahres eine sogenannte Raufzone am Rande des Pausenhofs eingerichtet. Die Idee kam von Kaufmann und Schulleiterin Maike Hansen.

Eine blaue Umgrenzung zeigt den Kindern genau den Bereich an, wo rangeln und raufen erlaubt sind. Es gibt hier nur drei Regeln, die alle zu beachten haben: Zum einen dürfen nicht mehr als drei Pärchen gleichzeitig in die Zone. Zum anderen betont Kaufmann ganz klar: „Wenn einer stopp sagt, dann heißt das auch stopp.“ Des Weiteren gilt, wer die Zone verlässt, darf auch nicht direkt wieder hineingehen. Das Ergebnis kann sich laut Kaufmann sehen lassen: „Es gibt keine Rangeleien mehr auf dem Schulhof. Das wollten wir auch erreichen.“

Die Regeln wurden gemeinsam mit den Kindern erarbeitet. „Wir wollten keine künstlichen Regeln, an die sie sich letztendlich dann doch nicht halten“, sagt Hansen. „Sie wird reichlich genutzt. Eigentlich sogar in jeder Pause“, so Hansen. Beide betonen jedoch, dass die Zone nur auf freiwilliger Basis betreten werden soll. „Es muss von beiden Seiten abgesprochen werden. Wenn einer gerade nicht raufen möchte, dann muss er es auch nicht tun“, sagt Hansen. Damit soll die Selbsteinschätzung der Kinder gefördert werden. Besonders die Jungs der Grundschule nutzen laut Hansen die Raufzone. „Das ist wie in der Steinzeit. Es muss bei den Jungs immer erst die Rangfolge geklärt werden“, ergänzt Hansen mit einem Lachen. Schon häufig habe sie mitbekommen, dass mit Hilfe der Zone einige Streitigkeiten geklärt werden konnten. Besonders das Verletzungsrisiko der Kinder sei in dem Bereich sehr viel geringer. Keine Spielgeräte oder Spielzeuge liegen hier im Weg. „Die Sache ist mit der Zeit zu einem Selbstgänger geworden. Anfangs war es für alle Beteiligten noch kompliziert sich mit den Regeln anzufreunden, doch jetzt klappt es super“, freut sich Kaufmann.

Während das Konzept bei den Schülern sehr positiv angenommen wird, gibt es laut Kaufmann einige Eltern, die die Raufzone nicht gutheißen. „Raufen wird in der Schule nicht gerne gesehen. Aber einige Eltern vergessen, dass die Kinder so oder so raufen“, sagt Hansen. Auch Kaufmann möchte die skeptischen Eltern von der Idee überzeugen: „Ich fände es toll, wenn die Eltern in der Pause einmal hier vorbeischauen um sich zu überzeugen und es vielleicht selbst auszuprobieren.“

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