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Paul-Warnecke-Platz : Quickborn arbeitet seine NS-Zeit auf

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Grünes Licht: Das Birkenwäldchen soll Paul-Warnecke-Platz heißen. Der Kommunist wurde dort 1933 von einem SA-Mitglied erschossen.

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erstellt am 10.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Quickborn | Der Tag hätte gar nicht besser gewählt sein können: Am Donnerstag, 8. Mai, dem Gedenktag, der jährlich an die Befreiung von Krieg und Nationalsozialismus erinnert, hat der Kulturausschuss dem Antrag der „Initiative Selbstbewusstes Quickborn“ zugestimmt, das Birkenwäldchen am Harksheider Weg in Paul-Warnecke-Platz umzubenennen. Mit vier Ja-Stimmen sowie drei Enthaltungen. Jetzt muss nur noch die Ratsversammlung grünes Licht geben. Auch eine Gedenktafel zu Ehren von Warnecke soll aufgestellt werden.

Schon kurios: Eigentlich wäre dieser Antrag überflüssig gewesen. Denn 1946 hatte der Gemeinderat bereits einstimmig beschlossen, das kleine Birkenwäldchen von Horst-Wessel-Park in Paul-Warnecke-Platz umzubenennen. Der Quickborner Historiker Jürgen Hühnke und die „Initiative Selbstbewusstes Quickborn“, zu deren Mitglieder Jens-Olaf Nuckel und Sabine Schaefer-Maniezki gehören, haben darauf hingewiesen. Doch ausgeführt wurde dieser Ratsbeschluss nie. Warum?

„Im Zuge des Kalten Krieges wurde davon abgelassen“, vermutet Jörg Penning (Foto). Der Diplom-Soziologe hat seine Examensarbeit über das Thema „Aufstieg und Herrschaft des Nationalsozialismus am Beispiel der Landgemeinde Quickborn“ geschrieben und war am Donnerstag im Ausschuss als Experte zu Gast.

Unter den Besuchern war auch die Quickbornerin Christa Abendroth als Zeitzeugin: „Paul Warnecke war der Bruder meines Vaters“, sagte sie. „Wir haben bei uns im Haus sehr wenig darüber gesprochen. Aber ich wusste, dass der Platz umbenannt werden sollte“, führte sie aus.

„Wenn schon ein Beschluss besteht, muss man gar nicht darüber abstimmen“, wunderte sich Astrid Huemke (SPD). Fachbereichsleiter Carsten Möller erwiderte, dass es wohl zu Fragen gekommen wäre, wenn die Stadt einfach dort eine Gedenktafel aufgestellt hätte.

„Es ist kein Platz, sondern ein Park und ein Wäldchen“, sagte Katrin Schönebein (CDU). 70 Jahre später wolle die CDU das Birkenwäldchen deswegen nicht als Platz benennen. Gegen die Gedenktafel habe die CDU nichts einzuwenden. Die Grünen seien grundsätzlich für eine Umbenennung, die FDP hatte das Thema noch nicht in der Fraktion beraten.

„Was spricht gegen eine Umbenennung? Es ist ein Teil unserer Geschichte“, sagte Daniela Ziri (SPD). Erinnerung und Mahnen gehörten dazu.

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