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Flaschenpost : Oliver Lücks Ostsee ist eine Postsee

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Autor aus Henstedt-Ulzburg stellte in der Quickborner Stadtbücherei sein Buch „Flaschenpostgeschichten“ vor.

Quickborn | Es ist eher selten, dass eine Lesung von Meeresrauschen und Möwengeschrei begleitet wird, doch umso schöner ist es, wenn beides die Geschichten aus dem Buch „Flaschenpostgeschichten“ des Autors Oliver Lück begleitet. Jetzt las der in Henstedt-Ulzburg lebende Autor aus dem Buch in der Quickborner Stadtbücherei vor und amüsierte sein begeistertes Publikum mit geschichten rund um das Meer, Sehnsüchte und natürlich Flaschen. Aber das Wichtigste hinter all seinen Geschichten sind die Menschen.

Einer von diesen Menschen hinter den Flaschenpostgeschichten ist Biruta Kerve aus Lettland, und „mit ihr fing Alles an“. Lück las zuerst die Geschichte „Ostsee ist Postsee“, in der er berichtet, wie er am 20.  Juni 2008 mit seinem VW Bus von Land zu Land fuhr und in Lettland auf Biruta Kerve traf. Sie hatte reichlich Flaschenpost gefunden, darunter Briefe von Kindern, die meisten von Erwachsenen. Eine Nachricht kam von Thomas aus Sassnitz, dessen Leidenschaft das Versenden von Flaschenpost ist.

Lück lernte einen Meeresbiologen aus der Ukraine kennen, eine holländische Lehrerin, die mit ihrer Schulklasse eine Flaschenpost auf den Weg brachte. „Ein roter Faden spann sich durch die Ostsee – ein soziales Netzwerk gewissermaßen“, erklärte Lück augenzwinkernd und ergänzte: „Flaschenpost wirkt in modernen Zeiten wie etwas Uraltes aus einer anderen Zeit.“ Während der Henstedt-Ulzburger seine Geschichten vorlas, berichtete er auch von den acht Jahren, die zwischen der Idee und der Fertigstellung des Buchs lagen. Allein zweieinhalb Jahre brauchte er für Recherche und Schreibarbeit.

Das Meer wird zum Postboten

Dann las Lück die Geschichte „Die Briefe der Biruta Kerve“, die Frau, mit der alles begann. „Aus allem, was sie fand, wurde etwas gemacht.“ Das Meer als Postbote. Ein stilles Leben in Farbe. Als ihr Mann Juri starb, sammelte Biruta aus Nidda weiter, was das Meer ihr an Land spülte. Lück zuzuhören bedeutete, Nidda mit Biruta und ihrem Schatz, den 35 Briefen, lebendig werden zu lassen.

Man merkt Lück die Nähe zu seinen Protagonisten an, die er schon oft besucht hat. Wie etwa Arne mit der roten Mütze, den er in der Geschichte „Herr Arnes Schatz“ verewigt hat. Arne Nordström ist ein Fischer aus Schweden, der allein auf Ungskär lebt, einer kleinen Insel mitten im Nirgendwo mit 40 Holzhäusern. Sechs Katzen leisten Arne Gesellschaft. Und auch er sammelt Flaschenpost, wohl 100 Briefe fand er im Lauf der Jahre.

Eine Seekarte gehört zu jeder Flaschenpost

Zu jeder Flaschenpostgeschichte in Lücks Buch gehört eine Seekarte. Wind, Seegang und Strömung sind die Einflussfaktoren auf die Bewegung einer Flasche, erfahren die Besucher an diesem Abend. Fröhlichkeit, Hoffnung und Melancholie sind die Zutaten für den Inhalt. In „Der Flaschenpostautomat“ zum Beispiel geht es darum, wie Lück auf die Idee kam, einen Flaschenpostautomaten zu kaufen. Er muss ans Meer, der Flaschenenpostautomat, sagte sich Lück, und besorgte sich für 500 Euro den Kaltgetränkeautomaten „FK 260“, versah diesen mit dem Aufkleber „Aladin“ und kaufte 100 Flaschen aus Glas, Bleistifte, Briefbögen. „Ich stellte ihn ans Meer, im Nachhinein keine gute Idee. Nicht jeder wusste damit etwas anzufangen.“ Dann kamen die Sender, wie etwa der NDR, und wollten den Automaten für Drehzwecke, also Reportagen, haben.

Eine andere Geschichte handelt von Konrad Fischer und der angeblich ältesten Flaschenpost der Welt. Darin geht es um eine Buddel, die „wohl zwei Weltkriege“ überstanden hat. „Konrad zog den Inhalt mit einer Briefklammer heraus. Das war im Mai 1913“ las Oliver Lück vor. Es war ein Vergnügen, ihm zuzuhören, wie er von Richard Platz erzählt, dem reisenden Schriftsteller und Verfasser dieser alten Flaschenpost. „Es wäre schön, wenn du mir schreibst, mit Grüßen aus dem Jenseits“ ist am Ende der Lesung das Video zum Titel „Blinken am Horizont“ von Niels Frevert zu sehen. Auch hier ist der Hauptdarsteller das Meer.

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erstellt am 16.Mai.2017 | 16:00 Uhr

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