Klimarückblick : Quickborn bricht Wärmerekord

In Quickborn haben die Messungen zwar erst 1947 begonnen, aber auch alle anderen DWD-Stationen in Deutschland, die zum Teil schon seit Ende des 19. Jahrhunderts die Temperatur registrieren, vermelden einen Rekordkurs.
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In Quickborn haben die Messungen zwar erst 1947 begonnen, aber auch alle anderen DWD-Stationen in Deutschland, die zum Teil schon seit Ende des 19. Jahrhunderts die Temperatur registrieren, vermelden einen Rekordkurs.

So hohe Temperaturen wie 2014 gab es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ab 1947 noch nie.

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03. Januar 2015, 16:00 Uhr

Quickborn | „So warm wie 2014 war es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie“, sagt Elke Roßkamp (Foto) vom Deutschen Wetterdienst (DWD) Hamburg. In Quickborn haben die Messungen zwar erst 1947 begonnen, aber auch alle anderen DWD-Stationen in Deutschland, die zum Teil schon seit Ende des 19. Jahrhunderts die Temperatur registrieren, vermelden einen Rekordkurs. Die Jahresmitteltemperatur in Quickborn liegt mit 10,6 Grad Celsius (°C) um 2,3 Grad über dem vieljährigen Mittel der international gültigen Referenzperiode von 1961 bis 1990. Schon der Januar begann extrem mild mit Temperaturen von teils über 10 Grad. Erst im letzten Monatsdrittel sank die Quecksilbersäule unter den Gefrierpunkt. In der Nacht zum 26. wurde mit -12,5 °C die tiefste Temperatur dieses Jahres gemessen und Schneefall überzog Quickborn kurzzeitig mit einer weißen Decke. Das war aber auch schon das einzige Aufbäumen des Winters.

An diesem Zustand änderte sich zu Beginn des Frühjahrs wenig. Ein Jahr zuvor bibberten sich die Quickborner durch den kältesten März seit Beginn der Aufzeichnungen, der erste Frühlingsmonat 2014 hingegen lag temperaturmäßig exakt am anderen Ende des Rankings. Mit einer Mitteltemperatur von 7  °C lag er um 3,5 Grad über dem Durchschnitt. Die Nachmittagstemperaturen kletterten fast täglich in den zweistelligen Bereich, dazu schien die Sonne mit einer Rekorddauer von knapp 170    Stunden. „Kein Wunder war es dann, dass der März viel zu trocken ausfiel“, so Roßkamp. Auch die zwei folgenden Monate waren zu warm, der April sogar deutlich.

„Der Sommer 2014 legte im Juni einen recht profanen Start hin“, urteilt Roßkamp. „Nur“ 0,4 Grad zu warm, das war bisher die geringste Abweichung einer Monatstemperatur in diesem Jahr. Während die Sonnenscheindauer ebenfalls Durchschnittswerte erreichte, fehlte zur normalen Niederschlagsmenge immerhin fast ein Drittel.

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Ein Regendefizit gab es auch im Juli, alles andere als defizitär hingegen war erneut die Temperatur, die mit 20 °C die Norm um 3,6 Grad übertraf. 19 Sommertage mit einer Tageshöchsttemperatur von 25 Grad und mehr zählte der Juli (im vieljährigen Mittel sind es 6), dabei blieb die Wärmebelastung mit nur einem heißen Tag (31,7 Grad Celsius am 19.) erträglich.

Und während in anderen Regionen Deutschlands Gewitter mit sintflutartigen Regenfällen fast an der Tagesordnung waren, gab es in Quickborn nur wenige Tage mit nennenswertem Niederschlag. Nach sommerlichem Beginn stellte Hurrikan „Berta“ die Wetterlage komplett um und sorgte mit Zufuhr kühler Nordmeerluft für eher herbstliche Witterung.

Gewohnt „ungewöhnlich“ dann wieder der September: Dank einer Mitteltemperatur von 15,6 °C (Norm: 13,2 °C), nur einem Drittel der vieljährigen Regenmenge, aber 34    Prozent mehr Sonnenschein genoss Quickborn einen Bilderbuch-Spätsommer. Der darauffolgende Monat sorgte wieder für einen Rekord: „Noch nie seit Beginn der Messungen in Quickborn war es im Oktober so warm wie 2014“, sagt Roßkamp. Mit 12,8 Grad Celsius war er 3,3 Grad wärmer als im Durchschnitt.

„Gonzalo“ verschont den Norden

Für ein ungemütliches Zwischenspiel sorgte ab dem 21. Oktober „Gonzalo“. Während jedoch der ehemalige Hurrikan in Süddeutschland Böen bis zur Orkanstärke und einen Temperatursturz verursachte, kam das norddeutsche Binnenland glimpflich davon. In Quickborn wurden Windböen der Stärke 7 registriert und nach Durchzug des Tiefs stellte sich wieder die übliche milde Witterung ein.

Mit leichtem Frost startete Quickborn im Dezember in den meteorologischen Winter, aber diese Phase währte nur kurz. Danach dominierten Westwetterlagen, die neaußer Wind vor allem eines im Gepäck hatten – Regen. Vom 18. bis zum 23. Dezember fiel in nur sechs Tagen mit 125 Litern pro Quadratmeter mehr als das Anderthalbfache der üblichen Monatsmenge. Vielerorts kam es zu Überschwemmungen. Über 46 Liter pro Quadratmeter gingen allein am 22. nieder, noch nie im Dezember wurde in Quickborn so viel Niederschlag an einem Tag registriert.

Ab dem 2. Weihnachtsfeiertag ein Hauch von Winter: Die Temperatur sank auf Gefrierpunktnähe ab und während Tief „Hiltrud“ schon am Sonntag im Westen und Süden Deutschlands für jede Menge Neuschnee sorgte, rieselten in der Nacht zum 29. erstmals in diesem Winter ein paar Schneeflocken vom Quickborner Himmel. „Insgesamt jedoch fällt der Dezember mit 3,4 Grad Celsius um 1,8 Grad zu mild aus“, so Roßkamp.
 

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