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Quickborner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 01:24 Uhr

Quickborn : Neuer Friedhofsverwalter

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Friedhofsverwalter Werner Heilmann geht nach 44 Jahren in den Ruhestand. Peter Dienstbier wird sein Nachfolger.

von
erstellt am 23.Aug.2014 | 10:00 Uhr

Quickborn | Einmal war sogar ein Imam auf dem Heidefriedhof der evangelischen Kirchengemeinde Quickborn-Heide, wo in der Regel Menschen evangelischen und katholischen Glaubens begraben werden. Damals war ein junger Muslim gestorben. „Mit dem Kompass legte der Imam die Ausrichtung des Grabs in die richtige Himmelsrichtung fest“, erinnert sich Friedhofsverwalter Werner Heilmann (64). Nach 44 Jahren geht er nun in den Ruhestand. Gleichzeitig hört auch seine Frau Margrid (63) auf, die 40 Jahre lang für die Reinigung der Friedhofskapelle zuständig war.

Der gelernte Gärtnermeister Werner Heilmann war Friedhofsverwalter aus Passion, wie er gesteht. Und er steht in einer familiären Tradition: Schon sein Vater, Rolf Heilmann, prägte das Bild der Quickborner Friedhöfe 40 Jahre lang – auch auf dem Kirchenfriedhof an der Marienkirche in der Innenstadt und dem Nordfriedhof schaute er nach dem Rechten. Die Ruhefrist der zwei Friedhöfe, die von der Friedhofsverwaltung noch mitgepflegt werden müssen, läuft 2023 ab. Was dann mit diesen beiden Friedhöfen geschehen soll, wird derzeit noch besprochen.

Der Beruf des Friedhofsverwalters ist ein Full-Time-Job, zumal der sieben Hektar große, sehr gepflegte Heidefriedhof am Harksheider Weg eine Monopolstellung hat, da er das ganze Umland bedient. Etwa 200 Menschen werden dort jedes Jahr begraben.

Zwar liege der Schwerpunkt der Arbeit bei der Gärtnerei, doch es komme noch einiges mehr hinzu. „Alles, was so auf einem Friedhof anfällt“, so Heilmann. Das ist eine Menge: die Durchführung von Beisetzungen, die Herrichtung und Unterhaltung der gärtnerischen Anlagen auch außerhalb der Grabstellen, die Unterhaltung der Friedhofsgebäude, der Brunnen und der Wege auf den Friedhöfen, die Annahme von Pflege- und Stiftungsverträgen und die Bearbeitung von Um- und Ausbettungsanträgen – all das gehört zum Aufgabenfeld. Dass man das allein nicht schaffen kann, versteht sich von selbst: Acht Mitarbeiter kümmern sich um die Pflege. Für das Ausheben der Gräber greift das Team auf einen kleinen Bagger zurück.

„Herr Heilmann hat sich weitergebildet, um das Kaufmännische machen zu können“, sagt Kirchenvorstandsvorsitzender Hartmut Ermes. Auch das gehört zum Berufsbild.

Manchmal waren es Blumen-Diebstähle von Gräbern, mit denen sich Heilmann auch befassen musste. Gerade bei neuen Gräbern und zur Pflanzzeit. Wenn eine Grabstätte nicht mehr von den Angehörigen gepflegt wird, müssen diese angeschrieben und aufgefordert werden, die Ruhestätte unkrautfrei zu halten.

Für sehr wichtig hält der scheidende Friedhofsverwalter das Gespräch mit den Angehörigen: „Man kann den trauernden Menschen von unserer Seite viel geben. Und es kommt auch viel an Dankbarkeit zurück“, sagt Heilmann. Man begleite die Angehörigen über Jahre. „Man braucht viel Einfühlungsvermögen“, sagt Ermes.

Heilmanns Nachfolger wird Peter Dienstbier, der bereits 24 Jahre lang sein Stellvertreter war. Auch er ist Gärtnermeister. Auf die Frage, ob seiner Arbeit nicht etwas Morbides anhafte – bei Umgrabungen kann es passieren, dass man auf Leichenteile stößt – antwortet er lapidar: „Wer es ein halbes Jahr auf dem Friedhof ausgehalten hat, der bleibt dabei.“

Heilmann, Dienstbier und Ermes haben unterdessen einen neuen Trend feststellen können: Von den 200 Bestattungen jährlich sind bereits 65 Prozent Urnenbegräbnisse. „Es ist ein Kulturwandel“, sagt Ermes. Es könnte aber auch eine Frage des Geldes sein: Eine Urnenbestattung kostet 1555 Euro für 20 Jahre, die Erdbestattung 2700 Euro für 25 Jahre. Denn nicht mal der Tod ist umsonst.

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