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Premiere in Quickborn : Lieder gegen den rechten Aufmarsch

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Erstaufführung des Programms „Wölfe mitten im Mai“: Kai Degenhardt singt Songs seines Vaters. Schauspieler Rolf Becker trägt Texte vor.

von
erstellt am 05.Nov.2014 | 12:00 Uhr

Quickborn | Die NSU-Verbrechen, die Verbrüderung von Neo-Nazis und Hooligans sowie der Rechtsruck im Europaparlament – Jens-Olaf Nuckel und seine Mitstreiter vom Trägerverein Henri-Goldstein-Haus sind alarmiert und wollen auf die faschistische Gefahr aufmerksam machen. „Ich habe Bauchgrummeln und Sorgen“, sagt Nuckel. Deswegen hat der Verein den Liedermacher Kai Degenhardt (49) und den Schauspieler Rolf Becker eingeladen.

Beide werden am Sonnabend, 8.November, ihr neues Programm als Premiere in Quickborn vorstellen, noch bevor es in Hamburg zu sehen ist. Beginn im Artur-Grenz-Saal ist um 20 Uhr. Karten zu zehn Euro gibt es in der Quickborner Buchhandlung Theophil, Am Freibad, und an der Abendkasse.

Am vergangenen Montagabend rührten die Mitglieder des Vereins noch einmal die Werbetrommel für das Konzert – mit einem sehr bescheidenen Kai Degenhardt in ihrer Mitte. Der Kontakt zu dem Liedermacher war schnell hergestellt, denn seine Mutter, Margarete Degenhardt, ist auch Mitglied im Förderverein.

„Wölfe mitten im Mai“ - so lautet der Titel des neuen Programms von Kai Degenhardt, der bereits fünf Alben veröffentlicht hat. Am Sonnabend singt er Lieder seines Vaters Franz Josef Degenhardt. Der langjährige „Hamburger Jedermann“, Rolf Becker, trägt die Song-Texte vor und kommentiert sie. Er rezipiert außerdem ein Kapitel aus dem Degenhardt-Roman „Zündschnüre“.

Die Tradition des oppositionellen Liedermachers

„Die Gefahr durch Rechts ist nicht neu in diesem Lande“, sagt Nuckel. „Wölfe mitten im Mai“ – das ist ein Werk der 2011 in Quickborn verstorbenen Liedermacher-Legende und des Kreiskulturpreisträgers Franz Josef Degenhardt. Und der Titel wurde ganz bewusst als Motto des Programms gewählt. „1965 hatte der Song einen Bezug zum Aufstieg der NPD, die damals in sieben westdeutsche Landtage einzog“, berichten Nuckel und Kai Degenhardt. Anfang der 1990er, als Flüchtlingsheime brannten und es zu Nazi-Pogromen im wiedervereinigten Deutschland kam, erwies sich „Wölfe mitten im Mai“ erneut als ein Lied von unübertroffener Aktualität – wie auch jetzt. „Die Entdemokratisierung schreitet europaweit voran“, warnen die Veranstalter. Auch der 8. November, der Vorabend zum 9. November, ist bewusst als Termin gewählt worden. So begannen am 9. November 1938 die Novemberpogrome – der Beginn der systematischen Judenverfolgung und -vernichtung.

Umso wichtiger, dass es Künstler wie Kai Degenhardt gibt. Mit seinem Vater hat der gelernte Jurist viele Jahre zusammen auf der Bühne gestanden. Auch wenn er statt zur Akustik- zur E-Gitarre greift, sieht er sich selbst in der Tradition des oppositionellen Liedermachers. „Meine Lieder handeln von den Herrschaftsverhältnissen hier und heute“, sagt er. Aber am Sonnabend wird er seinem Vater die Ehre erweisen.

Mit dem Konzert soll auch auf den Träger- und Förderverein Henri-Golstein-Haus aufmerksam gemacht werden. Er wurde von Mitgliedern der Initiative „Selbstbewusstes Quickborn“ ins Leben gerufen. Das Ziel des Vereins ist es, das Henri-Goldstein-Haus, auch als Rotsteinhaus bezeichnet, zur Gedenkstätte zu entwickeln. In dem Gebäude waren während des Zweiten Weltkriegs Gefangene untergebracht, die im Himmelmoor Zwangsarbeit leisten mussten. Einer davon war Henri Goldstein, der später ein Buch über diese Zeit schrieb.
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