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Quickborn : Neue Ausstellung der Geschichtswerkstatt in der Stadtbücherei

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Kieler Straße: Was die Hobby-Historiker um Irene Lühdorff antreibt.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2015 | 16:00 Uhr

Quickborn | Es ist Sommer. Die Blumen blühen, es duftet nach frisch gekochtem Kaffee. Auf dem Tisch vor ihr steht ein Stück Kuchen. Irene Lühdorff ist in Gedanken ganz weit weg. Sie sitzt hinter dem Schützenhof, ehemals an der Kieler Straße, und blickt ins Grüne. „Damals gab es Gartencafés, die auch Besucher aus Altona frequentierten“, erzählt sie. Dann kommt sie wieder im Hier und Jetzt an und blickt aus dem Fenster der Stadtbücherei an der Bahnhofstraße. „Früher hat man von hier aus den Kirchturm gesehen“, sagt sie. Lühdorff ist Hobby-Historikerin und Mitbegründerin der Geschichtswerkstatt. Sie wohnt seit 1979 in Quickborn. Seit 1991 ist sie auf Spurensuche in ihrer neuen Heimat.

Mit der Kieler Straße hat sich die Geschichtswerkstatt schon häufiger befasst, allerdings haben die Mitglieder nun Karten aus dem Jahr 1882 aufgetrieben, die sie seit Kurzem in der Stadtbücherei ausstellen. Sie stammen aus einem Buchprojekt, das derzeit vom Schleswig-Holsteinischen Heimatbund durchgeführt wird. „Wenn wir diese einfach an die Wand hängen, hat ja niemand etwas davon“, sagt Lühdorff. Die Karten haben sie um alte Fotografien, Erklärungen und neuen Straßennamen ergänzt, „um die Orientierung zu erleichtern“.

Die Chaussee Altona-Kiel, wie die Kieler Straße ab 1832 hieß, war die erste Kunst-straße in Schleswig-Holstein. Sie verband die beiden größten Städte im Herrschaftsgebiet des dänischen Königs, Kopenhagen und Altona. Sie verkürzte die Fahrzeit der Kutschen dank des festen Untergrunds und des geraden Verlaufs von 16 Stunden auf neun Stunden. „Die Straße ist in ihrer Bedeutung für Quickborn kaum zu unterschätzen“, sagt Lühdorff und fügt an: „Sie sorgte für die Erschließung des zuvor eher abgelegenen Ortes und das, was wir heute einen Bau-Boom nennen.“ Auf Tafeln werden vier Abschnitte der Chaussee auf Quickborner Gebiet vorgestellt: vom Elsensee im Süden bis zur Bilsener Brücke im Norden.

Ausstellungsbesucherin Gisela Rotermund ist sichtlich angetan von den alten Fotos. Sie beginnt zu erzählen, von der Zeit als sie noch ein Kind war. „Wir als Geschichtswerkstatt sammeln eben auch Erinnungen“, sagt Lühdorff. Das Archivieren spiele eine große Rolle. „Die Dokumente, die Menschen uns zur Verfügung stellen, verschwinden nicht einfach im Partykeller“, betont sie. Die Hobby-Historikerin liebt es, auf Spurensuche zu gehen. „Wenn man erst einmal anfängt, entdeckt man immer wieder etwas Neues“, sagt sie. Sie habe mit der Detektivarbeit begonnen, weil es Identität schaffe, etwas über den Heimatort zu wissen. „Damit man nicht fremd bleibt“, so die Zugezogene. Wer sich auf Zeitreise begeben möchte, hat noch bis zum 13. März während der Öffnungszeiten der Stadtbücherei die Gelegenheit dazu.

Die Geschichtswerkstatt ist ein Kursus der Volkshochschule (VHS) Quickborn. Die Mitglieder der Gruppe – zur Zeit sind es 18 Personen – recherchieren in der Geschichte Quickborns und archivieren Urkunden, Fotos und Zeitzeugenberichte. Die Hobby-Historiker treffen sich jeweils am dritten Dienstag eines Monats in der Zeit von 15 bis 17 Uhr in den Räumen der VHS im Forum, Bahnhofstraße 112. „ Wir freuen uns insbesondere über jüngere Interessierte“, sagt Irene Lühdorff.
Karte
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