Insolvenzverfahren : Personalabbau bei Paracelsus Klinik in Henstedt-Ulzburg absehbar

Der Klinikkonzern ist in Schieflage geraten. Der Standort in Henstedt-Ulzburg könnte verkleinert werden.

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26. Januar 2018, 19:14 Uhr

Henstedt-Ulzburg | Die rund 440 Beschäftigten der Paracelsus Klinik in Henstedt-Ulzburg (Kreis-Segeberg) müssen sich auf einen Personalabbau einstellen. Der in einem Insolvenzverfahren stehende Klinikkonzern mit 40 Einrichtungen an 23 Standorten in Deutschland werde sein Personal von etwa 5200 Mitarbeitern reduzieren, sagte Reinhard Wichels, Generalbevollmächtigter von Paracelsus, am Freitag in Henstedt-Ulzburg nach einer Betriebsversammlung.

Die Paracelsus-Klinik Henstedt-Ulzburg hat 184 Betten. Jährlich werden dort etwa 10.000 Patienten stationär behandelt. Die Einrichtung soll, wie die Gewerkschaft Verdi und der Marburger Bund unter Berufung auf Unternehmensangaben berichteten, in der Vergangenheit rote Zahlen geschrieben haben. Vor etwa drei Jahren hatte der Paracelsus-Konzern vergeblich versucht, die Klinik in Henstedt-Ulzburg zu verkaufen.

Die Größenordnung des Abbaus konzernweit und auch in Henstedt-Ulzburg sei noch offen. „Wir müssen die Einnahmeseite stärken, aber auch kostenbewusster werden.“ Für den Konzern besteht laut Wichels „die reale Chance“, einen neuen Träger, also einen neuen Eigentümer, zu finden. Darüber müsse die Gesellschafterversammlung entscheiden. Er setze darauf, dass der Konzern als Gruppe erhalten bleibe und damit auch die Struktur von Krankenhäusern zur medizinischen Akut-Behandlung und Kliniken im Reha-Bereich. „Wir müssen die Einnahmeseite stärken, aber auch kostenbewusster werden“, so Wichels.

Die Paracelsus Klinik in Henstedt Ulzburg werde erhalten bleiben. Es sei aber offen, ob Abteilungen verkleinert oder geschlossen und andere Bereiche ausgebaut würden, sagte Wichels. Auf der Betriebsversammlung seien Neugierde und Aufgeregtheit spürbar gewesen. Man habe möglichst viele Fragen beantworten wollen.

Zweiter Standort auf Helgoland

Auch der zweite schleswig-holsteinische Paracelsus-Standort auf Helgoland mit 55 Mitarbeitern werde erhalten bleiben, sagte Wichels. In einigen Wochen soll das Sanierungskonzept für den Gesamtkonzern mit Sitz in Osnabrück vorliegen.

Die Paracelsus-Kliniken hatten am 21. Dezember beim Amtsgericht Osnabrück wegen Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Der Klinikkonzern sei in Schieflage geraten, nachdem einzelne Standorte erhebliche Verluste schrieben, hieß es damals.

Die Beschäftigten in Henstedt-Ulzburg warten laut Verdi und Marburger Bund noch auf bisher nicht gezahlte Gehaltsbestandteile – Weihnachtsgeld für das nichtärztliche Personal und Bereitschaftsdienstgelder von November und Oktober für Ärzte. Das normale Gehalt ist drei Monate lang durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert.

Die Paracelsus-Klinik auf Helgoland verfügt für die Akut-Versorgung über ein chirurgisches Bett sowie drei Betten in der Inneren Medizin. Der Krankenhausträger betreibt zudem 30 Betten für die neurologische Frührehabilitation. In der Klinik auf Helgoland werden jährlich rund 250 Patienten akut-stationär versorgt, weitere 290 Patienten in der neurologischen Frührehabilitation.

Durch den ersten Monat nach Beantragung des Insolvenzverfahrens sei Paracelsus ganz gut gekommen, sagte Wichels. Es gelte das Vertrauen der Mitarbeiter und der Patienten weiterhin zu erhalten. Die nächsten Monate dürften noch eine schwierige Zeit werden, aber in einem halben Jahr werde der Klinikkonzern „in guter Verfassung“ dastehen.

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