Quickborn : Leiter der Comenius-Schule geht in den Ruhestand

Er hat noch eine Menge zu erledigen: Müßiggang ist für Andreas Kelber, Leiter der Comenius-Schule, ein Fremdwort.
Er hat noch eine Menge zu erledigen: Müßiggang ist für Andreas Kelber, Leiter der Comenius-Schule, ein Fremdwort.

Ein Vollblut-Pädagoge sagt Adieu: Andreas Kelber geht in den Ruhestand. Sein Name steht für einen liberalen Führungsstil.

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23. Januar 2015, 10:00 Uhr

Quickborn | Andreas Kelber (62) ist jemand, der für die Schule brennt. Ein Vollblut-Pädagoge. Einer, dem jeder einzelne Schüler und Lehrer am Herzen liegt. 22 Jahre lang war er Schulleiter in Quickborn: Am 1. Februar 1993 übernahm er das Amt in der Heinrich-Hertz-Realschule. Als 2010 der Zusammenschluss der beiden Quickborner Realschulen und der Erich Kästner Hauptschule zur Comenius-Schule erfolgte, wurde Kelber auch deren Leiter. Wenn hätte es verwundert. Nun verlässt der Kapitän das Schiff. Ist er wehmütig? „Ich gehe nicht gern, aber ich weiß, dass es richtig ist. Aber ich gehe beruhigt. Diese Schule funktioniert außergewöhnlich gut und ist für die Zukunft gut aufgestellt“, sagt er.

Dass das sein Verdienst ist, steht außer Frage. Zeit für einen Rückblick: Wir sitzen in Kelbers Büro. Er trinkt Tee, und erzählt in seiner für ihn typischen ruhigen Art, wie er seine Berufung für die pädagogische Arbeit entdeckte. „Ich war zwei Jahre lang bei der Bundeswehr. Mit dem Laden habe ich zwar abgeschlossen, aber während der Phase erkannt, was ich gut kann: Mit Menschen umgehen. Somit hat mir der Wehrdienst auf den Weg geholfen.“

Der führte den gebürtigen Holzmindener, der in Hamburg die Schule besuchte, nach Kiel, wo er ein Lehramtsstudium mit den Fächern Geografie, Sport und Philosophie absolvierte. 13 Jahre lang war er Lehrer in Kaltenkirchen. Als er davon hörte, dass in Quickborn ein Schulleiter gesucht wurde, bewarb er sich mit Erfolg um den Posten. „Meine erste pädagogische Amtshandlung war, 20.000 Mark zu generieren, um einen Kanu-Pool für die Schule anzuschaffen. Seitdem geht es jedes Jahr mit einer Schülergruppe in die Wildnis Schwedens zum Zwecke des Naturerlebnisses. Das war mein Einstieg.“

Sein Verständnis von Schülerführung: „Ich habe mich bemüht, einen liberalen pädagogischen Ansatz zu wählen. Ich hoffe, dass der liberale Führungsstil bleibt. Es gilt, die Menschen zusammenzubringen, weil jeder Stärken hat. Das ist auch das Motto der Stunde in der Schulpolitik. Das fordert sehr viel Eigenverantwortung von allen handelnden Personen.“

Konzepte wurdeb durchgesetzt

Kelber nennt ein Beispiel: „Hier haben wir es mal geschafft, dass die Schülerschaft ein Konzept für das Rauchen in der Schule entwickelt hat. Man hat sich für eine Raucherecke entschieden und im Gegenzug erklärt, dass auf den Toiletten nicht mehr geraucht wird. Das hat eineinhalb Jahre geklappt. Danach kam das generelle Rauchverbot für Schüler und Lehrkräfte“, sagt er. Allerdings habe er festgestellt, dass die Schülerschaften heute unengagierter geworden sind. In den 80er Jahren wurden Friedensketten gebildet und man setzte sich für die Umwelt ein. „Seit den 90er Jahren hat das aufgehört. Umweltthemen spielen in der Schule die zweite Geige. Aber es wird wiederkommen. Das Leben verläuft in Zyklen. Es wird irgendwann wieder einen Aufschwung geben. Das ist die Hoffnung dahinter“, sagt Kelber, der sich seit 30 Jahren ehrenamtlich einsetzt, im Sportverein FC Union Ulzburg, im Schulleiterverband und bei den Lions in Henstedt-Ulzburg.

Über die Grenzen Quickborns hinaus wurde die Comenius-Schule bekannt durch das außergewöhnliches Projekt „Produktives Lernen“. Dabei erhalten Jugendliche die Möglichkeit, an drei Tagen pro Woche in einem Betrieb zu arbeiten und an zwei Tagen in der Schule zu lernen. „Es war die Idee einer Kollegin, Ines Bondieck. Ich habe sie unterstützt und es mit ihr umgesetzt. Heute wird das Modell in den Praxisklassen der Comenius-Schule weitergeführt.“ In dieser Weise hätte man die Hauptschule erneuern müssen. Damit hätte man ein vernünftiges System gehabt, so Kelber. Er gehöre zu den Schulleitern, die finden, dass die Realschule sehr gut funktioniert hat und sich für das klassische Schulsystem aussprechen: Hauptschule, Realschule und Gymnasium. „Aber wir können die Zeit nicht zurückdrehen“, sagt Kelber. An die Politik appelliere er, in die derzeitige Kompetenz der Schule zu vertrauen. „Lasst uns in Ruhe unser Kerngeschäft Unterricht und Bildung machen. Wir brauchen nicht jedes Jahr eine neue Reform.“

Bislang gibt es noch keinen Nachfolger für Kelber. „Schulleiter ist kein beliebtes Berufsziel mehr. Es gibt immer mehr Aufgaben. Dennoch würde ich es sofort wieder machen. Ich bereue nichts“, sagt er.

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