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Quickborner Tageblatt

21. August 2017 | 04:59 Uhr

Quickborn : „Öko-Pastor“ sagt Tschüs

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Konflikte mit dem konservativen Kirchenvorstand waren keine Seltenheit: Am Sonntag wird Thomas Meyer verabschiedet.

Wenn Pastor Thomas Meyer (51) redet, klingt seine Stimme sanftmütig. Nie erhebt er laut die Stimme. Doch der sympathische Geistliche ist deshalb noch lange kein Mensch, der sich verbiegen lässt. „Denn ich war und bin ja ein Pastor mit Ecken und Kanten, mit klaren Ansichten, deutlich in der Ansprache und widerständig, wenn es mein Verständnis des Evangeliums und der Weisungen Gottes erfordern. Das führte immer wieder zu Konflikten“, schreibt er im aktuellen Gemeindebrief, in dem er Abschied von seinem Schäfchen nimmt. Morgen wird er von Propst Thomas Drope verabschiedet.

Meyer verlässt die Quickborner evangelische Gemeinde freiwillig. Er zieht jedoch einen Schlussstrich unter ein betrübliches Kapitel. Der konservative Kirchenvorstand und der Pastor, der gern barfuß im Himmelmoor mit seinem Hund spazieren geht und mit grünem Gedankengut sympathisiert – das hat immer wieder zu den erwähnten Konflikten mit dem Kirchenvorstand geführt. Fast elf Jahre lang ging das gut.

Meyer, geboren in Weddel bei Braunschweig, begann seine Arbeit in Quickborn am 14. Dezember 2002. Dann der Super-Gau in Japan: In gleich drei Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi kam es nach dem schweren Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März 2011 zur Kernschmelze. Radioaktive Stoffe wurden in großen Mengen frei.

Pastor Meyer, der in Berlin Theologie studierte, zeigte Flagge und rief die Mahnwachen vor dem Quickborner Forum ins Leben. Jeden Montag traf er sich mit Gleichgesinnten, um gegen Atomkraft zu protestieren. „Eineinhalb Jahre lang“, erinnert sich Meyer, der durch seine Aktion kreisweit auf sich aufmerksam machte. Sein Engagement begründet er „mit der Bewahrung der Schöpfung“, so wie es in der Bibel stehe.

Meyer betont, dass die Konflikte nicht auf dem Rücken der Gemeindeglieder ausgetragen wurden. Das halte er dem Kirchenvorstand zugute. Nur die Unterstützung für seine Arbeit fehlte, bedauerte er.

Davon hat er sich nicht beirren lassen. Meyer hat in den vergangenen Jahren eine Menge auf die Beine gestellt: Stolz ist er auf die Kinderkirche, die jetzt bei der Diakonin in guten Händen liege. Im Eulenring hat Meyer sich auch engagiert: „Ich hoffe, dass die Arbeit weitergeht, so dass der Weihnachtsmarkt seinen festen Platz rund um die Kirche behält.“ Die Arbeit mit den Konfirmanden war ihm sehr wichtig. Kinder- und Jugendarbeit – das wird bei Meyer großgeschrieben – weswegen ihn das Kinderhilfswerk in den Vorstand berief. „Eine große Ehre“, sagt Meyer.

Nun heißt es Umzugskartons packen. Meyer hat bereits eine neue Stelle: Er wird Pastor der Kirchengemeinde von Schlamersdorf – ein Ort, der 15 Kilometer von Bad Segeberg entfernt liegt. Ärger braucht er dort wohl nicht zu befürchten. Im Kirchengemeinderat sitzt Peter Stoltenberg – der Landesvorsitzende der Grünen. „Die Gemeinde ist sehr offen und herzlich“, freut sich Meyer. Oder um ein russisches Sprichwort zu zitieren: „Wenn Gott eine Tür schließt, öffnet er eine andere.“

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erstellt am 14.Sep.2013 | 12:00 Uhr

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