Philosophinnen auf der Spur

Die Philosophie-Professorin Barbara Brüning  (vorne) und die Teilnehmer des 'Wissenschaftlichen Forums' stellten ihr gemeinsames Buch vor.erdbrügger
Die Philosophie-Professorin Barbara Brüning (vorne) und die Teilnehmer des "Wissenschaftlichen Forums" stellten ihr gemeinsames Buch vor.erdbrügger

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15. November 2012, 01:14 Uhr

Quickborn | Wozu brauchen wir heute noch die Philosophie? Im Zeitalter der Computer, von Hightech und Börsen, wo nur noch klare Antworten zur Funktionsweise und Gewinnabschätzung zählen. Dass Philosophie aber auch etwas mit dem eigenen Leben zu tun hat, dass sie Orientierung und Werte vermittelt und die Denker Vorbild sein können - davon sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des "Wissenschaftlichen Forums" der Volkshochschule Quickborn überzeugt.

Zusammen mit ihrer Professorin Barbara Brüning haben sie im Kursus "Philosophie" jetzt elf Porträts über Philosophinnen aus der Zeit der Antike bis zur Gegenwart veröffentlicht. "Zwischen Glück und Freiheit" heißt das Buch, das sie stolz präsentierten, denn herausgegeben hat es der wissenschaftliche Verlag Leibnitz-Bücherwarte.

Wohlgemerkt: Es sind Porträts über Frauen. "Gedanken über das gute Leben wurden in der Geschichte der Philosophie größtenteils nur von Philosophen überliefert. Philosophinnen spielten dagegen nur eine untergeordnete Rolle", schreibt Brüning von der Universität Hamburg in ihrem Vorwort.

Weswegen einer ihrer Beiträge auch Theano von Kroton gewidmet ist. Die erste Philosophin der Weltgeschichte war die Frau von Pythagoras, dem Mathematiker und Philosophen. Mit dem Satz des Pythagoras muss sich noch heute jeder Schüler auseinandersetzen. Dabei äußerte sich Theano von Kroton damals schon zu so universellen Themen wie Lebensklugheit und Kindererziehung.

Viele Leser des Buches werden dieser Denkerin der Antike hier zum ersten Mal begegnen, aber auch so bekannten Philosophinnen wie Rosa Luxemburg, Hannah Arendt und Simone de Beauvoir sind Beiträge gewidmet.

In vielen der lesenswerten Porträts geht es um die Gleichberechtigung. Aber nicht nur um die der Frauen. Kursus-Teilnehmerin Gudrun Beckmann hat sich mit Olympe de Gouges beschäftigt. "Bei ihr stehen nicht nur die Frauen im Vordergrund, sie hat sich für eine wirkliche Gleichberechtigung von Frau und Mann, für eine Harmonie der Gesellschaft eingesetzt. Und um gleiches Erbrecht beispielsweise. Themen, die heute noch aktuell sind", berichtete Beckmann.

Auch den Philosophinnen der Gegenwart widmet sich das Buch. Teilnehmerin Simone Blume-Dold, die zudem außergewöhnliche Zeichnungen zum Buch beigesteuert hat, beschäftigte sich mit Martha C. Nussbaum. Die Wissenschaftlerin aus Chicago, die den Wahlkampf von Barack Obama unterstützte, hat zehn Grundfähigkeiten formuliert, die für ein gutes Leben nötig sind.

Als wichtige Vorläuferin des arabischen Frühlings kann die Menschenrechtlerin Nawal El Saadawi angesehen werden. Mit ihr hat sich Karl-Heinz Hackel beschäftigt, der einzige Mann im Seminar. Er sei fasziniert von dieser Frau, weil sie die Welt zum Denken auffordere.

Wie auch die anderen engagierten Teilnehmer hat Hackel ein Jahr lang geforscht. "Viele Bücher gab es nur auf Englisch", berichtet er. Das Internet sei ihm eine Hilfe gewesen, wenn auch die Website von El Saadawi auf Arabisch sei.

Viel Lob gab es nach der Präsentation von Brüning. Ihr Fazit: "Nicht nur an der Uni, sondern auch an der VHS kann man forschen. Wenn Spaß und Interesse bestehen." Das Buch zum Preis von 15 Euro gibt es bei Theophil, Klöngasse.

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