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Auf nach Kamerun : Quickbornerin wird Missionarin

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Die 24-jährige Krankenschwester Sarah Bosniakowski will vier Jahre lang in einem Hospital im Norden Kameruns arbeiten.

Quickborn | Sarah Bosniakowski beweist Mut. Die 24-jährige Krankenschwester aus Quickborn wird am 23. Januar nach Kamerun in Afrika ausreisen. Vier Jahre lang will sie im Norden des Landes in der 700.000-Einwohner-Stadt Garoua in einem Krankenhaus arbeiten.

„Ich hatte immer das Gefühl, dass mein Platz in Kamerun ist“, sagte Sarah Bosniakowski unserer Zeitung. Sechsmal hat sie das Land bereits besucht. Der Kontakt entstand über ihre Kirchengemeinde. Bosniakowski ist Mitglied der Christuskirche Quickborn, die zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland und damit zu den Trägern der Organisation Europäische-Baptistische-Mission-International (EBMI) gehört. Von 2009 bis 2010 arbeitete Bosniakowski zehn Monate lang als EBMI-Volontärin in Kamerun etwa 200 Kilometer nördlich von Garoua in Mokong in einem Gesundheitszentrum. „Es hat mir so gut gefallen. Das Gefühl war richtig“, berichtete sie. Damals besuchte sie die Jugendgruppe der Baptistengemeinde in der Provinzhauptstadt Maroua. Dort lernte sie den Kameruner Elie kennen und lieben. Der 27-Jährige absolvierte kürzlich in Maroua sein Masterstudium im Fach „Cinéma et anthropologie“ (Kino und Kultur). Für Bosniakowski will er eventuell umziehen.

Sie lernte nach ihrem Volontariat in Neumünster den Beruf der Krankenschwester. Ihren Urlaub verbrachte sie jedes Jahr in Kamerun. Immerzu hoffte sie auf eine Möglichkeit, in dem Land arbeiten zu können. „Ich habe immer gebetet“, sagte sie. Bei Durchsicht ihrer Facebook-Nachrichten stieß sie Anfang des Jahres auf eine Stellenanzeige der EBMI. „Es mangelt dort an Fachkräften“, berichtete Bosniakowski. Träger des 80 Betten umfassenden „Hopital de l’espérance“, des „Krankenhauses der Hoffnung“, ist der Bund der Baptistenkirche in Kamerun, der mit der EBMI zusammenarbeitet und den Bedarf einer Krankenschwester meldete.

Mitte Juli gab Bosniakowski ihre Stelle im Albertinen-Krankenhaus in Hamburg auf. Sie belegte einen Französischkursus in Paris, studierte in Tübingen Tropenkrankheiten, besuchte ein interkulturelles Seminar. Bei Reisen durch Deutschland gewann sie 17 Kirchengemeinden dafür, ihre Arbeit zu unterstützen. Die EBMI zahlt ihr Gehalt, finanziert sich aber nur durch Spenden.

Das „Krankenhaus der Hoffnung“ in Garoua hat 80 Betten und einen OP-Saal. In diesem Trakt befindet sich die Radiologie, das EEG und ein Labor.
Das „Krankenhaus der Hoffnung“ in Garoua hat 80 Betten und einen OP-Saal. In diesem Trakt befindet sich die Radiologie, das EEG und ein Labor. Foto: EBMI
 

Bosniakowski soll den Menschen in Garoua Kurse zur gesundheitlichen Fortbildung anbieten. „Es ist eine sehr ländliche Bevölkerung. Die Menschen haben eine relativ gute Schulbildung, aber nicht im ländlichen Raum“, sagte Bosniakowski. Sie soll Schwangeren Tipps zur Vorsorge geben, Mütter bei der Ernährung der Kinder beraten, zeigen, wie man Wasser filtert. Bosniakowski versteht sich selbst als Missionarin. „Durch diese Arbeit sollen die Menschen die Nächstenliebe sehen“, sagte sie. Die Quickbornerin wird als einzige Europäerin im Krankenhaus arbeiten. Ein einheimischer Mitarbeiter wird sie unterstützen. Ihre Gemeinde in Quickborn wird sie in einem Gottesdienst am Sonntag, 22. Januar, aussenden. Die Predigt wird der EBMI-Generalsekretär Christoph Haus halten. Die Feier in der Christuskirche Quickborn, Harksheider Weg 166, beginnt um 10 Uhr.

Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die Region Extrême-Nord des Landes Kamerun. 2013 und 2014 entführte die islamistische Terrorgruppe Boko Haram („Westliche Bildung ist Sünde“) dort mehr als 20 Ausländer und ließ sie erst gegen Lösegeldzahlungen frei. Die Europäische-Baptistische-Mission-International (EBMI) mit Sitz in Wustermark bei Berlin beschäftigte nach Angaben ihres Generalsekretärs Christoph Haus bis Ende 2014 sieben Mitarbeiter im extremen Norden, die sie nach Warnungen des Auswärtigen Amts abzog. Drei Selbstmordattentate in der Provinzhauptstadt Maroua im Juli 2015 forderten Medienberichten zufolge mindestens 44 Tote. Während die Region als rote Zone gilt, liegt Garoua etwa 200 Kilometer südlich davon in der orangefarbenen Zone, für die das Auswärtige Amt Verhaltensregeln aufgestellt hat: Europäer sollen etwa den Besuch des Stadions und des Zentralmarkts vermeiden. Mit Sarah Bosniakowski werden ab 2017 fünf EBMI-Mitarbeiter in Kamerun tätig sein. „Angst habe ich nicht, aber ich werde vorsichtig sein“, sagte sie. Ihre Mutter habe gemerkt, dass sie gut in Afrika zurechtkäme. „Mein Vater ist ganz entspannt“, so Bosniakowski.jhf
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erstellt am 23.Dez.2016 | 15:30 Uhr

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