Politiker werben für die Politik

Die 17 Jahre alte Pinnebergerin Maeva Rost gehört zu den Gründungsmitgliedern der Jungen Grünen im Kreis Pinneberg und stand für Gespräche zur Verfügung.
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Die 17 Jahre alte Pinnebergerin Maeva Rost gehört zu den Gründungsmitgliedern der Jungen Grünen im Kreis Pinneberg und stand für Gespräche zur Verfügung.

40 junge Leute verfolgen Podiumsdiskussion von FDP, CDU, SPD und Grünen / Neues Format, um den Nachwuchs zu begeistern

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29. Oktober 2018, 16:02 Uhr

Sie gaben bereitwillig Auskunft, waren ehrlich, die Antworten persönlich: Acht Vertreter von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP, politisch aktiv in den Quickborner Gremien und dem Landtag, fest vernetzt in der Kommunalpolitik, haben während einer Podiumsdiskussion ihre kommunalpolitische Arbeit erklärt und um Nachwuchs geworben. Zielgruppe der ersten Veranstaltung dieser Art waren jugendliche Politikinteressierte.

Warum engagiert man sich zumeist neben dem Beruf noch ehrenamtlich in der Kommunalpolitik, von der alle Beteiligten sagten, dass sie zeitaufwändig und manchmal durchaus frustrierend ist? Auf diese Frage hörten die rund 40 Schüler ganz unterschiedliche, durchaus auch bewegende Antworten. SPD-Landtagsabgeordneter Kai Vogel etwa berichtete von einem inzwischen verstorbenen Freund, der wegen persönlicher Probleme nicht nur in der Schule versagte, sondern auch in seinem späteren beruflichen Leben nicht Fuß fassen konnte. Schule zu einem besseren Ort zu machen, so könnte man seine Beweggründe zusammenfassen.

Andere, wie etwa die Grünen-Landtagsabgeordnete Ines Strehlau oder der Quickborner SPD-Ratsherr Daniel Grosser entschieden sich nach ihrem Engagement als Elternvertreter in Kindergarten und Schule für die Politik. Insbesondere für Grosser gab es aber auch noch einen weiteren Grund. „Die Kommunalpolitik hat es schwerer als andere Ehrenämter“, sagte er. Wenig Anerkennung für jede Menge Arbeit, das ist in seinen Augen nicht gerade attraktiv, hat ihn aber bewogen, in die Politik zu gehen. Bereut, so Grosser, der gerade erst seit Mai in der Ratsversammlung sitzt, habe er das nicht.

Andere Kommunalpolitiker wie die FDP-Landtagsabgeordnete Annabell Krämer und ihr christdemokratischer Kollege Peter Lehnert, CDU-Ratsherr Eicke Kuhrcke, FDP-Ratsherr Sönke Meyer-Breckwoldt und Grünen-Ratsfrau Marion Nagelfeld zeigten im Laufe der Diskussion Wege des Einstiegs auf, warben für eine bürgerliche Mitgliedschaft in einem Ausschuss oder die Arbeit für eine Partei, ohne deren Mitglied zu sein. Auch die Mitgliedschaft in einer der Nachwuchsorganisationen war Thema auf der von der jungen Kreistagsabgeordneten Birte Glißmann geleiteten Veranstaltung. Sie, so betonten alle Redner unisono, seien komplett unabhängig von der Mutterpartei und Sammelbecken für junge, kritische Köpfe.

Am Ende war Glißmann durchaus zufrieden mit der Premiere: „Die Reaktion aus dem Publikum war zwar noch etwas verhalten, aber wenn man diese Veranstaltung etabliert, wird sich das ändern“, sagte sie. Es waren deutlich mehr junge Männer als junge Frauen, die vor den Politikern saßen. Nicht alle waren freiwillig da. Das galt auch für Sönke Hahn, Schüler am Elsensee-Gymnasium (ESG), der im Zuge seines Wirtschaft-Politik-Profils die Diskussion verfolgte. Sein Fazit: „Das ist eine gute Möglichkeit, mit Politikern in Kontakt zu kommen. Für mich ist das aber nichts. Dazu habe ich einfach zu viele andere Interessen.“

Seine Mitschülerin Catalina Zukowsky kann sich dagegen durchaus vorstellen, sich eines Tages in einer Partei zu engagieren. „Ich interessiere mich für Politik und würde so eine Veranstaltung auch nochmal besuchen“, sagte sie. ESG-Lehrer Toni Güth zog beim Pizzaessen im Anschluss ebenfalls eine positive Bilanz, wünscht sich allerdings, dass bei einer Neuauflage parteipolitische Stellungnahmen gänzlich unterbleiben. Das gelang in der Tat bei der Premiere nicht ganz. Ideengeber, Initiator und organisator Robert Hüneburg (CDU) sieht die Parteien in Quickborn mit dem Format auf einem richtigen Weg. „Ich wünsche mir diese Diskussion einmal im Jahr“, sagte er. Dann könnten allerdings auch mal die anderen Parteien die Organisation übernehmen.

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