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Wer wird Teilzeit-Opa oder -Oma? : Mentoren-Aktion in Quickborn

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

In der Quickborner Aktion Christophorus betreuen 13 Mentoren Kinder und Jugendliche. Sieben weitere Paten werden noch gesucht.

von
erstellt am 28.Jun.2016 | 12:30 Uhr

Quickborn | Vor zweieinhalb Jahren hat sie sich noch nicht für Bücher interessiert. Inzwischen strebt die 15-jährige Quickbornerin den Hauptschulabschluss an. Ihre ehrenamtliche Mentorin Monika Kühl sagte bei einem Pressegespräch gestern: „Durch Beständigkeit habe ich es geschafft.“ Die 60-jährige Quickbornerin hatte die Schülerin im Alter von zwölf Jahren kennen gelernt und sich seither einmal wöchentlich mit ihr getroffen. Während dieser Zeit entwickelte das Mädchen Entschlusskraft und eine Perspektive für ihr Leben.

Kühl gehört zu einem Team von 13 Mentoren der Quickborner Aktion Christophorus des Diakonischen Werks Hamburg-West/Südholstein. Die Rentner kümmern sich um Mädchen und Jungen im Alter von vier bis 15 Jahren, die aus verschiedenen Gründen Unterstützung brauchen: Mal ist ein Elternteil krank, mal leidet ein Kind an einer Entwicklungsstörung, die das Familien- und Schulleben beeinträchtigt, mal haben sich Vater und Mutter getrennt, mal holte das Jugendamt die Mädchen und Jungen aus ihren Familien.

Enno Hasbargen besucht seit dreieinhalb Jahren an jedem Dienstag von 15 bis 18 Uhr einen Jungen, der in einer Einrichtung lebt. Der Elfjährige hat wenig Kontakt zu seinen Eltern, das Personal wechselt immer wieder. „Meine Aufgabe ist es, eine Form von Zuverlässigkeit zu zeigen. Ich will ihm das Gefühl geben: Das ist jetzt deine Zeit“, sagte der 69-Jährige. Bei jedem Treffen unternimmt er mit dem Jungen kleine Ausflüge, mal ins Freibad, mal zur Eisdiele oder zum Einkaufen. Manchmal begrüße der Junge ihn mit fliegenden Armen. Dann weiß Hasbargen, dass er am richtigen Platz ist.

Die Projektkoordinatorin Susanne Golditz erläuterte: „In der Begleitung geht es darum, Vorbild zu sein, Werte zu vermitteln, eine vertrauensvolle Basis zu schaffen und darüber Sicherheit zu bieten.“ Die Mentorin Constanze Edye stellte fest: „Das ’Rauskitzeln der eigenen Qualitäten des Kindes ist häufig verschütt gegangen.“ Die 75-Jährige reist wöchentlich aus Hamburg an, um in einer Großfamilie zu helfen, und beschrieb: Sie versuche, die Kinder in ihren Stärken zu bestätigen und sie dadurch zu Erfolgserlebnissen beim Lernen zu führen.

Vor sechs Jahren ins Leben gerufen

Der Rotary-Club-Quickborn rief die Aktion vor etwa sechs Jahren ins Leben. 2013 übernahm das Diakonische Werk die Trägerschaft. Golditz führt Kinder und Mentoren zusammen. „Ich versuche zu erspüren, wer zu wem passen könnte“, sagte sie. Grundsätzlich ordnet sie Mädchen Frauen und Jungen Männern zu. Beide Seiten sollten aussprechen, wenn die Chemie nicht stimme. Paten dürfen das Amt auch wieder abgeben, wenn ihnen die Betreuung zu viel wird. Der Abschied werde aber langsam vorbereitet.

Eine besondere Form der Mentorenschaft übernahmen Ekkehard Below und Hans Baierlein. Im Rahmen des Offenen Ganztagsangebots der Comenius-Schule helfen sie Kindern mit Migrationshintergrund bei den Hausaufgaben. Golditz führte das Angebot im Sommer 2015 für drei Wochentage ein. Acht Mentoren haben sich den Dienst aufgeteilt; vier davon engagieren sich auch in der Einzelbetreuung. An der Schule sind sie jeweils in Zweier- oder Dreierteams von 12.45 bis 13.30 Uhr im Einsatz. Zum neuen Schuljahr möchte Golditz die Hausaufgabenhilfe auf vier Tage ausdehnen und sucht noch beherzte Helfer.

Abgesehen davon stehen auf ihrer Warteliste für die Einzelbetreuung zurzeit sieben Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren, sowohl Jungen als auch Mädchen. Golditz sucht händeringend neue Mentoren. Eine pädagogische Ausbildung erwartet sie nicht. Ideal seien Menschen, die bereits selbst Kinder groß gezogen haben und am Beginn des Rentenalters stehen.

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