Bisher 800 Bestattungen : Quickborner Tierfriedhof wird 50 Jahre alt: Rockys Ruheplatz für die Ewigkeit

Viele alte Grabsteine, von Gras gesäumt oder manchmal auch überwuchert, machen die Tierfriedhof zu einem verwunschenen Ort.
Viele alte Grabsteine, von Gras gesäumt oder manchmal auch überwuchert, machen die Tierfriedhof zu einem verwunschenen Ort.

Einrichtung am Himmelmoor bietet Reihengräber und anonyme Bestattungen für Hunde und andere Haustiere an.

shz.de von
31. Mai 2018, 12:00 Uhr

Quickborn | Zeit seines Lebens liebte Dackel Rocky Eiben. Sogar so sehr, dass unter einem Exemplar im heimischen Garten sein Lieblingsschlafplatz war. Vor sieben Jahren verstarb der Vierbeiner, und seine Menschen sorgten dafür, dass ihr tierischer Kamerad seine letzte Ruhestätte unter einer Eibe fand – auf dem Hundefriedhof in Quickborn. In diesem Jahr feiert der idyllische Platz in der Straße Am Himmelmoor sein 50-jähriges Bestehen. Susan Beddig führt den Betrieb ihres inzwischen verstorbenen Mannes Gert weiter. Als er die Anlage 1968 plante und umsetzte, war er einer der Wenigen, die sich auf diesem Gebiet betätigten.

Drei Hektar große Fläche

Der Friedhof ist Teil einer rund drei Hektar große Fläche im Landschaftsschutzgebiet hinter dem Dorf Renzel am Waldrand. Unkundige fahren leicht daran vorbei, denn die kleinen Gräber fallen in dem üppig bewachsenen und mit alten Bäumen bestandenen Gelände kaum auf. „Wir wollten damit denjenigen ein Angebot machen können, die ihr Haustier nach seinem Tod nicht der Tierkörperverwertungsanlage überlassen wollen“, sagt Beddig.

Etwa 800 Bestattungen haben sie und ihr Mann in den letzten fünf Jahrzehnten vorgenommen, schätzt sie. Noch immer sind es mindestens zwei im Monat. Zuletzt sei die Zahl der anonymen Beerdigungen deutlich angestiegen, während die der Reihengräber stagniere. „Ich sage den Leuten immer, dass sie sich gut überlegen sollen, ob sie ein Grab über die Jahre pflegen möchten.“ Ist das nicht der Fall, sei ein anonymes Grab eine gute Alternative. Das ist dann ganz ohne Stein, die verwaisten Tierliebhaber wissen nur ungefähr, wo ihr Liebling liegt. „Es ist so nicht unbedingt gedacht, aber wir empfehlen immer, einige Blumenzwiebeln an die Stelle zu setzen, wenn man genau wissen möchte, wo das Tier beerdigt ist“, so die gebürtige Amerikanerin, die den Tierfriedhof heute zusammen mit ihrem Lebensgefährten Hannes Neitzel führt.

Dieser Grabstein wird seinen Platz vermutlich niemals verlassen. Er ist in die Stämme von zwei Thujabäumen eingewachsen.
Dieser Grabstein wird seinen Platz vermutlich niemals verlassen. Er ist in die Stämme von zwei Thujabäumen eingewachsen.
 

Beddig weiß längst so manche berührende Geschichte zu erzählen. Etwa die von der Dame, die während der Schneekatastrophe 1978 an Heiligabend eine weiße Maus nach Quickborn brachte. Sie pachtete gleich mehrere Grabstellen und hat hier in den vergangenen knapp 30 Jahren 40 Tiere beerdigt – Kaninchen, Mäuse, Katzen, Meerschweinchen. „Sie mochte einfach kleine Tiere und hat sie alle zu uns gebracht“, so Beddig, die dabei auf eine Reihe überwucherter Gräber zeigt. Die letzte Beerdigung hat die Dame vor vier Jahren veranlasst, damals schon hochbetagt. Seitdem hat sie sich nicht mehr gemeldet, und Beddig geht davon aus, dass sie ihren Tieren gefolgt ist.

Grabsteine bleiben erhalten

In so einem Fall lässt sie in Ruhe mehrere Jahre verstreichen – auch über die gepachtete Zeit hinaus. Erhebt dann niemand Anspruch darauf und möchte es verlängern, wird es aufgelöst. Der Grabstein bleibt allerdings erhalten und wandert in eine Ecke des Friedhofs, wo sie alle ordentlich aufgereiht gesammelt werden. Schließlich erzählt jeder eine Geschichte, und hinter die möchten Beddig und Neitzel nicht einfach den Schlusspunkt setzen.

Die meisten Ruhestätten werden allerdings pünktlich verlängert, auch wenn die Intensität der Pflege im Laufe der Jahre nachlässt, wie Beddig weiß. Und so sind viele der 60 mal 90 Zentimeter großen Flächen überwuchert. Unter dem Kraut finden sich liebevoll ausgewählte letzte Geschenke: der Lieblingsball von Susi, Hanserle, Amor oder Bienchen, Porzellanbilder mit einem Foto von Goldi oder Muggi, Herzen, Muscheln oder Kerzen. Auf den Grabsteinen stehen wahre Liebeserklärungen, gibt es Hinweise auf den Charakter des verstorbenen Tiers. „Seelenretterin“ steht dort geschrieben oder auch „Danke für deine Treue“.

Haustierfreunde scheuen keine Kosten, viele Grabsteine sind aus Marmor oder Granit.
Haustierfreunde scheuen keine Kosten, viele Grabsteine sind aus Marmor oder Granit.
 

Der Friedhof ist so etwas wie Gert Beddigs Lebenswerk. Als der bei Beiersdorf beschäftigte Manager begann, war die Fläche kaum mehr als eine sumpfige Wiese. Also ließ er tonnenweise Erde anfahren, um die Beerdigungen in der vorgeschriebenen Tiefe von einem Meter überhaupt möglich zu machen. Als er seine Frau kennenlernte, war die Anlage bereits in Betrieb. „Zu Anfang fand ich das irgendwie merkwürdig und skurril, aber später habe ich gemerkt, wie eng die Beziehung zu Tieren sein kann“, sagt sie.

Inzwischen liegen auch die Hunde der Beddigs dort, vier Stück immerhin. Ihnen wurde die gleiche Zeremonie zuteil wie allen anderen auch: Erst wird die Grube ausgehoben und mit frischem Grün ausgelegt. Dann folgt ein Baumwolltuch, auf das der Tierkörper gebettet wird. „Wer möchte, kann eine Rose ins Grab legen oder etwas Erde werfen.“ Aber auch die Beerdigung in einem Pappkarton oder einer Holzkiste ist möglich.

Tierfriedhof: Das muss man wissen

Eine anonyme Beerdigung auf dem Tierfriedhof von Susan Beddig kostet 250 Euro. Wer ein Reihengrab bevorzugt, zahlt zusätzlich eine Pacht von ebenfalls 250 Euro für fünf Jahre. Die Stelle kann bei Bedarf verlängert und Ruhestätte für ein weiteres Tier werden. Zwar firmiert die Fläche offiziell unter der Bezeichnung „Hundefriedhof“, gedacht ist sie aber für alle Haustiere. Die Grabpflege wird nicht übernommen. Lediglich um die Mäharbeiten und die allgemeine Pflege der Anlage kümmern sich die Betreiber. Der Eingang zum Friedhof ist mit einem Stein markiert. Weitere Infos gibt es bei Susan Beddig unter Telefon (0151)11627538 und hier.

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