Wettbewerb mit Erfolgsgeschichte : Projekt für Ponyreitschulen in Hasloh

Finnja (13) voltigiert bereits seit vier Jahren und hat auch schon an Turnieren teilgenommen.
Finnja (13) voltigiert bereits seit vier Jahren und hat auch schon an Turnieren teilgenommen.

Die Hasloherin Johanna Rohde setzt das Projekt um. Mehr als 400 neue Schüler nach dem ersten Jahr.

von
30. Juli 2018, 12:00 Uhr

Hasloh | Sie ist mit Pferden aufgewachsen, begann mit sechs Jahren zu voltigieren, bekam wenig später ihre ersten Reitstunden und hat seitdem nie wieder aufgehört, Zeit mit den Vierbeinern zu verbringen. Dennoch entschied sich die Hasloherin Johanna Rohde nach dem Abitur gegen eine Ausbildung zur Pferdewirtin im Fachbereich Zucht und Haltung. „Ich wollte mich nicht zu sehr festlegen, sondern mir auch andere Möglichkeiten offen lassen“, begründet die 26-Jährige ihre Entscheidung. 

Johanna Rohde
Ute Springer

Johanna Rohde

 

Stattdessen reiste sie für ein halbes Jahr nach Australien, wo sie Jung-Pferde ausbildete und ihre Leidenschaft für die Vielseitigkeits-Reiterei entdeckte. Zurück in Deutschland begann sie ein duales Studium an der Elmshorner Nordakademie im Fach Betriebswirtschaft. „Ich blieb dann noch ein Jahr in meinem Lehrbetrieb, merkte ab schnell, dass das nichts auf Dauer ist – mein Herz war einfach nicht dabei“, bekennt Rohde. Da kam das Stellenangebot der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) als Nachwuchsführungskraft genau richtig: Ein Projekt sollte ausgearbeitet werden, das darauf ausgerichtet ist, Nachwuchs-Reiter schon frühzeitig im Umgang mit Pferden auszubilden.

Gründerwettbewerb

„Die Nachfrage ist da, es fehlen aber entsprechende Angebote“, hatten Rohde und ihr Team festgestellt. So entstand der Gründerwettbewerb für Ponyreitschulen. „Außer Neugründungen konnten sich bereits bestehende Betriebe, die ihr Angebot ausweiten oder umstrukturieren wollen, bewerben“, berichtet Rohde.

Die Resonanz auf die erste Ausschreibung 2016 war groß. „In einem mehrstufigen Verfahren wurde die Auswahl getroffen: Nach der schriftlichen kam die persönliche Vorstellung des Konzepts im großen Kreis“, erläutert Rohde. Wie sich im Nachhinein herausgestellt habe, hätten einige Teilnehmer bereits von diesem ersten Austausch von Ideen profitiert. „Schließlich sollten 20 der Bewerber einen Business-Plan schreiben, der tragfähig und nachhaltig sein musste“, sagt Rohde weiter.

Zwölf Gewinner

Eine Jury entschied sich schließlich für zwölf Gewinner. „Jeder Betrieb erhielt die Summe von 5000 Euro plus 3000 Euro in Sachleistungen“, beschreibt Rohde die finanzielle Unterstützung. Dank der Hilfe einiger Firmen könnten die Betriebe Helme, Sättel, Futter und andere Materialien anschaffen.

Jolina (12) probiert zum ersten Mal aus, wie es sich anfühlt, rückwärts zu reiten und dabei auf dem Pferd zu liegen.
Ute Springer
Jolina (12) probiert zum ersten Mal aus, wie es sich anfühlt, rückwärts zu reiten und dabei auf dem Pferd zu liegen.
 

„Der viel größere Gewinn für die geförderten Betriebe lag jedoch nicht im finanziellen Bereich“, betont Rohde. Ein Jahr lang begleiteten Experten aus unterschiedlichen Bereichen die Gewinner mit Rat und Tat. Mehrere Projektgruppentreffen mit Workshop-Charakter hätten darüber hinaus für einen regen Austausch untereinander gesorgt. „So ist ein kollegiales Netzwerk entstanden“, sagt Rohde erfreut.

Mehr als 30 neue Schulpferde

Die Bilanz nach der ersten Runde kann sich sehen lassen: Mehr als 30 neue Schulpferde auf denen mehr als 400 Kinder reiten können, war das Fazit. „Weil es so gut lief, wurde mit Abschluss der ersten Förderrunde auch gleich der Auftakt für die zweite Runde eingeläutet“, berichtet Rohde. Vor wenigen Wochen sei Bewerbungsschluss für die dritte Auflage gewesen.

„Knackpunkte sind immer wieder das Finden der richtigen Schulponys und qualifizierter Trainer“, erläutert Rohde. Für den Nachwuchs gehe es mehr um das entdecken und erleben der Tiere, nicht in erster Linie um das Reiten. „Ich habe in den zwei Jahren viel gelernt – und habe jetzt den Mut, einiges davon in die Praxis umsetzen“, ergänzt Rohde. Ganz ohne Fördergeld hat sie kürzlich auf dem Hasloher Fuchshof die Pony-Akademie Hasloh gegründet. „Ich bin der Besitzerin Stefanie Kaerger sehr dankbar, dass sie mir hier diese Möglichkeit gibt“, sagt Rohde. Reitstunden habe es vorher in kleinerem Rahmen dort auch schon gegeben, doch das Konzept, Kurse in Gruppen für Mädchen und Jungen ab vier Jahren anzubieten sei neu. „Es hat sich alles so gefügt“, sagt Rohde, die nun auch wieder in Hasloh wohnt.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen