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Quickborn : Oberstleutnant a.D und Schüler debattieren über Humanität als Waffe

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Quickborner Schüler diskutieren mit Oberstleutnant Ulrich Scholz über die Luftangriffe gegen den IS.

von
erstellt am 20.Nov.2015 | 00:36 Uhr

Quickborn | Nach den Anschlägen in Paris hat die französische Luftwaffe angefangen massive Angriffe auf Stellungen der IS-Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Al-Rakka und im Umland der Stadt zu fliegen. Der Vortrag „Mythos ‚Air Power‘ - Kann man durch Bombardements Kriege gewinnen?“, den Ulrich Scholz, Oberstleutnant a.D. der Luftwaffe, am Mittwoch vor Schülern und Lehrern des Elsensee-Gymnasiums hielt, hatte darum gleich noch mehr Brisanz.

„Glaubt ihr, dass die internationale Gemeinschaft IS mit Bomben stoppen sollte?“, fragte Scholz nachdem er einen umfassenden Überblick über die Entwicklung der Luftwaffe gegeben hatte und erläutert hatte, dass der Einsatz des Militärs immer auf die vier Fragen „Wozu, wie, was, und wieviel“ beantworten müsste. Jeden Tag würden unbeteiligte Menschen durch die Bomben gegen den Terror getötet werden. Es sei eine Frage der Ethik und Moral, ob dies vertretbar sei. Kurze Zeit später waren die Schüler und er in ein Gespräch über Ethik und kulturelle Werte vertieft. Ein Einsatz von Landstreitkräften sei problematisch, schließlich, so ein Schüler, „würden dabei ‚eigene‘ Menschen drauf gehen“. Das Hauptproblem, so ein anderer, sei jedoch: „Wenn man mit Gewalt antwortet, werden die das nutzen.“ Eine Schülerin stimmte zu: „IS sagt schließlich: ‚Paris war eine Reaktion auf die Bombardements.‘“

Knapp 1,5 Stunden diskutierten die Jugendlichen und Scholz. Immer wieder probierte er sie mit plakativen Forderungen aus der Reserve zu locken. „Wir werden die Probleme nicht von außen regeln können. Würden wir das mitmachen, wenn die deutsche Panzerdivision mit in den Krieg gegen IS genommen würden?“, fragte Scholz. „Das Problem ist doch, dass wenn man jemandem auf dem Landweg schickt, dass die Wahrscheinlichkeit dort zu sterben höher ist als in einem Flugzeug“, sagte ein Schüler. Ein anderer Schüler warnte davor die westlichen Werte verbreiten zu wollen: „Einfach etwas aufzuzwingen ist nicht richtig.“

Ein Patentlösung gegen den Terror des IS hatte Scholz nicht, probierte jedoch Denkanstöße in viele Richtungen zu geben. „Die Lösung liegt vielleicht ganz woanders, der damalige norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg sagte zum dem Attentäter Breivink: Unsere stärkste Kraft ist die Humanität“, sagte Scholz. Warum solle man dann nicht auf Humanität im Kampf gegen den Terror setzen, fragte er die Schüler. Eine Lehrerin hielt dagegen: „IS-Terroristen wollen keinen Frieden.“

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