Wetter : Nach dem Sturm vom Himmelfahrtstag dauern die Aufräumarbeiten in Quickborn weiter an

Die Folie und die Kunststoffplatten auf dem Gewächshaus von Karl Blaume wurden vom Hagel komplett zerstört. Sie schützten die gerade sprießenden Salatköpfe.
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Die Folie und die Kunststoffplatten auf dem Gewächshaus von Karl Blaume wurden vom Hagel komplett zerstört. Sie schützten die gerade sprießenden Salatköpfe.

Zerstörte Dachplatten und niedergewalzte Pflanzen – die Auswirkungen des Unwetters beschäftigen die Bürger weiterhin.

shz.de von
18. Mai 2018, 11:56 Uhr

Quickborn | Karl Blaume bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Und selbst eine Naturgewalt wie das Unwetter am vergangenen Himmelfahrtstag hat den 84-Jährigen nicht Angst und Schrecken versetzt. Aber er staunt noch immer, wenn er sich in Erinnerung ruft, was das Wasser und der Hagel in wenigen Stunden in seinem Garten und an dem Haus der Familie in der Tangstedter Straße anrichteten. „Wir haben anschließend zweieinhalb Tage lang nur aufgeräumt“, sagt er. Wir, das ist auch seine Frau Anita. Mit ihr zusammen bewirtschaftet der Landwirt im Ruhestand heute noch einen Gemüsegarten und hält Hühner.

Regen verwandelt Hof in reißenden Fluss

Das Federvieh hatte Glück, bekam nicht mehr als nasse Klauen. Das allerdings kräftig. „Der Regen hat unseren ganzen Hof und den Garten in Windeseile in einen reißenden Fluss verwandelt. Das kann man sich nicht vorstellen“, so Blaume. Das Wasser lief auch in den Hühnerstall und versetzte vor allem Ehefrau Rita in Alarmbereitschaft. „Da konnten wir nicht lange warten und sind sofort raus, um den Stall neu einzustreuen“, sagt sie.

Das Paar wird wohl nie vergessen, wie es anfing, nämlich mit dunklen Wolken, die sich immer mehr zusammenzogen, dem anfangs noch normalen Regen, der plötzlich immer heftiger wurde. „Und dann kam der Hagel. Die Körner waren mindestens so groß wie Fünf-Cent-Stücke und schlugen bei uns ins Dach des Wintergartens“, so Blaume. Die Kunststoffplatten seien hart und so ausgelegt, dass sie einen Menschen tragen könnten. „Jetzt ist da Loch neben Loch. Der Hagel hat wirklich alles zerfetzt und in kleinste Stücke gehauen.“

Bäume sehen aus wie gerupft

Und traf damit vor allem die Pflanzen, das Gemüse, das Obst, die Blumen. Davon wird sich die Natur in dieser Saison nicht mehr vollständig erholen, ist sich Blaume sicher. „Die Laubbäume sehen immer noch aus, als wären sie gerupft worden, und die Obstbäume standen in voller Blüte. Jetzt ist nichts mehr da.“ Äpfel, Pflaumen oder Quitten wird es in diesem Jahr für ihn nicht geben, meint er. Die Wassermassen, die durch den Garten rauschten, haben den Boden erst in eine Schlammwüste verwandelt und dann beim Trocknen eine harte Kruste hinterlassen. Jetzt muss er aufgelockert werden, damit die Saat eine Chance hat. „Die Kartoffeln haben sich inzwischen erholt und stehen ganz gut. Aber die Himbeeren sehen erbärmlich aus.“ Der Hagel hat auch sie zerfetzt.

Blaumes Sohn Thomas, der in Quickborn eine Versicherungsagentur betreibt, spricht sogar von eiswürfelgroßen Körnern. Sie knallten senkrecht auf den Boden und zerstörten Folien, Gartendeko und den robusten Klammerbeutel, der im elterlichen Garten an der Wäscheleine baumelte. „Der wurde kurz und klein geschlagen“, so Rita Blaume. Der Riesenhagel zerfetzte die Plane und die Kunststoffplatten, mit denen Blaume das Gewächshaus abgedeckt hatte, und nahm auch die Salatköpfe auseinander. Auf der Straße lag am Ende ein dicker Teppich aus frischen, zum Teil noch zarten Blättern. „Ich hab ja schon viel erlebt, Hitzeperioden und schneereiche Winter, aber diese Dimension ist neu“, sagt Blaume und ist im Nachhinein dankbar, dass es während des Unwetters vergleichsweise windstill war. „Dann wären die Hagelkörner auch in die Fensterscheiben geschlagen und der Schaden wäre noch viel größer gewesen.“

80 kaputte Platten

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnt Herbert Martens. „Wir haben 80 Lichtplatten aus Kunststoff auf dem Dach, jede etwa einen Quadratmeter groß. Die sind alle zerschlagen“, sagte er. Auch die Dachfenster sind hinüber. Aus einem Überlauf drückte das Wasser bei ihm in die Küche. „Wir konnten nur zugucken und nichts machen.“

Seit dem Unwetter hat Versicherungsfachmann Thomas Blaume alle Hände voll zu tun. „Wir bearbeiten derzeit etwa 100 Einzelschäden“, sagt er und bestätigt, dass das Gebiet westlich der Kieler Straße besonders hart getroffen worden ist. Die Verwüstungen erstreckten sich über eine Fläche von etwa sechs Quadratkilometern. „Ich bin jetzt 35 Jahre in der Branche, aber so etwas ist mir noch nicht untergekommen“, sagt er. Zur Schadenshöhe konnte er noch keine Angaben machen. „Wir tragen noch die Daten zusammen, aber eine Bagatellsumme wird das nicht.“

Wie berichtet, bescherte das Tief der Quickborner Feuerwehr am Himmelfahrtstag fast 100 Einsätze innerhalb von fünf Stunden. Tiefgaragen und Keller liefen voll, Straßen wurden überflutet, das Abwasser zurück in die Häuser und von dort auf die Straßen gedrückt. „Wegen des Hagels sahen die Straßen zwischendurch wie eine Winterlandschaft aus“, sagte Quickborns Feuerwehrsprecher Thorsten Wiehe. Unterstützt wurde die Quickborner Wehr durch die Kameraden aus Bilsen und Bönningstedt, den Hauptzug West der Kreis Pinneberger Feuerwehrbereitschaft und das THW Barmstedt.

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