Klima-Debatte : Mojib Latif kritisiert die Tennet-Trasse

Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel warb engagiert für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes.
Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel warb engagiert für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes.

Der Kieler Klimaforscher referiert in Quickborn.

shz.de von
15. Juni 2015, 12:30 Uhr

Quickborn | Bevor der renommierte Klimaforscher Mojib Latif seinen Vortrag im Artur-Grenz-Saal begann, wollte der Professor am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (ehemaliges Institut für Meereskunde) den G7-Gipfel nicht unkommentiert lassen.

„Ich bin überrascht, wie viel Lobhudelei auf die Regierungschefs eingeprasselt ist“, wunderte sich Latif vor etwa 200 Zuhörern in Quickborn. Es sei nicht das erste Mal, dass das Zwei-Grad-Ziel, das in der internationalen Klimapolitik die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung begrenzt, festgelegt worden sei. „Bei mir herrscht eine gewisse Skepsis vor, dieses auch erreichen zu wollen“, sagte Latif und ergänzte: „Wenn es Realität werden sollte, werde ich einer der ersten sein, der applaudiert. Ich glaube aber derzeit nicht, dass es Politik wird.“

Der TV-Experte leitete mit seinem Vortrag „Der globale Klimawandel – alternative Energie als zentrales Thema der kommenden Jahrzehnte“ thematisch die Quickborner Energie- und Gewerbemesse ein. Diese findet am kommenden Wochenende, 20. und 21. Juni, im Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, Ziegenweg, statt. Organisiert vom Quickborner Energieforum, das auch Latif als Referenten gewinnen konnte.

„Das Klimaproblem ist ein Energieproblem. Es hat damit zu tun, wie wir Energie erzeugen und da haben wir uns in eine Sackgasse manövriert“, sagte Latif. Derzeit bestehe nur die Wahl zwischen Pest und Cholera – zwischen Atomkraft und der Nutzung fossiler Brennstoffe. Auf Atomstrom wollte der Klimaforscher nicht eingehen, sagte aber: „Man muss nur nach Brunsbüttel schauen. Man schafft es nicht, die Atomfässer für einige Jahre zu lagern. Dann sollen sie irgendwo tausend Jahre gelagert werden?“

Latif ergänzte: 90 Prozent des entstehenden Kohlendioxid (CO2) entstünden durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe. 50 Prozent würden in der Luft bleiben und jeweils ein Viertel von Meeren und Pflanzen aufgenommen. „Wenn Co2 in der Luft ist, hat es eine Verweildauer von 100    Jahren“, so Latif. Derzeit hätte der Co2-Wert einen Höchststand erreicht. Den höchsten seit 800.000 Jahren. Die Werte seien durch Eisproben in der Arktis ermittelt worden. „Im Prinzip müssten bei allen von uns die Alarmglocken angehen. Wir haben aber keinen Sinn für Gase von der Natur mitbekommen. Vielleicht würde mehr passieren, wenn sich der Himmel rot färben würde, wenn die Konzentration steigt“, sagte Latif.

Nach der Diskussionsrunde mit Stadtwerke-Geschäftsführer Panos Memetzidis, Jochen Ziehmann, Vorsitzender des Ausschusses Umwelt und Energie der Stadt Schenefeld, dem CDU-Bundestagsabgeordneten Mark Helfrich sowie der SPD-Bundestagsabgeordneten Nina Scheer, schloss Latif mit einem Appell: „Die Lösungen sind im Prinzip da. Wir müssen Sie nur umsetzen.“ Auch die Tennet-Planungen für eine Stromtrasse ließ der Klimaforscher nicht unkommentiert: „Ich sehe keinen großen Sinn darin, Energie in der Nordsee zu produzieren und mit großen Stromtrassen nach Bayern zu liefern.“ Dafür gab es Sonderapplaus des Publikums.

Latif trat ohne Gage auf, hatte aber um Spenden für Unicef gebeten. „Das war eine große Motivation für uns“, sagte Jens-Olaf Nuckel vom Quickborner Energieforum.

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