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Ausbau der S21 : Quickborn: 110 Meter Umweg für Rollstuhlfahrer

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Nach dem geplanten Ausbau der S-Bahnlinie 21 müssen Rollstuhlfahrer am Quickborner Bahnhof einen mindestens 110 Meter langen Umweg zurücklegen. Die AKN soll die Bahnsteige um 20 Zentimeter erhöhen.

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erstellt am 24.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Quickborn | Die geplante S-Bahn-Linie 21 soll Pendlern das Leben erleichtern. Für Rollstuhlfahrer aber wird das Reisen beschwerlicher. Sie müssen künftig einen mindestens 110 Meter langen Umweg nehmen, wenn sie durch das Forum auf den Bahnsteig gehen und einsteigen wollen. Grund: Die AKN soll im Auftrag des Landes auf dem Bahnsteig einen 20 Zentimeter hohen Absatz anlegen. Das sehen die Pläne für die Elektrifizierung der Strecke vor. Anstelle der AKN soll dort die S-Bahnlinie 21 fahren. Das Problem: Die Wagen der S-Bahn sind anders als die der AKN zugeschnitten. Damit Fahrgäste künftig ebenerdig aussteigen können, müssen die Bahnsteige angehoben werden.

Das neue Plateau soll sich zwischen der Bahnsteigkante und dem Zugzielanzeiger erstrecken. Es wird ein Gefälle von zwei Prozent haben. Ein Geländer schützt die wartenden Reisenden davor, von dem 20 Zentimeter hohen Absatz hinunterzufallen.
Das neue Plateau soll sich zwischen der Bahnsteigkante und dem Zugzielanzeiger erstrecken. Es wird ein Gefälle von zwei Prozent haben. Ein Geländer schützt die wartenden Reisenden davor, von dem 20 Zentimeter hohen Absatz hinunterzufallen. Foto: Holger Maaß

Das neue Plateau wird sich fast entlang der gesamten Bahnsteigkante erstrecken und mit einer Breite von 4,50 Meter etwas mehr als die Hälfte der gepflasterten Fläche zwischen den Gleisen und dem Gebäude bedecken; nur dieser Teil gehört der AKN. Ein Geländer soll die Wartenden davor bewahren, den Absatz hinunterzufallen.

Rollstuhlfahrer, die durch das Forum auf den Bahnsteig kommen und in die S-Bahn einsteigen wollen, werden in Zukunft das Nachsehen haben. Zwar befindet sich im Gebäude neben einer fünfstufigen Treppe ein Fahrstuhl, der sie auf das Niveau des Bahnsteigs und des Ticketschalters heben kann. Wenn sie dann nach dem Fahrkartenkauf durch die breiten Glastüren auf den Bahnsteig gerollt sind, werden sie aber einer Treppe gegenüberstehen.

Fußgänger können die Stufen leicht nehmen. Rollstuhlfahrer dagegen müssen eine Reise an die Straße Am Freibad zu einer etwa 90 Meter entfernten Rampe antreten. Sie führt in zwei Abschnitten über eine Länge von 20 Metern bei einer Steigung von 5,4 Prozent auf den neuen Absatz hinauf. Der Umweg beträgt damit mindestens 110 Meter, wenn die S-Bahn so halten sollte, dass Fahrgäste bereits kurz hinter der Rampe einsteigen können. Die AKN-Sprecherin Christiane Lage-Kress sagte gestern: „Wenn Sie durch das Forum kommen, müssen Sie den Umweg nehmen. Es ist technisch nicht anders möglich.“

Kommunen und Bürger dürfen noch bis Donnerstag, 9. März, Einwände gegen die Pläne erheben. Die Quickborner Verwaltung übt in ihrer Stellungnahme deutliche Kritik an dem geplanten Absatz. „Das ist für uns gelinde gesagt eine unglückliche Situation“, sagte Stadtplaner Felix Thermann bei der Präsentation des Papiers im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Das Forum wurde 2007 eingeweiht. Wie in der Stellungnahme zu lesen ist, erfolgte bei der damaligen Planung „eine Detailabstimmung mit der AKN über die Lage und Ausgestaltung der Bahnsteige, um niveaugleiche Zugangsmöglichkeiten zum Gebäude sowie aus der Bahnhofshalle zu erhalten.“

Im Forum können sich Rollstuhlfahrer mit dieser Anlage auf das Niveau des Bahnsteigs heben lassen, müssten dort in Zukunft aber zu der fast 90 Meter entfernten, 20 Meter langen Rampe rollen, um auf den Bahnsteig zu gelangen.
Im Forum können sich Rollstuhlfahrer mit dieser Anlage auf das Niveau des Bahnsteigs heben lassen, müssten dort in Zukunft aber zu der fast 90 Meter entfernten, 20 Meter langen Rampe rollen, um auf den Bahnsteig zu gelangen. Foto: Jan-Hendrik Frank

 Die Verwaltung mahnt: Das Personenbeförderungsgesetz fordere, bis zum 1. Januar 2022 eine vollständige Barrierefreiheit für Fahrgäste des Öffentlichen Personennahverkehrs zu gewährleisten. „Mit dieser Planung wird das Gegenteil erreicht“, beklagt die Stadt. Der Fahrstuhl für Rollstuhlfahrer im Forum werde ad absurdum geführt. Die Stadt verlangt daher einerseits, weiterhin einen barrierefreien Zugang aus der Bahnhofshalle zum Zug zu ermöglichen. Andererseits fordert sie, weitere Treppen zu dem Plateau zu bauen. Vom Bahnsteig aus führen acht Türen in das Gebäude, überwiegend in Ladenlokale, aber auch in ein öffentliches WC und zur Volkshochschule. Den Kunden sollte ermöglicht werden, aus diesen Räumen ohne Umweg zur S-Bahn zu gelangen. Während der Sitzung ergänzte Thermann die Stellungnahme um eine Idee von Thomas Dänecke, dem Vorsitzenden der Senioren-Union von Quickborn und Umgebung. Er hatte vorgeschlagen, die Gleise einfach um 20 Zentimeter tieferzulegen.

Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) übte deutliche Kritik am Planfeststellungsverfahren des Landes. „Sieben Ordner ins Rathaus zu stellen, das ist Bürgerbeteiligung aus dem letzten Jahrtausend“, sagte er. Die Stadt werde im Detail für ihre Interessen streiten müssen.

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