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Quickborner Tageblatt

17. Oktober 2017 | 03:15 Uhr

Bönningstedter Posse : Niemand auf der Leiter

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Schaulaufen für die Politik: Bönningstedts Brandschützer stellten eine alte Leiter auf - nur besteigen wollte sie keiner der Retter.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2013 | 16:00 Uhr

Die Alarmierung der Bönningstedter Freiwilligen Feuerwehr erfolgte um 20.04 Uhr, sieben Minuten später traf das erste Löschfahrzeug in der Ellerbeker Straße ein. An der Anhängerkupplung: Die Leiter - und der eigentliche Grund dieser Übung. Seit Jahren tobt um diese ein heftiger Streit (siehe Infokasten unten).

„Der Bürgermeister wird beauftragt, mit der Freiwilligen Feuerwehr Bönningstedt einen Termin für eine Übung mit der Anhängeleiter am Gebäude Ellerbeker Straße/ Ecke Kieler Straße auszumachen. Schwerpunkt der Übung soll eine Personenrettung aus dem Obergeschoss sein“, heißt es im Antrag, den die SPD-Fraktion im Bauausschuss am 12. Juni zur Abstimmung stellte.

Die Mehrheit der Politiker sprach sich für diese Übung aus, am vergangenen Dienstagabend schließlich war es soweit. Zahlreiche Gemeindevertreter und Anwohner beobachteten, wie die Leiter zum Gebäude geschoben und in Position gebracht wurde. Gerade einmal fünf Minuten dauerte es vom Eintreffen der Wehr, bis das Rettungsgerät in der richtigen Position am Haus lehnte.

Dann die Enttäuschung: Niemand stieg die Leiter hoch, um einen Statisten zu retten. Dabei heißt es in der Begründung des Antrags der SPD-Fraktion ausdrücklich: „Bei der Übung müssen unterschiedlich schwere Menschen und unterschiedlichen Alters gerettet werden.“

„Wir wollten sehen, ob diese Leiter eine sinnvolle Einrichtung ist“, sagte Willi Werner (SPD) nach der Übung und fügte hinzu: „Ein fester zweiter Fluchtweg ist die einzig vernünftige Lösung, die Leiter ist keine brauchbare Alternative.“ Eine andere Frage sei, wer dies bezahlen müsse, so Werner weiter.

Das sah Bürgermeister Peter Liske (BWG) ähnlich: „Wir müssen das Problem da lösen, wo es entsteht: am Haus.“ Die Frage sei nur, wer die Kosten tragen müsse. Einig waren sich die beiden Politiker darin, dass sie mit der Schnelligkeit und der Leistung der Feuerwehr „sehr zufrieden“ waren.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Resy de Ruijsscher sah in der Übung die Bestätigung dafür, dass die Leiter „keine Lösung“ ist. „Wenn die Bereitschaft nicht da ist, zur Übung einer Personenrettung diese Leiter hochzuklettern, ist das Gerät kein geeigneter Brandschutz“, stellte sie fest.

CDU-Politiker Rolf Lammert sah den Auftrag als „nicht erfüllt“ an. „Eine ernsthafte Übung sieht anders aus – dass die Leiter ausgezogen werden kann und optisch funktionsfähig ist, hätte man auch an der Feuerwache feststellen können“, sagte er.

In der schriftlichen Stellungnahme des Bönningstedter Wehrführers Jens Peter Saathoff heißt es zum Erfolg der Übung : „ Einsatztaktisch zur Bereitstellung des geforderten zweiten Rettungsweges und den daraus entstehenden Vorgaben ist die Übung nicht zu beanstanden.“ Eine Personenrettung sei nach dem Aufstellen der Leiter aus theoretischer Sicht ohne Weiteres möglich gewesen. Aber: „Aus Sicherheitsaspekten war die Durchführung einer Personenrettung über die Leiter nicht angezeigt“, heißt es weiter. Eine Antwort auf die Frage, welche Lösung die Feuerwehr für optimal halte, mochte Saathoff indes nicht geben: „Der Gesamtvorgang ist nicht abgeschlossen“, so die Begründung des Wehrführers. 

Infokasten
Der Streit um die Leiter

Die  Baugenehmigung  vom 16. März 1992 für das Gebäudes Ellerbeker Straße 6-8 war mit der Auflage verbunden, einen zweiten Flucht- und Rettungsweg zu schaffen. Daraufhin stellte der Bauherr der Bönningstedter Feuerwehr die Anhängeleiter zur Verfügung (Kosten: ca. 50000 DM). Die Unterbringung in der Fahrzeughalle wurde etwa zehn Jahre später von der Feuerwehrunfallkasse wegen Verletzungsgefahr bemängelt. Seitdem steht die Leiter unter einer Plane im Freien. Ein Antrag der Feuerwehr auf Erweiterung der Fahrzeughalle , um einen Stellplatz zu schaffen (Kosten: 125000 Euro), wurde im November 2011 erst abgelehnt, als bereits 20000 Euro für Planungskosten ausgegeben worden waren. Die Leiter steht weiterhin im Freien.

Darüber hinaus ist ein Streit über die Kosten für eine Ersatzbeschaffung entbrannt. Eine Anfrage beim Kreisbauamt wurde so beantwortet: „Die Auflage ‚Beschaffung und Bereitstellung eines Rettungsgeräts‘ kann dauerhaft durchgesetzt werden (...).“ Damit steht der Bauherr (beziehungsweise die Besitzer der Eigentumswohnungen als Rechtsnachfolger) in der Pflicht.



 

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