Quickborn hinter sich lassen : Neues Leben am indischen Ozean

Lieder und Bilder als Erinnerung: Earline und Michael Voss kehren Quickborn den Rücken und ziehen nach Sri Lanka.
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Lieder und Bilder als Erinnerung: Earline und Michael Voss kehren Quickborn den Rücken und ziehen nach Sri Lanka.

Earline Voss aus Sri Lanka und ihr Mann Michael verlassen Quickborn. Sie wollen ein neues Leben beginnen.

shz.de von
28. Juli 2015, 14:30 Uhr

Quickborn | Einst folgte Earline ihrem Michael nach Hamburg und Quickborn, 33 Jahre später zieht es das Ehepaar Voss nach Sri Lanka. Dass sie sich überhaupt fanden, liegt daran, dass der Inselstaat im Indischen Ozean auch vor drei Jahrzehnten bereits ein beliebtes Touristenziel darstellte.

Auf Drängen eines Kollegen besuchte der damalige Bahnangestellte Michael Voss den Ort Negombo an der Westküste. „Du wirst begeistert sein von dem Land und der Familie, die ich schon seit Jahren kenne“, hatte der Freund geschwärmt – und nicht zu viel versprochen: Während des Urlaubs lernte der gebürtige Hamburger seine spätere Frau Earline kennen, eine ausgebildete Krankenschwester, die in einem koreanischen Großbetrieb für die Erste Hilfe zuständig war. Schon bei der Abreise gestand er: „Ich möchte dich heiraten, komm zu mir nach Deutschland.“

Aber Earline brauchte Bedenkzeit, um sich von Familie und Beruf zu lösen. „Aus drei Monaten sind schließlich 33 Jahre in Deutschland geworden“, erzählt Earline lachend. Der Anfang in Hamburg sei schwierig gewesen für Earline, die sich nur auf englisch verständigen konnte. Um wieder arbeiten zu können, besuchte sie einen Deutschkursus.

Nach der Hochzeit am 20. Mai 1983 zog das Paar nach Quickborn. Earline arbeitete nach einer dreijährigen Ausbildung zur Altenpflegerin in verschiedenen Einrichtungen. „27 harte Jahre“, erinnert sie sich. Denn neben ihrem Job war sie ehrenamtlich im Frauenkreis der katholischen Kirchengemeinde aktiv, unterstützte Veranstaltungen und Hilfsprojekte.

Sozial engagiert

Ab 2001 engagierte sie sich auch beim Deutschen Roten Kreuz (DRK), zunächst in der Behindertengruppe, half aber auch in der Kleiderkammer, bei Senioren-Nachmittagen und Blutspende-Terminen mit. Ausgleich und Freude bot ihr der Kirchenchor „Canteluja“. Auch ihr Mann Michael fand in beiden Organisationen eine wichtige Rolle als ehrenamtlicher Helfer: beim DRK als Senioren-Fahrer und Helfer bei Ausfahrten, bei der Kirche als Fußballtrainer einer Jugendmannschaft.

Als im Dezember 2004 der Tsunami Earlines Heimat und die Welt erschütterte, unterstützen beide das Hilfsprojekt der katholischen Kirche für eine Schule und Fischernetze in Sri Lanka unterstützt. „Wir waren selbst vor Ort und haben die Formalitäten für das Hilfsprojekt geregelt“, berichten Earline und Michael, die sich auch beim Verein „Quickbonr hilft“ einbrachten.

Inzwischen sind die aktiven Quickborner Rentner. „,Wo wollen wir leben?‘, war noch vor einigen Monaten die spannende Frage“, erzählte Michael Voss, der zuletzt als Lkw-Fahrer arbeitete. „Ich liebe nicht nur meine tüchtige Frau, sondern auch ihr Land und ihre große Familie.“ Doch Earline tat sich schwer: „Ich wäre gern in Quickborn geblieben, wo ich so viele nette Menschen kenne und mir alles so vertraut ist.“ Kein Wunder, dass ihr die Abschiedsfeiern des Frauenchors und -kreises nahegegingen. Zur Erinnerung bekam sie eine Liedersammlung und vom DRK eine Bilder-CD. Am Mittwoch hebt das Paar nach Sri Lanka ab. Aber bekanntlich geht man ja niemals so ganz.

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