zur Navigation springen

Demo in Quickborn : Ohne Bauantrag keine Privatschule

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

150 Eltern und Kinder von drei Quickborner Schulen demonstrieren vor der Ratsversammlung. Bürgermeister sieht Träger in der Pflicht.

Quickborn | Henning Meyn hatte alle Hände voll zu tun, bevor er die Quickborner Ratsversammlung am Montagabend eröffnete. „So eine gut besuchte Einwohnerfragestunde haben wir wohl noch nie gehabt“, sagte der Bürgervorsteher angesichts der bis auf den letzten Platz und darüber hinaus besetzten Mensa der Comenius-Schule.

Etwa 150 Eltern und Kinder der Johanniter-Schule, der Freien Gemeinschaftsschule (FGS) und der Goetheschule waren gekommen, um ihre Sorgen vor Politik und Verwaltung zum Ausdruck zu bringen. Zuvor hatten sie mit Plakaten und Transparenten demonstriert – für den Erhalt der Privatschule sowie die Sanierung der Goetheschule.

Die Container auf dem Gelände am Justus-von-Liebig-Ring, in denen die Privatschule derzeit untergebracht ist, muss diese bis zum 31. Juli räumen. „Wie werden Sie, Herr Köppl, unsere Schule weiter unterstützen?“, richtete Anna Graf, Vorsitzende des Johanniter-Schulvereins, ihre erste Frage direkt an Bürgermeister Thomas Köppl (CDU). „Wie bisher auch“, antwortete der Rathauschef und nahm die Anerkannte Schulgesellschaft (ASG) mbh in die Pflicht: „Allerdings muss der Träger, die ASG, das Seinige dazu tun.“ Konkret bedeute dies: einen Bauantrag für eine neue Schule auf dem erworbenen Grundstück südlich der Malchower Brücke zu stellen. Denn: „Ich kann über keinen Antrag entscheiden, der nicht vorliegt“, sagte Köppl.

Dies bestätigte auch Friederike Lattmann, Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung und Umwelt, gestern auf Nachfrage: „Der Stadt liegt definitiv kein Bauantrag vor, weder für eine neue Schule noch für eine provisorische Containerschule.“ Auch beim Fachdienst Planen und Bauen der Kreisverwaltung war bis gestern noch kein entsprechendes Schriftstück eingegangen. „Der Bauantrag ist uns angekündigt worden, liegt aber noch nicht vor“, erklärte Kreissprecher Oliver Carstens im Gespräch mit dieser Zeitung.

Eine Containerschule am neuen Standort würde die kurzfristige Lösung bedeuten – und angesichts des Ende August beginnenden Schuljahres 2015/2016 wohl die einzig praktikable. Ob die Container gesundheitlich unbedenklich seien, ließ Köppl in der Ratsversammlung jedoch dahingestellt. Mehrfach bezog sich der Bürgermeister im Verlauf der Einwohnerfragestunde auf ein Lärmschutzgutachten der Stadt für das von der ASG erworbene Grundstück. Demnach herrsche dort „eine erschreckende Lärmbelästigung“, so Köppl. Renate Hegemann vom Fachbereich Stadtentwicklung und Umwelt führte aus, dass das Gutachten auf Basis des von AKN-Trasse, Malchower Brücke und Justus-von-Liebig-Ring ausgehenden Verkehrslärms einen Messwert „von 60 bis 70 dB(A)“ ergeben habe.

Für Schulen seien allerdings höchstens 57 dB(A) als Richtwert angesetzt. „Eine Schule würde an dieser Stelle niemand bauen. Aber das ist eine Entscheidung des Trägers“, sagte Köppl. „Wenn man sein Kind diesem Lärm aussetzen will, kann ich dazu nichts mehr sagen.“ Angesichts der dringlichen Standortsuche tauchte in der Elternschaft die Frage nach einer Übergangslösung auf, beispielsweise in den Räumen der Ernst-Barlach-Schule. Doch Hoffnung konnte Köppl nicht machen: „Das Raumangebot der Ernst-Barlach-Schule ist bei weitem nicht ausreichend, um Ihre Schule dort unterzubringen.“ Katrin Schönebein für die CDU und Annabell Krämer für die FDP versicherten, mit ihren Fraktionen die Belange der FGS zu unterstützen. Doch dafür muss erst einmal ein Bauantrag gestellt werden. „Wie dann angesichts des Lärmschutzgutachtens darüber entschieden wird, muss gründlichst geprüft werden“, sagte Kreissprecher Carstens. ASG-Geschäftsführer Elmar Süß war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der weitaus kürzere Teil der insgesamt etwa 70-minütigen Einwohnerfragestunde gehörte der Goetheschule, deren Fragen von den Fraktionen schriftlich beantwortet werdden sollen.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 29.Apr.2015 | 12:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen