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Im Interview : Mike Krüger: Das Leben ist oft Plan B

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Der Entertainer berichtet in seiner neu erschienene Autobiografie über seine traurige Kindheit und seine bewegende Karriere.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2015 | 15:00 Uhr

Quickborn/Hamburg | Vor 40 Jahren landete Mike Krüger mit „Mein Gott, Walther“ seinen ersten Hit. Seitdem stand der große Schlacks mit der auffälligen Nase mit seiner Gitarre auf so ziemlich jeder Bühne zwischen Nordsee und Wörthersee. Als „Supernasen“ zusammen mit Thomas Gottschalk eroberte der Komiker die Kino-Charts, später war der Allrounder festes Mitglied in der Wochenshow „7 Tage, 7 Köpfe“. Im Interview verrät der 63-Jährige, was ihm half, über seine traurige Kindheit hinwegzukommen, das Geheimnis seiner langen Ehe, was er vom „Dschungelcamp“ hält und spricht über seine neu erschienene Autobiografie „Mein Gott, Walther – Das Leben ist oft Plan B“.

In die „Mike Krüger Show“ (Sat.1, 1991-1993) durften Sie sich Gäste einladen, mit denen Sie schon immer einmal plaudern oder auftreten wollten. So waren etwa Joe Cocker und Caterina Valente zu Gast. Haben Sie sich beruflich alle Träume erfüllt?
Mike Krüger: Ja, in meinem Berufsleben auf alle Fälle, und auch sonst wüsste ich zum Glück nicht, was ich mir noch wünschen sollte. Das war natürlich damals unglaublich: In der Anfangszeit des Privatfernsehens waren die Etats dementsprechend hoch. Und wenn man da gesagt hat: das wird ’ne Super-Show, wenn Joe Cocker kommt, dann wurde eben Joe Cocker angefragt.

Und welchen Wunsch würden Sie sich gerne noch einmal erfüllen?
Ach, so eine kleine Jamsession mit Paul McCartney und Ringo Starr wäre nicht schlecht...

Wenn Sie die Bilder vergleichen – damals in der Schülerband am Schlagzeug und später mit Caterina Valente: Hätten Sie je daran gedacht, eine solche Karriere zu machen?
Weder geplant, noch gedacht. Da ist dann oft der berühmte Plan B eingetreten. Das hat mich am Anfang überrollt und dann hat man versucht, das einigermaßen zu steuern.

Hätten Sie rückblickend irgendetwas anders gemacht?
Es gibt immer Sachen, wo man plötzlich merkt, das ist jetzt eine ganz neue Fernseh-Show, die ich moderiere oder an der ich teilnehme, da hab ich jetzt für 20 Folgen unterschrieben und nach vier Folgen stellt man fest: Okay, das wird jetzt nicht wirklich besser, aber wir haben jetzt 20 Folgen, dann machen wir die auch. Das passiert in so einer langen Karriere eigentlich immer. Aber so richtige Tiefpunkte, wo man denkt: Jetzt ist es mit dem Show-Geschäft zu Ende, hatte ich zum Glück eigentlich nie.

Und wenn mal etwas schief ging, dann hat man das Gefühl – zumindest, wenn man das Buch liest – dass Sie das immer gut weggesteckt haben. War das wirklich so?
Ja, ich bin ja mehr so ein optimistisches Kerlchen. Manche sagen, das liegt daran, weil ich im Dezember geboren bin: Schützen sind wohl mehr so Optimisten. Auch wenn die Kritiken mal schlecht waren: Ich hab mich da nie so wahnsinnig irritieren lassen, sondern habe gleich das nächste Projekt in Angriff genommen.

Mike Krüger wurde am 14. Dezember 1951 in Ulm geboren. Nach seiner Schulzeit machte er eine Lehre als Betonbauer und war auch an den Arbeiten am neuen Hamburger Elbtunnel beteiligt. Nach seinem ersten Plattenerfolg „Mein Gott, Walther“, folgten Hits wie „Der Nippel“ und „Bodo mit dem Bagger“. Neben den Kinokomödien „Die Supernasen“ startete er auch eine Karriere als Moderator im Fernsehen („Vier gegen Willi“). Nach vielen Jahren in Quickborn lebt Mike Krüger heute mit seiner Frau in Hamburg.

Dabei hatten Sie alles andere als einen Traumstart ins Leben. Sie kamen als Frühgeburt zur Welt, ihre Mutter starb, als sie drei Jahre alt waren und die Zeit im Internat auf Büsum war auch alles andere als rosig. Wie haben Sie es trotzdem geschafft, so ein positiv denkender Mensch zu werden?
Ich denke, da gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man macht das Gegenteil von dem, was man erfährt und wird positiv und optimistisch oder man wird so, wie es einem vorgeführt wird. Ich glaube, das kann man in manchen Fällen gar nicht selbst beeinflussen. Die Gene sind dann manchmal positiv oder negativ. Bei mir waren sie Gott sei Dank positiv. Ich habe dann das Gegenteil von dem gemacht, was ich in der Kindheit erlebt habe. Lachen hilft ja viel, gerade, wenn man traurig ist. So bin ich dann eher in die fröhliche Richtung gewechselt, zum Glück.

Aber wie haben Sie das geschafft? Sie waren als Kind ja quasi ganz auf sich allein gestellt?
Wie das geklappt hat, kann ich im Nachhinein gar nicht mehr richtig nachvollziehen. Zum Glück habe ich es geschafft. Gerade die Internatszeit war extrem heftig. Danach war ich ja schon dicht an meiner Frau dran. Wir haben uns kennengelernt, da war ich 18 und sie 15 Jahre alt. Als ich aus dem Internat kam – mit Anfang 16 – ging es los mit Schülerband. Da war ich schon gut abgelenkt. Das ging genau in die richtige Richtung. Musik hilft einem ja auch über alle möglichen Sachen hinweg. Und später hab ich dann meine Frau getroffen und von da an ging es steil bergauf.

Mit der Sie seit 45 Jahren zusammen sind und der sie in ihrem Buch eine besonders schöne Liebeserklärung machen. Wie haben Sie es geschafft, dass sie so lange zusammen geblieben sind – das ist ja im Showgeschäft eher die Ausnahme.
Ganz wichtig ist, dass man vor dem Showbusiness zusammenkommt. Ich stelle mir das schwer vor, wenn ich schon „ein Star“ gewesen wäre und hätte dann meine Frau kennengelernt. Dann ist es, glaube ich, nicht so einfach, herauszufinden: Findet die mich jetzt toll, weil ich ein Star bin oder findet die wirklich mich toll? Wir hatten das große Glück, dass wir uns kennengelernt haben, da hatten wir gar nichts und sind dann zusammen in dieses verrückte Show–Geschäft hineingewachsen.

Sie haben quasi drei Karrieren gemacht: als Sänger, als Schauspieler und im Fernsehen. Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?
Bühnenauftritte mit Gitarre und Bühnenprogramm – da bin ich hergekommen, damit habe ich angefangen und das hat auch immer am meisten Spaß gemacht. Das ist einfach toll, wenn man so einen Saal zwei Stunden zum Lachen bringen kann.

Die Autobiografie: Mein Gott, Walther – Das Leben ist oft Plan B / Autoren: Mike Krüger mit Till Hohender / Verlag: Piper Verlag München / Preis: Euro 19,99

„Deutschland sucht den Superstar“, das Dschungelcamp, „Frauentausch“ – die heutigen TV-Formate kritisieren Sie heftig. Warum?
Das hat meiner Meinung nach mit Unterhaltung überhaupt nichts zu tun. Die finanzielle Not von ehemaligen Showstars dazu auszunutzen, sie in einen Dschungel einzusperren mit einer Gage, die ihnen vielleicht über das nächste halbe Jahr hilft, das finde ich unterste Schiene.

Warum, glauben Sie, gibt es immer mehr von solchen TV-Formaten?
Erstmal ist es wahnsinnig leicht herzustellen. Es kostet kaum etwas und man kann die Leute beliebig austauschen. Und erstaunlicherweise schauen das viele Menschen. Mitleid und Schadenfreude sind zwei Eigenschaften, die viele Menschen haben und manche freuen sich darüber, wenn ein Ex-Star Kakerlaken essen muss. Mein Humor ist das nicht und mein Verständnis von Fernsehen ist das auch nicht. Von daher finde ich das ein bisschen schade.

War früher alles besser?
Nein, es gibt diesen schönen Satz im Buch: „Früher war alles besser, weil früher war ja auch noch alles aus Holz.“ Und ich bin noch in Holzbaracken zur Schule gegangen. So ist es natürlich auch nicht. Es war natürlich nicht alles besser. Alles zu seiner Zeit und die Menschen, die in dieser Zeit leben, die müssen mit dem, was sie jetzt in dieser Zeit umgibt, umgehen und damit klarkommen.

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