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Quickborn : Mit 97 Jahren steigt sie noch aufs Rad

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Rüstige Seniorin als Vorbild: Selbst im hohen Alter engagiert sich Ruth Roettig noch immer ehrenamtlich in der Eulenstadt.

Das Bild ist ungewöhnlich: eine 97-jährige Frau steht mit ihrem Fahrrad an der Bushaltestelle, weil sie mitgenommen werden will. „Für eine Tour lasse ich mich gern ins Zentrum mitnehmen“, erklärt Ruth Roettig, die in Quickborn-Heide lebt. „Die Strecke zurück fahre ich mit dem Rad, da habe ich mehr Zeit.“

Trotz ihres hohen Alters ist die rüstige Seniorin mehrmals in der Woche mit dem Fahrrad unterwegs – zum Einkaufen, weil sie zur Bank oder zum Arzt muss. Bis zu ihrer Herzoperation vor drei Jahren brauchte sie das Gefährt auch zur Ausübung des Senioren-Besuchsdienstes der Martin-Luther-Kirchengemeinde.

Regelmäßig widmete sie einen Teil ihrer Freizeit alten Mitmenschen in Seniorenheimen. Sie machte auch Hausbesuche. Zu den Anlässen gehörten oft Geburtstage, an denen es meist vergnügt zuging. Bei schmerzlichen Schicksalsschlägen spendete sie den betroffenen Menschen christlichen Trost. Sie weiß, wie schwer der Verlust des Partners ist, seitdem ihr Mann im Dezember 2002 starb.

Günter Roettig war Pastor an der Klosterkirche in Jerichow/Sachsen Anhalt, bis das Paar 1977 die DDR im Rentenalter verlassen durften. In Quickborn-Heide konnten sie eine Neubauwohnung beziehen. „Damals gehörte die Kirchengemeinde noch zu Ellerau. Mein Mann hat gerne Vertretungen für andere Pastoren übernommen“, erzählte sie im Gespräch mit dieser Zeitung.

Eigentlich liegt es ihr so gar nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Als sie jedoch 2005 für eine Ehrung in Quickborn vorgeschlagen wurde, gab es kein Zurück für sie. Am internationalen Tag des Ehrenamtes gehörte Roettig zu den gewürdigten Kandidaten der Jury. Vier Jahre später wurde sie wegen ihres außergewöhnlichen Engagements ins Bürgerbuch des Kreises aufgenommen.

Obwohl sie ihre Aktivitäten inzwischen aus gesundheitlichen Gründen einschränken musste, lässt sie es sich nicht nehmen, im Chor der Martin-Luther-Kirchengemeinde mitzuwirken. „Ich hab’ immer zu tun“, sagt Ruth Roettig zufrieden, die viel erlebt hat, seit sie 1916 auf dem Gut ihrer Eltern in Klein Wusterwitz bei Magdeburg geboren wurde.

Sie „pflegt“ persönliche Bekanntschaften und telefoniert gerne mit Angehörigen, besonders mit ihrem Neffen in Schwerin. Manchmal, bei besonderen Anlässen wie dem Erntedankfest, besucht sie die Begegnungstätte der Arbeiterwohlfahrt in ihrer Nachbarschaft. Oder sie fährt zu Treffen des Pfarrfrauenbundes in Ham burg. Dann selbstverständlich nicht mit dem Fahrrad.

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erstellt am 25.Okt.2013 | 12:00 Uhr

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