Ellerauer Kirche : Lebensmittel- und Kleiderausgabe: Wenn im Gotteshaus Ausnahmezustand herrscht

Die Helfer der Ellerauer Lebensmittelausgabe arbeiten jeden Montag nahezu im Akkord. Wenn die Lieferung gegen 14.30 Uhr am Gemeindehaus eintrifft, bleibt gerade noch eine Stunde, um die Waren zu sichten, zu sortieren und gegebenenfalls zu verlesen.
Die Helfer der Ellerauer Lebensmittelausgabe arbeiten jeden Montag nahezu im Akkord. Wenn die Lieferung gegen 14.30 Uhr am Gemeindehaus eintrifft, bleibt gerade noch eine Stunde, um die Waren zu sichten, zu sortieren und gegebenenfalls zu verlesen.

Das Team der Ellerauer Lebensmittelausgabe leistet Großes. Zum 1. Juli steht der Umzug ins Ellerauer Bürgerhaus an.

shz.de von
29. Mai 2018, 12:15 Uhr

Hier geht alles über den Tisch – Joghurt ebenso wie Frischfleisch, Edelgemüse ebenso wie Konserven, Fertiggerichte ebenso wie Franzbrötchen und sogar Blumen: Einmal in der Woche sorgt ein Team aus 20 ehrenamtlichen Helfern mit Andrea Martens an der Spitze für absoluten Ausnahmezustand im Gemeindehaus der Ellerauer Kirche. Dann belegen sie drei Räume und den Eingangsbereich und richten eine Lebensmittelausgabe, eine Boutique mit Kleidung und Schuhen sowie ein Café ein. Nun steht die Gruppe vor tiefgreifenden Veränderungen. Martens gibt ihr Amt auf und geht in die zweite Reihe zurück. Nachfolger wird Wolfgang Flägel. Zudem verliert das Team seine bisherige Basis und ist ab 1. Juli im Ellerauer Bürgerhaus zu finden. Mit dem Umzug wird das Angebot deutlich reduziert.

Hier treffen sich Geflüchtete, Russlanddeutsche, Deutsche, die vor allem eins miteinander teilen: Sie sind auf staatliche Hilfen angewiesen. „Bei uns sind 220 Familien mit insgesamt 535 Personen registriert“, so Martens. Die Termine für die Ausgabe jeweils am Montag nutzen im Durchschnitt 85 Familien mit 260 Personen, darunter auch viele Quickborner. „Die Tafel ersetzt einen Einkauf in der Woche“, sagt sie. Entsprechend groß ist das Angebot, das von Zwiebelbrot über Spargel bis hin zu Götterspeise und Maultaschen reicht. Was sich in den Läden regulär nicht mehr verkaufen lässt, ist zumeist noch viel zu schaden zum Wegschmeißen. Und so bekommt das Team unzählige Kisten, sortiert, packt um und verliest mit der Hand, bis das Gemeindehaus wie ein Gemischtwarenladen mit Kleiderabteilung aussieht.

Von Dankbarkeit bis Anspruchshaltung

Martens hat in den zehn Jahren, die sie jetzt mitarbeitet, alles erlebt – von großer Dankbarkeit bis hin zu großer Anspruchshaltung. Wer Grenzen überschreitet, wird auch schon mal des Hauses verwiesen. „Am Tag der Ausgabe arbeiten wir von 9 bis 18.30 Uhr. Das ist sehr anstrengend“, so Martens. Dafür sorgt insbesondere der Zeitdruck. Steht alles an seinem Platz, kehrt etwas Ruhe ein.

Dann bleibt Zeit, sich auch dem Einzelnen zu widmen, Hemmschwellen abzubauen, diejenigen zu trösten, die sich nur schwer damit abfinden können, plötzlich auch zum Kundenkreis zu gehören. Im Café neben der Lebensmittelausgabe haben Martens und ihr Team einen Raum geschaffen, in dem jeder willkommen ist, sich aussprechen kann, ein offenes Ohr findet. Die Tafel-Leiterin ist dankbar für alles, was das Team dafür wiederbekommt – Wertschätzung, ein Lächeln und Worte des Dankes. Das wird sich am neuen Standort nicht ändern, aber das weitere Angebot wird reduziert. Der Umzug wurde nötig, weil das Gemeindehaus der Kirche saniert wird. Das DRK in der Moortwiete übernimmt ab 1. Juli die Kleiderkammer, auf das Café verzichtet das Team dann komplett, weil die Leute und der Platz fehlen. „Viele Helfer scheiden aus, das Team wird kleiner“, sagt Martens.

Einzig der Termin bleibt bestehen. Auch in den neuen Räumen im Ellerauer Bürgerhaus, Højerweg 2, werden die Lebensmittel immer ab 16 Uhr ausgegeben. Wer mithelfen möchte, ist willkommen. Gesucht werden vor allem Fahrer mit Führerschein Klasse 3. Interessenten können sich bei der Norderstedter Tafel unter Telefon (0 40) 5 25 26 36 melden.

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