Neues Stück : Quickborner Speeldeel: Wo eine Leiche macht, was sie will

Vor der noch nicht fertigen Kulisse im Probenraum nehmen die Darsteller ihre Regisseurin Christa Gehrig in die Mitte.
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Vor der noch nicht fertigen Kulisse im Probenraum nehmen die Darsteller ihre Regisseurin Christa Gehrig in die Mitte.

Quickborner-Speeldeel-Chef Jens Rapude mimt in „Keen Mord ut Versehn“ einen jenseitigen Unruhestifter.

shz.de von
08. März 2018, 16:00 Uhr

Quickborn | Für eingefleischte Fans der Quickborner Speeldeel gibt es drei relevante Jahreszeiten: das Frühjahr, den Herbst und die Adventszeit. Es sind die Monate, in denen das Ensemble jeweils mit einer neuen Inszenierung auf sich aufmerksam macht. Was viele Quickborner längst wie selbstverständlich hinnehmen, ist in Wirklichkeit besonders und ein gutes Beispiel dafür, wie lange ein Verein bestehen kann, wenn sich Mitglieder finden, die sein Fortbestehen zu ihrer Sache machen. Und die dabei noch Erstaunliches leisten, wie ein Blick hinter die Kulissen vor der Premiere des aktuellen Stücks „Keen Mord ut Versehn“ am Samstag, 17. März, zeigt.

Für Regisseurin Christa Gehrig hat die Arbeit begonnen, nachdem der letzte Vorhang für das Herbststück gefallen war. „Es geht mit der Auswahl einer Geschichte los. Welche es wird, richtet sich unter anderem nach der Personenzahl“, sagt sie. Gefällt ihr ein Stück, heißt das noch nicht, dass es für die Quickborner Speeldeel auch spielbar ist. „Wir haben einen Stamm von 15 bis 20 Darstellern, aber es stehen nicht immer alle zur Verfügung.“ Aus dem Vollen schöpfen kann sie auch deshalb nicht, „weil nur wenige neue plattdeutsche Stücke geschrieben werden“. Das war unter Gehrigs Vorgänger noch anders. Franz Schilling, von dem sie das Handwerk des Regieführens erlernt hat, schrieb einige Stücke selbst und die Rollen darin seinen Darstellern auf den Leib.

Bevor die Probenarbeit beginnt, hat Gehrig das Skript bereits bearbeitet, Passagen gekürzt, die Rollen verteilt. Sie mag es, wenn sich die Geschichte schnell entwickelt, verzichtet gern auf lange Dialoge und Wiederholungen und hat dabei im Blick, dass nicht jeder ihrer Schauspieler Plattdeutsch spricht. Vereinschef Jens Rapude gehört auch zu dieser Gruppe. Er lernt den Text beim Proben, und ist mit dieser Methode sehr erfolgreich. „Ich setze mich nicht gern zu Hause hin und lerne meine Passagen auswendig“, sagte er.

Die Theaterleute proben auf dem Dachboden

Vor dem Hintergrund dürfte ihm seine Rolle in der neuen Komödie besonders gut gefallen: Rapude spielt Erik, Lebensgefährte der Hotelbesitzerin Agathe (Renate Dwinger), und wird gleich zu Beginn vergiftet, darf also schweigen. Dabei wollte Agathe ihm nur einen kleinen Denkzettel verpassen, nachdem er im Dorf mit einer anderen Frau gesehen wurde. Weil die Gastronomin eine Frau der Tat ist, hadert sie nicht lange, sondern beschließt, die sterblichen Überreste mit Hilfe ihrer Freundin Henny (Nicole Bastein) unauffällig verschwinden zu lassen. Den Anblick einer Leiche möchte sie ihren Wochenend-Stammgästen nicht zumuten.

Allerdings bleibt Erik nicht dort, wo sie ihn zwischenlagert, sondern macht sich ungeachtet seines Zustands selbstständig. Schließlich riechen die Hotelgäste Amalia van Holdershusen (Rahel Dorra), Frieda (Monika Hopmann) und Anneliese (Anke Thomsen) Lunte und alarmieren die Polizei. Ab dem Zeitpunkt mischen auch die Kommissarin (Mirella Maaß) und die Detektivin Larissa Lupenrein (Nadine Wittkopf) kräftig mit. Das Chaos erreicht seinen Höhepunkt, als sich herausstellt, dass die Leiche viel lebendiger ist, als alle angenommen haben.

„Ich versuche immer, die Hauptrollen reihum zu vergeben, so dass jeder mal dran ist“, sagt Gehrig. Allerdings müsse sie sich auch nach dem Können richten, vor allem, wenn die Rollen komplexer seien. „Wir haben einige Schauspieler, die bringen wirklich Theaterblut mit.“ Geprobt wird unterm Dach – in einem Nebengebäude auf dem Gelände der Comenius-Schule. Hier haben die Theaterleute einen Raum für sich, ausgebaut von dem Speeldeel-Urgestein Erich Jabs. „Ohne ihn wären wir heute nicht da, wo wir sind“, sagt Rapude. Jabs dämmte das Dach, baute Küche und WC ein, verlegte einen Holzfußboden und markierte darauf die Grenzen der Bühne. Das erleichtert auch Bühnenbauer Torben Hensel die Arbeit. Vor den Aufführungen verbringt er viele Abende im Oberstübchen und baut die Kulisse, vor der die jeweilige Geschichte spielt: ein Wohnzimmer, eine Hotellobby, den Platz zwischen zwei Häusern.

„Vor der Premiere brauchen wir ein Wochenende, um die Bühne für uns herzurichten“, so Rapude. Viel Arbeit, wenig Zeit – Sand im Getriebe des Theaterbetriebs kann Gehrig da gar nicht gebrauchen. Es reicht schon, wenn mitten in den Probenarbeiten mal ein Darsteller aussteigt oder krank wird. Eine Seltenheit, so Gehrig, „denn alle Aktiven sind sehr zuverlässig“.

Die Krimikomödie „Keen Mord ut Versehn“ stammt aus der Feder von Jennifer Hülser und wurde von Heino Buerhoop ins Plattdeutsche übersetzt. Die Quickborner Speeldeel spielt die turbulente Geschichte  am Samstag, 17. März, um 20 Uhr, am Sonntag, 18. März, um 16 Uhr, sowie am Freitag und Samstag, 23. und 24. März, jeweils um 20 Uhr. Veranstaltungsort ist  der Artur-Grenz-Saal, Am Freibad 7. Die Tickets zum Preis von neun Euro gibt es an der Abendkasse sowie im Vorverkauf in der Quickborner Buchhandlung Theophil, Am Freibad 4a, und in Ellerau bei Elektro Bollmann, Steindamm 1-3.
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