Politik : Quickborner Parteien: Mitgliederzahlen steigen

Jugendliche verfolgen eine politische Debatte im Kieler Landtag: Bilder wie dieses wünschen sich auch Quickborner Kommunalpolitiker, darunter der Chef der Senioren-Union, Thomas Dänecke.
Jugendliche verfolgen eine politische Debatte im Kieler Landtag: Bilder wie dieses wünschen sich auch Quickborner Kommunalpolitiker, darunter der Chef der Senioren-Union, Thomas Dänecke.

Aktuell wollen offenbar mehr Quickborner die Entwicklung in der Stadt aktiv mitgestalten. Vorsitzende geben keine Entwarnung.

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19. Februar 2018, 12:30 Uhr

Quickborn | Die Mitgliedschaft in einer Partei ist offenbar wieder vermehrt ein Thema für viele Quickborner. Wie eine Anfrage von shz.de bei den Vorsitzenden und Fraktionschef der in der Ratsversammlung vertretenen Parteien ergeben hat, verzeichnen fast alle einen leichten Anstieg der Mitgliederzahlen in den vergangenen Monaten. Damit ist auch der überwiegend hohe Altersdurchschnitt minimal gesunken. Trotz vorsichtigen Optimismus’ – Entwarnung mag niemand geben.

„Die Entwicklung bleibt bedenklich, da sich insgesamt immer weniger Bürger bereit-erklären, kontinuierlich in den Fraktionen mitzuarbeiten“, sagte Grünen-Vorsitzender Dirk Salewsky. Er rufe insbesondere junge Menschen dazu auf, bei ihren Überlegungen für eine aktive und kreative Freizeitgestaltung die politische Arbeit stärker zu berücksichtigen. Die Grünen haben aktuell 19 Mitglieder in Quickborn, vier mehr als noch vor einigen Monaten. Das jüngste Mitglied ist 17, das älteste 80 Jahre alt.

Groß ist die Ratlosigkeit bei CDU-Chef Bernd Weiher. Die Partei hat in den vergangenen Monaten zehn Mitglieder verloren, „überwiegend wegen des hohen Alters“, sagte er. Es sei immer schwieriger, insbesondere junge Menschen mit politischen Themen zu erreichen. Gleichzeitig bemängelte Weiher das fehlende Interesse der überwiegenden Mehrheit der Bürger an der kommunalpolitischen Arbeit. Er wünsche sich, dass zukünftig mehr Quickborner das Angebot nutzen und die öffentlichen Sitzungen der Ausschüsse und der Ratsversammlung besuchen würden.

Darin stimmt Weiher mit dem Vorsitzenden der Quickborner Senioren-Union überein. Wie berichtet, hatte Thomas Dänecke in einem offenen Brief dafür geworben, kommunalpolitische Strukturen und Themen stärker im Unterricht an den weiterführenden Schulen zu behandeln. „Ehrenamtliche Lokalpolitiker investieren viel Freizeit, werden aber praktisch kaum wahrgenommen“, sagte er. Dabei brauche es in Zukunft angesichts der zu bewältigenden Herausforderungen noch mehr Menschen, die bereit seien, sich politisch zu betätigen. Es sei zwar wichtig, die deutsche Geschichte im Unterricht akribisch aufzuarbeiten, reiche aber nicht aus. Mindestens ebenso relevant ist seiner Meinung nach, das Verständnis für die Gegenwart mit ihren dringend anzugehenden Themen zu wecken. „Wir brauchen mehr Menschen, die bereit sind, sich Sachverstand anzueignen, die zuhören können, Dinge von allen Seiten durchdenken und sich in Themen einlesen“, sagte Dänecke.

Die SPD-Fraktionschefin Astrid Huemke sieht die Chance der Parteien darin, dass sie in den Ortsvereinen und -verbänden ein Umfeld schaffen, in dem junge Leute gezielt gefördert werden. „Das ist die Grundvoraussetzung, um junge Menschen für Politik zu begeistern“, sagte SPD-Ortsvereinschef Tom Lenuweit, mit 18 Jahren der jüngste sozialdemokratische Parteivorsitzende bundesweit. Für Huemke ein positives Signal. „Wir werden weiter auf junge Leute zugehen und sie zum Gespräch einladen“, sagte sie. In den vergangenen Monaten hat die Partei neun Mitglieder hinzugewonnen. Am stärksten vertreten ist die Gruppe der 40- bis 60-Jährigen (40 Mitglieder), gefolgt von der der über 60-Jährigen (25 Mitglieder). Die kleinste Gruppe ist mit zwölf Mitgliedern die der 18- bis 40-Jährigen.

Zuwächse verzeichnet auch die FDP. In den letzten zwölf Monaten sind zehn Quickborner in die Partei eingetreten, drei von ihnen seien unter 20, teilte Fraktionsvorsitzende Annabell Krämer mit. Damit liegt die Mitgliederzahl jetzt bei 29. „Liberalismus ist insbesondere bei jungen Menschen wieder angesagt“ so Krämer. Auch sie forderte die Bürger auf, sich verstärkt politisch zu engagieren und vor allem auch die Möglichkeit der Mitbestimmung durch die Wahlen zu nutzen. „Wer in der Politik etwas verändern möchte, muss sich einbringen – in den Parteien oder an der Wahlurne. Und wir sollten niemals vergessen, wie viele Menschen weltweit für das Wahlrecht gekämpft haben und dafür gestorben sind“, sagte sie.

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