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Vereinsgründung : Mahnmal für jüdische Kriegsgefangene

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Der Förderverein Henri-Goldstein-Haus ist gegründet. Das Rotstein-Gebäude am Quickborner Himmelmoor soll zur Gedenkstätte werden.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Quickborn | „Lassen Sie mal stecken. Das ist alles Vergangenheit.“ Solche Sätze hat Jens-Olaf Nuckel schon oft während seiner Recherche zu hören bekommen. Doch das bestärkt ihn nur weiter in seinem Bestreben, die Schrecken des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Zusammen mit engagierten und historisch interessierten Bürgern aus Quickborn und Hasloh hat Nuckel den Träger- und Förderverein Henri-Goldstein-Haus gegründet. Bereits am 28. November 2013. Gestern gingen die Mitglieder damit an die Öffentlichkeit, denn am Donnerstag ist der 8. Mai. Als Gedenktag erinnert er jährlich an die Befreiung von Krieg und Nationalsozialismus.

Der neu gegründete Verein setzt sich dafür ein, dass das auch als Rotstein-Haus bekannte Gebäude auf dem Gelände des Torfwerks am Himmelmoor so bald wie möglich zur achten Gedenkstätte an die Nazizeit in Schleswig-Holstein erklärt werden kann. Das muss das Kulturministerium entscheiden. Mit der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten sei bereits Kontakt aufgenommen worden. Unter Denkmalschutz stehe das Haus bereits, so Nuckel.

„Mein Motiv ist es, dass wir die Geschichte von 1933 bis 1945 nicht vergessen und das Haus als Erinnerung und Mahnmal an die Schreckensherrschaft bestehen bleibt. Auch für die künftigen Generationen“, sagte Nuckel. Zwar gab es im Himmelmoor kein Konzentrationslager, aber: „Wir wollen die Bevölkerung darauf hinweisen, dass sich der Nationalsozialismus in jedem kleinen Dorf breit gemacht hat“, ergänzte Vereinsgründungsmitglied Sabine Schaefer-Maniezki.

Während des Zweiten Weltkriegs waren 53 jüdische Kriegsgefangene aus dem Elsaß, Frankreich und Belgien im Rotsteinhaus untergebracht. Sie mussten im Moor Torf stechen. Alle überlebten und kehrten nach Hause zurück, informierte Gründungsmitglied Manfred Maier. Henri Goldstein war einer von ihnen. Der Belgier, der heute noch lebt, hat die Erinnerung an diese Zeit in einem Buch festgehalten. Übersetzte Textstellen daraus sind in der Dokumentation „Kriegsgefangenen-Arbeitskommando 1416“ veröffentlicht worden, an der Nuckel und Maier beteiligt waren.

Erklärtes Ziel ist es, dass das Henri-Goldstein-Haus eine Gedenkstätte wird und die Räume so hergerichtet werden, wie sie 1944/45 ausgesehen haben. „Deswegen sollen Ausstattungsstücke, die von der Gedenkstätte Neuengamme und dem Jüdischen Museum in Rendsburg in Verwahrung genommen wurden, zurückkehren“, sagte Nuckel. Dazu gehört auch ein Spiegel, auf dessen Rückseite die Namen der jüdischen Kriegsgefangenen stehen.

Darüber hinaus soll das Gebäude als Treffpunkt und Podium für Veranstaltungen gedacht sein, die sich mit Neonazismus, Fremdenfurcht, Fremdenhass und Intoleranz auseinandersetzen. Ebenso wollen die Vereinsmitglieder die Schulen für die Mitarbeit und Patenschaft gewinnen und eng mit der Kommunalpolitik, der Stadtverwaltung, dem Förderverein Himmelmoor, den Kirchengemeinden und der Geschichtswerkstatt zusammenarbeiten. „Wir haben den Verein Bürgermeister Thomas Köppl schon vorgestellt“, so Nuckel. Wie geht es aber weiter? Bis 2020 wird im Himmelmoor noch Torf abgebaut. Dann soll dann damit Schluss sein. „Wir wären froh, wenn es etwas schneller gehen würde“, sagte Nuckel. Kein Wunder, denn derzeit darf niemand ohne Genehmigung des Pächters Hornung das Grundstück, auf dem sich das Henri-Goldstein-Haus befindet, betreten.

Eigentümer sind übrigens die Landesforsten. Nuckels Wunsch ist es, dass jemand den Landesforsten das Henri-Goldstein-Haus abkauft und dem Verein für das Vorhaben zur Verfügung stellt. Die Motivation der Vereinsmitglieder ist klar: „Darauf vorbereitet sein, wie das System genutzt werden kann“, so Nuckel.

Das Himmelmoor ist das größte Hochmoor Schleswig-Holsteins und weist eine Größe von etwa 605 Hektar auf. Bis 2020 wird die schrittweise Renaturierung des Himmelmoors betrieben. Bereits 1915 wurde im Himmelmoor ein Arbeitslager für Strafgefangene betrieben. Noch bis in die 1980er Jahre haben Strafgefangene der Justizvollzugsanstalt Neumünster dort Torf abgebaut.
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