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Gedenken an Paul Thomsen : Quickborn hat seinen achten Stolperstein

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Vor seinem Wohnhaus in der Kieler Straße liegt Quickborns achter Stolperstein gegen das Vergessen der NS-Verbrechen.

Quickborn | Es war ein ergreifendes Gedenken, als sich gestern Vormittag eine Gruppe von mehr als 20 Bürgern und Vertretern der Stadt zur Verlegung des achten Stolpersteins in Quickborn versammelte. Jörg Penning von der örtlichen Projektgruppe des Fördervereins „Gegen das Vergessen – Spurensuche im Kreis Pinneberg und Umgebung 1933 - 1945“ würdigte vor dessen Wohnhaus in der Kieler Straße 157 das Quickborner NS-Opfer Paul Thomsen, der der Euthanasie der Nazis zum Opfer fiel.

„Bei Paul Thomsen handelte es sich nicht um einen politischen Gegner der Nazis, er war auch kein Jude – er gehörte vielmehr zu den 200.000 Opfern des NS-Regimes, die aufgrund ihrer seelischen und geistigen Behinderung auf Hilfe angewiesen waren und deswegen als eine Belastung für die Gemeinschaft angesehen wurden“, führte Penning aus. Diese Menschen seien im Vergleich zu politischen NS-Gegnern „leise und unauffällige Opfer“, an die die Erinnerungen nach Kriegsende rasch verblassten.

Thomsen wurde am 24. Dezember 1908 in Barmstedt geboren und zog nach einer Schlachterlehre zu seinen Eltern nach Quickborn, die dort eine Gastwirtschaft betrieben. Im Sommer 1934 wurden im Kreiskrankenhaus Pinneberg Anzeichen von Schizophrenie festgestellt. Nach Aufenthalten in Heilanstalten in Neustadt und Neuruppin wurde Thomsen im November 1941 in die Gauheilanstalt Tiegenhof in der Nähe des polnischen Posens gebracht, wo er am 14. Mai 1944 umkam.

Dass das Schicksal des Paul Thomsen bekannt wurde, sei einem Zufall geschuldet, berichtete Penning: „Im Bundesarchiv Berlin fand sich eine Akte des SS- und Gestapo-Mannes Walter Siems, der hier weiter südlich in der Kieler Straße gewohnt hatte. Siems wollte 1943 heiraten und musste als SS-Mann hierfür bei dem Rasse- und Siedlungshauptamt der SS eine Heiratsgenehmigung einholen. Dabei wurden auch Erkrankungen von Familienangehörigen erfasst. Dabei stellte sich heraus, dass bei dem SS-Mann zwei Fälle von psychischen Erkrankungen in der Familie vorkamen. Bei einem dieser Fälle handelte es sich um seinen ein Jahr älteren Cousin Paul Thomsen, der später in der Gauheilanstalt Tiegendorf starb.“

Paul Thomsen (r.) mit seinem Bruder Julius in den 1930er-Jahren – das Bild stammt aus der Sammlung seiner Nichte Emmi Mandler. (Foto: QBT)
Paul Thomsen (r.) mit seinem Bruder Julius in den 1930er-Jahren – das Bild stammt aus der Sammlung seiner Nichte Emmi Mandler. (Foto: QBT)
 

Penning dankte im Namens des Fördervereins außer dem Kölner Künstler Gunter Demnig, der den Stolperstein verlegte, auch Barbara Müller, die die Kosten dafür übernahm. Und er sprach den heutigen Familienangehörigen von Paul Thomsen Dank aus, die einer Einsichtnahme in die Patientenakte im Landesarchiv zustimmten. Die Nichte des NS-Opfers, Emmi Mandler, war mit ihrem Bruder Georg-Detlev und Tochter Kirsten erschienen. „Herr Penning hat vor etwa eineinhalb Jahren zu mir Kontakt aufgenommen, weil er etwas über Paul in den Akten entdeckt hatte. Für mich war es eine Selbstverständlichkeit, ihm die Vollmacht für die Akteneinsicht zu geben“, berichtete Mandler.

Bürgermeister Thomas Köppl (CDU), der wie die Fachbereichsleiter Birgit Hesse und Carsten Möller der Einladung gefolgt war, zeigte sich sichtlich ergriffen: „Es muss schlimm für einen Menschen sein, einem so langen Prozess der Vernichtung ausgeliefert zu sein. Um so mehr müssen wir zusammenstehen und dafür sorgen, dass Intoleranz keine Toleranz in unserem Land findet.“

 

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erstellt am 02.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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